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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-04-28 · Heft 18 (28.4.1863) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 18 (28.4.1863)
Date
1863-04-28
Page
Seite 275 (sequence 7)
Language
German
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275 gen, die die Israeliten Bayerns umgaben, die Allerhöchste Sanction Sr. Majestät des Königs erhielt, den allgemeinen Vorsatz aussprechen, dieses so wichtige Ereigniß durch die Begründung irgend einer Wohlthätigkeitsanstalt für alle Zukunft im gesegneten Andenken zu erhalten. — Seitdem ist es aber wieder gänzlich stille und nur eine neue Anregung kann das Ganze der Vergessenheit entreißen. Diese, soll sie von Erfolg sein, kann aber nur von einer der größeren Gemeinden Bayerns ausgehen, denn da kann nicht allein durch die eigenen Mittel etwas Erkleckliches geleistet werden; es werden sich dort überdies intelligente Männer zur Genüge vorfinden, die ein solches Unternehmen zum erwünschten Ziele führen werden. Ueber die Wahl der zu begründenden Stiftungen kann man nicht lange in Zweifel sein, wenn man das Nothwendigste und Zweckmäßigste im Auge hat. Bor Allem sollte ein allgemeines Waisenhaus für die Israeliten Bayerns begründet werden, da die in Fürth bestehende Waisenanstalt nur wenige Kinder auszunehmen im Stande ist und sich hauptsächlich, mit einigen Ausnahmen, nur auf den Ort Fürth beschränkt. Noch mehr aber gebieten die jetzigen Verhältnisse sehr dringend einen Cultussond zu begründen, um den Gemeinden auf dem Lande oder in kleinern Städten es möglich zu machen, ihre cultuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die meisten wohlhabenden Israeliten wandern den größer« Städten zu; dadurch erleiden nicht nur die an kleinern Plätzen angestellten Eultusbeamten die empfindlichsten Verluste, so daß selbst ihre Existenz häufig in Frage gestellt ist, sondern die Gemeinden selbst werden öfters auch bei den größten Opfern nicht im Stande sein, ihre Schulen oder Rabbinate zu erhalten. Beide Institute zugleich zu begründen und sie auch zu erhalten, ist für die Israeliten Bayerns bei dem hier herrschenden Wohlstände nicht schwer, und es darf kaum bezweifelt werden, daß, wenn dieser Gegenstand ernstlich in Angriff genommen wird, er auch zum erwünschten Ziele gelangt. Möge die Freundlichkeit Gottes über uns sein und unser Händewerk uns gelingen, unser Händewerk gelingen durch chn! Preußen. Berlin, l 5. April. Die Anstellung von Israeliten als Professoren an preußischen Universttäten hat entschiedenes Unglück. Die „Allg. Zeitung" schreibt: „Gegen die Ernennung des praktischen Arztes Dr. August Hirsch zu Danzig zum ordentlichen Professor der Medicin an der hiesigen Universität hat die medicinische Facultät, welche vor der Ernennung nicht beftagt worden war, Protest eingelegt. Die Geschichte der Medicin, welche Dr. Hirsch Vorträgen soll, war dem Prof. Dr. Ehrenberg übertragen worden. Di*. Hirsch ist Israelit." Dagegen bemerkt die „N. Pr. Zeitg.", die Facultät sei vorher befragt worden, habe aber ablehnend geantwortet. (Das wird, wenn einmal die Berufung geschehen, wenig verschlagen.) Bielefeld, im April. (Privatmitth.) üsts -na« rrnin rrari. Diese schöne rabbinische Sentenz wird leider nur zu oft umgekehrt angewendet. Nur zu oft wird in guten nnd edlen Dingen viel, sehr viel gesprochen; gilt es aber die frische That, ein geringes Opfer, eine kleine Mühe — so hinkt die Ausführung den schönen Vorsätzen langsam nach und bleibt wohl gar ganz zurück, sich mit dem stolzen Bewußtsein beruhigend, viele schöne Worte gesprochen zu haben. — Länger als sechs Jahre hat der Verein israel. Lehrer für Westphalen und Rheinprovinz in jährlichen Conferenzen an der Gründung seiner „Unterstützungskasse" gearbeitet und nach vielen Mühen und Kämpfen ist das Werk endlich zu Stande gekommen, hat die Genehmigung der Königl. Ministerien erhalten und große Befriedigung erregt, nicht nur unter den zunächst Betheiligten, sondern unter allen Freunden der Lehrer und der Schulen überhaupt. Die Hoffnung war gewiß berechtigt, daß die Lehrer sich nunmehr beeilen würden, das so mühsam geschaffene Werk nun auch zu fördern und zu stützen. Dem gegenüber müssen wir leider constatiren, daß im Verhältniß zu jener Begeisterung, zu jenen Muhen, Sorgen und Kämpfen die Betheiligung bis jetzt eine geringe ist. Manche Lehrer mögen die erforderlichen Papiere nicht so rasch beschaffen können, manche mögen auch die Bedeutung des Instituts unterschätzen, viele aber werden durch kleinliche Selbstsucht und Lauheit zurückgehalten. Gleichwohl ist die Lebensfähigkeit der Kasse nicht mehr anzuzweifeln und haben bereits manche höchst achtbare Gemeinden, sowie Privatpersonen durch Schenkungen:c. ihre Sympathien zu erkennen gegeben. Auf den Haushaltsetat haben namhafte jährliche Beiträge übernommen: die Gemeinden zu Essen, Bielefeld, Münster,

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