Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1863)
- Date
- 1863-05-05
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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28k fetten Stufenfolge vom Leichtern zum Schwereren übergangen wird, und andererseits in dem gra-mmatikalischeu Unterrichts der Sprache. Der frühere mechanische Unterricht war von beidem das Widerpart, man nahm Woche für Woche den Anfang der laufenden Sidra durch und wußte von Grammatik gar nichts. Hiergegen hat man nun den Einwand erhoben, daß der Unterricht in der hebräischen Grammatik einen sehr großen Theil der Unterrichtszeit in Anspruch nehme, während er sich doch nur blos innerhalb der Formeln der Sprache bewege und darum der Erlernung des eigentlichen Sprachstoffes zu vielen Abbruch thue. Dieser Einwand wäre in dem Falle richtig, wenn es in der Elementar- und Religionsschule darauf ankäme, einen gründlichen und umfassenden grammatikalischen Unterricht zu ertheilen> was aber weder dem Alter der Zöglinge noch dem hier obwaltenden Zwecke gemäß wäre. Es kommt also Alles darauf an, einmal klar zu machen, welches Maß von Unterricht in der hebräischen Grammatik für die jüdische Schule zweckdienlich und nothwendig sei, damit man aus dem leeren Streite um Worte herauskomme. Um hierfür ein richtiges Princip zu erlangen, muß man sich den eigentlichen Unterschied zwischen dem mechanischen und grammatikalischen Unterricht klar machen. Der erstere nimmt jedes Wort an der Stelle, wo er es findet und wie er es daselbst findet, und giebt dem Schüler die Bedeutung an, während der letztere die verschiedenen Formen, in welchen alle Wörter erscheinen, mit einem Male dem Schüler zu wissen thut. Jener muß daher jedes Wort in jeder Form einzeln dem Zöglinge zur Kenntniß bringen, und dieser Weg ist ein um so längerer, je schwieriger und später der Schüler sich selbst Uar machen kann, daß dasselbe Wort in verschiedenen Formen erscheint und, daß diese Form für sich immer eine und dieselbe Bedeutung haben. Wahrend z. B. die Grammatik dem Schüler sagt, die Anhäugesylbe rr heißt überall: du hast, überläßt es der mechanische Unterricht dem Schüler selbst, dies aus vielen, ihm vorkommenden Fällen sich abzuziehen. Noch schwieriger wird es ihm, dasselbe Wurzelwort aus den verschiedenartigen Formen herauszufinden, z. B. daß und nnb dieselbe Wurzel, also dieselbe Bedeutung des Grundwortes haben sollen, während die Grammatik dem Schüler, wenn dieser erst die Formenbuchstabeu kennt, in den meisten Fällen die Wurzel auf's Leichteste herausfinden lehrt. Dieser Unterschied deutet uns auf das eigentliche Ziel des grammatikalischen Unterrichts in der jüdischen Schule hin. Es handelt sich in dieser nicht um die philosophische Erkenntniß der Sprache, welche die höhere Grammatik zu geben hat, nicht um die erschöpfende Erlernung aller Formen und ihrer Regeln bis aus die geringste Ausnahme, nicht um die Fertigkeit, die hebräische Sprache zu schreiben und zu sprechen — eine Fertigkeit, die dem spätern Studium über die Schule hinaus überlassen bleibt — sondern nur um behufs der Lectiou der Gebete und der heiligen Schrift die gangbaren Formen und allgemeinen syntactischen Regeln zu erlernen, um besonders schnell und richtig aus jeder vorkommenden Form das Wurzelwort zu erkennen und dessen durch die Formen ihm gewordenen Modificationett der Bedeutung zu wissen. Dies ist daS Ziel, und dieses Ziel bestimmt die Grenzen des grammatikalischen Unterrichts. Geben wir diese Grenzen in kurzen Hauptzügen ungefähr an. Man be^ ginnt mit den Regeln über Dagesch und Schwa, über den bestimmten Artikel und lehrt die Anhängesylben des weiblichen Geschlechts, des männlichen und weiblichen Plurals, des Gruetivs Sing. fern, und Plur. masc., so wie die gangbarsten Bocalveränderungen im Genetiv 8ing. masc., die Zeichen des Dativs, Accusativs und Ablativs. Man fahrt fort mit der Flexion und Stellung des Adjectivs als solches und als Prädicat und mit der Comparation und lehrt die Zahlen. Die allgemeinen Regeln über die Wurzeln der Zeitwörter, ihre Classification, die Conjugationen, deren Bedeutung und Kennzeichen folgen, und hierauf lehrt man die Pronomina personal,a, welche mit dem Participium das Präsens bilden, die Anhängesylben für das Präterium und die Prä- und Suffixa für das Futurum, und fügt die Regel über das Wavconversivum hinzu. Hieraus lehrt man die Suffixa, welche die Pronomina possessiva vertreten, Sing, und Plur., und giebt schließlich das Nothwendigste der Abwandlung der sog. mangelhaften und ruhenden Zeitwörter (ETi:n cnon). Alles das ist, wenn man sich nicht zu sehr in's Detail verliert, sehr einfach, wird von den Schülern leicht begriffen, quält sie nicht mit der langwierigen Erlernung trockener Regeln und Paradigmata ab und genügt vollständig, um sie, mit Ausnahme schwieriger Fälle, in den Stand zu setzen, in jeder vorkommenden Form Wurzel- und Formbuchstaben zu erkennen und die Bedeutung dieser Wurzel in dieser Form selbst zu finden. Es versteht sich, daß dieser Stoff in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit erlernt werden kann, daß es aber hauptsächlich auf die Einübung ankommt, um ihn dauernd und nutzbar zu machen. Es muß daher