Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-05-05 · Heft 19 (5.5.1863) · p. Seite 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 19 (5.5.1863)
Date
1863-05-05
Page
Seite 294 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226364-3226384--21219-3301102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

294 Pesth, im April. (Privatmitth.» Das Memorandum des hiesigen Oberrabbiners Dr. Meisel an die hohe Statthalterei in Ofen über die sittlich-religiösen Zustande der Israeliten ist so vielfach in den Blättern des Ultramagyarismus Hierlands, und zwar in der ungünstigsten Weise, besprochen worden, und man hat, aus purer Gehässigkeit und parteiischer Verblendung, sogar die Entsetzung des letzten Vorstandes der Cultusgemeinde hier als Consequenz aus jenem Schriftstück herzuleiten sich nicht entblödet, daß es endlich höchste Zeit ist, den schonungslosen Jnvecttven ein Ziel zu setzen, der Wahrheit die Ehre zu geben und dem verhöhnten Rechte zum Durchbruch zu verhelfen. Da auch Ihr weitverbrettetes Organ einen Bericht aus dem Lager der Deutschfresser, welche in dem Dr. Meisel nur das Deutschthum veroächttgen wollen, gebracht hatte, so versieht man sich zu Ihrer Unparteilichkeit und Wahrheitsliebe, daß Sie der Berichtigung vollkommen entstellter Thatsachen die Spalten Ihres Blattes eröffnen werden. Das „Memorandum" ist von dem Dr. M. nicht aus eigner Jnittattve verfaßt und überreicht worden, sondern Sr. Excellenz der Statthalter wollte einen Einblick in die sittlich-religiösen Zustände der Jsraeltten haben, und zwar in der edelsten Absicht, um die Maßnahmen bestimmen zu können, welche zu ergreifen wären, um den erhabenen Intentionen der österreichischen Regierung auch in der ungarischen Judenheit Bahn zu brechen, und diese der vollen bürgerlichen Freiheit cheilhaft zu machen. Daß diese Berichterstattung dem Dr. M. aufgegeben wurde, kann Niemand, der die Stellung kennt, welche er einnimmt und das Vertrauen, dessen er von höchster Stelle aus gewürdigt wird, auffallend finden. Ein Refuse aber konnte selbstverständlich einem Aufträge, von höchster Stelle ihm gegeben, von chm nicht entgegengesetzt werden. Er unterzog sich der Arbett mit ttefem Ernste und löste sie in der Weise, welche seiner Stellung der Gemeinde, wie der höchsten Behörde gegenüber würdig war. Die beifolgende vidimirte Abschrift aus dem Memorandum, deren Uebereinstimmung mit dem Originale verbürgt wird, *) wird Ihnen und der Welt beweisen, wie sehr der Dr. M. den Geist in seiner Gemeinde anerkannte und pries, und welch' glänzendes Zeugniß er der Berttetung der *) Siehe die Beilage zu dieser Nummer. Die Redaction. Gemeinde gegeben, und welche Bosheit in der Behauptung liegt, der Sturz des Vorstandes sei eine Folge des Memorandums. Daß aber im öffentlichen Unterrichts- und Erziehungswesen in einer Gemeinde von nahe an 40,000 Einwohnern der verschiedensten Anschauungen und Stufen vorhanden sein können, und daß ein Berichterstatter, dem man im Voraus Abhülfe und Beistand jeglicher Art von höchster Stelle zusagt, verpflichtet ist, auf diese Lücken hinzuweisen, um die Mittel angeben zu können, die sie ausfüllen: das räumt Jeder ein, der gesundes Urcheil hat, und die Postulate der allgemeinen Wohlfahrt und Gesittung nicht durch die Brille der engen Patteisucht und Rechthaberei ansieht. Die Angaben, der Dr. M. habe aus der Memorandumsangelegenhett ein Geheimniß gemacht, ist nichts weniger als — Lüge. Dr. M. hat dem Präses der Gemeinde Kunde von dem Auftrag gegeben, so wie er chn erhalten und sich erbeten, ihm und andern Mitgliedern des Vorstandes die Arbeit vorzulesen, bevor sie chrer Besttmmung übergeben wurde, und erbat sich deshalb eine Conferenz. Durch Umstände und Verhältnisse pttvater Natur wurde diese Zusammenkunft so lange verschoben, und wurde Dr. M. so urgitt, daß die Vorlesung erst später erfolgen konnte. Fünf Herren aus dem Vorstande haben das Memorandum vom Anfänge bis zum Ende gelesen. Aber nicht nur das Memorandum an sich hat dem Vorstände aufs wärmste das Wott geredet, sondern überhaupt setzte der Dr. M. austtchtig Alles daran, um den Vorstand in seiner ausgezeichneten Verwaltung zu erhalten. Es ist bekannt, daß der M. eine Flugschrift gegen den Vorstand des gehässigsten Jnhatts, die bereits gedruckt war, mit dem Aufwande aller seiner Mittel und seines Einfluffes unterdrückte, und daß er allein es gewesen, der die Katastrophe des Sturzes so lange als es möglich war zurückgehalten. Was sie endlich doch herbeigesühtt, berichte ich Ihnen nächstens. Italien. Rom, 14. April. Dieser Tage wurden 3 Jsraeltten verhaftet. Polttische Umtttebe waren die Beranlaffung; bei einem derselben, Herrn Piperno, fand man revolutionäre Drucksachen und Schriften.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.