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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-05-05 · Heft 19 (5.5.1863) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 19 (5.5.1863)
Date
1863-05-05
Page
Seite 287 (sequence 3)
Language
German
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287 so lange und so oft bei der Lectüre selbst analysirt werden, d. h. der Schüler muß bei jeder Form nach dieser und der Wurzel gefragt werden, bis seine Sicherheit und Gewandtheit darin unverkennbar geworden. Wir wollen natürlich hiermit nicht präjudiciren, daß gerade der eben gezeichnete Gang beobachtet werde, wohl aber was und wie weit vom Grammatikalischen gelehrt werden soll, um den Lehrzweck zu erreichen, und doch an Zeit und Kraft nur das Nothwendigste darauf zu absorbiren. Wir können dies nicht blos theoretisch aufstellen, sondern uns auch auf unsere Praxis berufen. Denn wenn der Schreiber dieses auch in den letzten vier Jahren seiner Amtirung durch sich immer wiederholende Kränklichkeit und längere Badereisen behindert war, in der von ihm 1833 als die erste in Preußen gegründeten Religionsschule*) genügend wirksam zu sein, so hat er doch wahrend 25 Jahren die erfteulichsten Erfolge aus diesem so abgegrenzten grammatikalischen Unterrichte erfahren. 3ur Sprachenfrage bei den Zuden.! In der jüngst erschienenen zweiten Auflage der „Alterthümer der Prager Josefstadt von David I. Podiebrad" finden wir S. 21 folgende Bemerkung: „Merkwürdig sind die auf Grabsteinen des sechszehnten Jahrhunderts vorkommenden böhmischen Namen, als: Cech, Cernä, Carka, Dobruzka, Kräsa (Kreul), LibuSa (Libsche), Nezamyl, Mäta. Släva, Slädka, Ylk etc. Diese geben nicht undeutlich zu erkennen, daß sich die Juden in czechischen Gegenden zur Blüthezeit der czechischen Sprache für dieselbe interessirten und sich derselben als Umgangssprache bedienten. Erst als die czechische Sprache aus Amt und Schule zurücktrat, den Juden der Zutritt zu Bildungsanstalteu, in denen Deutschthum vorwaltete, eröffnet wurde, endlich der Schulzwang einwat, und namentlich für größere Gemeinden deutsche Schulen gesetzliche Borschrift wurden, verflüchtigten sich die letzten Spuren ihrer ehemaligen czechischen Umgangssprache, und sie wurden selbst da utraquistisch, wo die sie umgebende Bevölkerung ausschließlich czechifch ist." — Man ersieht hieraus abermals, wie viel die Culturgeschichte der Juden noch von der Sprachforschung zu erwarten hat. *) S. unser „Israel. Predigt- und Schulmagazin." Zweite Ausl. S. 327. Aus den Niederlanden. Am 23. April. Auch der Kirchenrath der Hauptsynagoge zum Haag hat der constituirenden Versammlung ein umfangreiches Schriftstück überreicht, worin theils Modisicationen, theils größere Pracision in den Bestimnmngen des Ontwerp- Reglements beantragt werden. Gleichwie in dem Rapport des Kirchenrathes zu Amsterdam spricht sich auch in diesem Schriftstück Erkeuntniß der Zeit und ihrer Forderungen, so wie der Mängel der gegenwärtigen Gemeindezustände aus. Der leitende Faden des Ganzen ist: Autonomie der Gemeinden und Trennung der geistlichen Angelegenheiten von dem Gemeindekreise des zukünftigen Centralorgans. Auch mehrere andere Gemeinden haben der const. Versammlung ihre Wünsche zu erkennen gegeben. Mehrere der Oberrabbinen gehören ebenfalls zu den Petenten. Sie sehen also, daß hier eia neues, reges Leben beginnt. Man scheint endlich einzusehen, daß es anders werden muß; daß der fiagnirende Zustand einem frischen Lebensstrome weichen muß. Man scheint endlich überzeugt zu sein, daß der Niederländische Israel, eine schwere Schuld an die Vergangenheit abzutragen hat; au die Vergangeuheit, in welcher es auf den Polstersesseln einer Geistesfteiheit athmenden Staatsverfassung zu viel sich der Ruhe hingegeben, nicht genug errungen, um die Gemeinden mit den gewonnenen Früchten zu nähren, die Volksmassen moralisch zu stärken; während die nahen und fernen Glaubensbrüder auf den Folterbänken der Engherzigkeit und der Vorurtheile rastlos arbeiteten und im Schweiße ihres Angesichts Großes schufen, um die Massen zu heben und für wahre Religion zu begeistern. Ja, das Niederländ. Israel muß, wird und will diese Schuld abtragen. Der Wille hierzu zeigt sich jetzt in seiner Morgendämmerung. I Freilich, die Masse des Volkes neigt sich selber nie» I mals dem Besseren zu, zieht sich niemals mit eigener I Kraft aus der moralischen Vollkommenheit; sie muß viel- I mehr geleitet werden, und wenn sie sich bei sanfter Be- I rührung nicht sogleich fortbewegt, so müssen die bewe- I genden Kräfte so unwiderstehlich und beharrlich auf sie! einwirken und sie vorwärts treiben, daß ein RückwLrts-! schreiten als unmöglich erscheinen muß. Diese Leitung, 19*

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