Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1863)
- Date
- 1863-05-05
- Page
- Seite 295 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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295 Aus Oberitalieu, 13. April. (Privatmitth.) Das jüngste Blatt der Gazzette di Torino enthält ein vom Rabbiner Ascoli gefertigtes Schreiben, worin die Redaction jenes Blattes ersucht wird, hinsichtlich der armen Frau von Lugo, die mit ihren beiden Kindern in Ferrara aus unserer Religionsgemeinschaft getreten, einige Berichtigungen aufzunehmen, da genannte Zeitung sowohl als die in meinem letzten an Sie gerichteten Berichte cittrte Perseveranza von Mailand das Factum mit einigen veränderten Umstanden erzählt hatten. Diese Berichtigung lautet ganz im Sinne des Ihnen am 15. v. M. eingesandten in No. 15 Ihres gesch. Blattes aufgenommenen Berichtes. Das Bettagen des königl. Procurators erscheint darin als parteiisch, das Verfahren der Klostergeistlichen als hinterlistig und unredlich. — Es ist übrigens augenscheinlich, daß die arme Frau nach mehrfachen Erklärungen bitterer Reue, die sie in Cento sowohl als in Ferrara auch vor nicht israelttischen Obrigkeiten abgelegt hatte, und nach den eigenwillig gemachten Schritten zur Rücknahme ihrer Kinder, durch das verstellte süßliebliche Schreiben, das denselben in die Feder dictitt worden, in die Falle gegangen, und hierauf nicht stark genug war, den Anlockungen und Versprechungen der sie umzingelnden Pfaffen zu widerstehen. Es zeigen sich jedoch diese Leute nicht consequent genug: Sie verabscheuen einen Jschariot, weil er seinen Lehrer für einige Silberlinge verrathen. Diese Frau, welche um nicht viel mehr ihren himmlischen Vater verlassen, ihr Seelenheil und das ihrer beiden Knaben verhandelt, wird von ihnen in Sonetten besungen, und die Armonia, welche für die hohen Verdienste so vieler unserer Glaubensgenossen nur Augen des Neides und Verdruß hat, überschüttet diese Abtrünnige mit ihren Lobeserhebungen. Rußland. Warschau, 16. April. Aus den Details über das in der Nähe Warschaus stattgefundene Treffen hebt die N. Z. auch hervor, daß auf Seiten der Polen 71 junge Leute fielen, worunter 7 jüdische. Nordamerika. Rew-Nork, im März. Der Jew. Rec. zählt die Gemeinden von New-Iork, den Ort ihrer Synagogen die Namen ihrer Rabbiner oder Vorbeter und ihrer Präsidenten auf; es sind derer 23. Wir hätten gern gesehen, wenn auch die Zahl ihrer Mitglieder beigefügt wäre, um so ihren Umfang bemessen zu können. Daß die meisten dieser 23 Synagogen sehr stattlicher Art sind, ist bekannt. Nachtrag. Cöln, 9. April. (Eingesandt.) In No. 12 d. Z. werden die Herren Joel Jacoby und Lettor Friedländer als getaufte Juden bezeichnet. Dieses ist, so weit es den Lect. Friedländer angeht, unrichtig, da derselbe nach wie vor Jude ist. Eben so wenig ist es wahr, daß er die letzten Confiscationen Berliner Zeitungen bewirkt habe; vielmehr ist er, weil er das Lectoramt nicht streng genug gehandhabt, dieses Amtes enthoben worden. Die an jene Mittheilung in No. 12 geknüpften Bemerkungen müssen also hinsichttich des Herrn Friedländer berückfichttgt werden. Jerusalem, im März. Wir ersehen aus dem „Lebanon", daß der Oberrabbiner von Jerusalem, Rabbi Chajim David Chasan, vom Sultan zum Oberrabbiner aller Gemeinden des heiligen Landes ernannt worden ist. Folgendermaßen ging die Installation vor sich: Der Pascha sandte dem Rabbi durch den Polizeivorsteher sein eigenes Pferd. Nachdem der Rabbi es bestiegen hatte, ritt er in Begleitung des Polizeivorstehers zum Palast des Pascha. Dott wurde er feierlich vom ganzen Diwan empfangen. Der Pascha wies ihm den Platz zu seiner Rechten an. Dann wurde der die Beförderung des Rabbi enthaltene Firman mit den gewöhnlichen Ceremonien verlesen. Hierauf führte der Pascha den Neuernannteu bis zum Thore des Hofes. Dott nahmen ihn die Wachen des Pascha's in Empfang und fühtten chn mit großen Ehrenbezeugungen durch die von den Juden bewohnten Sttaßen. Als er in sein eigenes Haus zurückgekehtt war, empfing er die Mitglieder seiner Gemeinde, die gekommen waren, ihm zu gratuliren, denn solche Ehre wurde noch niemals einem Juden von der türkischen Regierung erwiesen. 19**