Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1863)
- Date
- 1863-04-28
- Page
- Seite 276 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Aachen, Rheda, Neuenkirchen; ergiebige Collecten haben außerdem Statt gehabt in Cleve, Bielefeld, Menden, Aachen und stehen, wie uns mitgetheilt wird, noch in vielen Orten in Aussicht. Die Lehrer aber oürfen hier nicht Zurückbleiben — ihre Betheiligung muß eine baldige, eine allseitige sein. Auf der am 27. und 28. Mai c. in Cöln stattfindenden Conferenz wird Abänderung einiger wichtiger §§. des Statuts mit zur Sprache kommen, und es versteht sich von selbst, daß hierbei nur wirkliche Mitglieder der Unterstützungskasse Stimme haben können. Wir hoffen bis dahin noch zahlreiche Anmeldungen registriren zu können.*) Der Bor st and. Österreichischer Kaiserstaat. Przemysl, 6. April. Die „Preffe" enthält unter diesem Datum folgende Correspondenz: In einer Correspondenz der „Presse" vom 29. März aus Krakau wird erwähnt, daß der Hirtenbrief unseres ehemaligen Bischofs noch in seinen Wirkungen fühlbar sei, und von der Kanzel herab immerfort den christlichen Dienstboten das Dienen bei den Juden verboten werde, und diejenigen, die dem zuwiderhandeln, der damals erlassenen Currenda gemäß, nicht als Pathen bei Taufen, als Zeugen bei Trauungen, als Mitglieder von kirchlichen Bruderschaften zugelafsen werden sollen. Wie sollte dieses jedoch anders sein, da der Vorgang des ehemaligen Bischofs von den damaligen höchsten Behörden nicht mißbilligt wurde. Bin ich nämlich recht unterrichtet, so wollte der Graf Thun, als die Journale im Jahre 1860 über die erflossene Currenda Berichte brachten, der Sache keinen Glauben beimessen; später sah sich aber der Cultusminifter veranlaßt, an den Hrn. Bischof ein Schreiben zu richten, worin er die Berechtigung anerkennt, den fraglichen Gegenstand vom kirchlichen Standpunkte aus zu beleuchten, und dasjenige anzuordnen, was geeignet erscheint, die Gläubigen von Schritten abzuhalten, welche die Kirche als schädlich anfieht. Er bedauert jedoch gewisse Ausdrücke in der Currenda, wie: daß die Juden allgemein verachtet seien: *) Gut Ding will Weile haben — wir zweifeln nicht, daß die gute Sache durchdringt. Hauptsache ist: die Mittel des Vereins möglich zu verstärken — dann drängen sich die Theilnehmer von selbst hinzu. Die Redaction. daß sie den Christen schaden; daß Galizien besonders viel von ihnen gelitten habe rc., welche, wenn auch als objectiv richtig (?), doch leicht aufregen könnten, namentlich, da man von der Geistlichkeit nicht immer einen seinen Tact erwarten könne. Auch der damalige Staatsminister, Graf Goluchowski, fand, daß sich gegen die Biodalitäten der Beröffentlichung im Allgemeinen nichts einwenden lasse. Hierauf antwortete der Bischof dem Grafen Thun unter Anderm: „Allerdings hat die Currenda Aufregung erzeugt, aber nur unter den Juden, nicht gegen die Juden (?j, obschon selbst gläubige Juden dieselbe mit Befriedigung ausgenommen haben sollen, da auch ihnen das Gesetz verbietet, nicht nur bei Christen zu dienen (?), sondern auch christliche Dienstboten zu halten (?). Der Sturm ginge vorzüglich von sogenannten Reformjuden aus, welche von dem Glauben ihrer Väter abgefallen sind, ohne einen anderen Glauben angenommen zu haben, und welche Alles beherrschen wollen, und meinen. Alles müsse ihnen dienstbar werden." Und damit war die Sache abgethan. Wir haben hier den Verlauf der Sache, so weit er uns bekannt geworden ist, mitgetheilt. Wir vermeiden es, Bemerkungen daran zu knüpfen. Was der hochwürdige Bischof unter Reformjuden versteht, ist uns nicht recht klar. Sollen das diejenigen sein, welche dem Wunsche der Behörden entsprechen, und sich deutsch Leiden und Deutsch lernen? Was sollen also die Juden thun? Lieber in der Unwissenheit verharren? Da können sie doch nicht einmal nach dem Goluchowski'schen Gesetze Bauern werden." «Wir unsrerseits können uns dennoch nicht enthalten, einige Bemerkungen zu machen. Zuerst, was soll man von den früheren obersten Behörden sagen, die nicht allein zugeben, daß von der Kirche aus die gehässigsten Beschuldigungen gegen eine ganze Klasse von Staatsangehörigen ausgesprochen und maßlose Verwirrung in die wirklichen Verhältnisse gebracht werden, sondern welche selbst diese Schmähungen als richtig anerkennen, trotzdem es sich dem einfachsten Beobachter aufdrängen muß, daß Galizien ohne die Juden alles Handels und aller Industrie bar und somit in eine noch tiefere materielle Lage versunken wäre! Alsdann, wenn wir einem Bischöfe die völlige Unkenntniß des jüdischen Rechts ebenso Nachsehen müssen, wie einem alten polnischen Rabbi die Unkenntniß des canonischen Rechtes, so wird doch kein aller polnischer Rabbi so anmaßend sein, völlig aus der Luft gegriffene Gesetze als die des