Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 18 (28.4.1863)
- Date
- 1863-04-28
- Page
- Seite 274 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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274 nach Jerusalem gekommen, Reisende erzählen, daß in ihrer Heimath in diesem Winter ungeheure Schneemasseu angefallen, wie man sie seit mehr denn 20 Jahren dort nicht gesehen hätte, daß der Jordan mit allen seinen Ausflüssen übermäßig angeschwollen, und daß in Folge dessen die Wege nach Jerusalem im höchsten Grade beschwerlich geworden. Geschlossen wird hieraus, daß der Westen von Judäa nun seine Bodenproducte nach dem Hafen von Joppe führen, der Osten (d. i. der Jordanstrich) sie hingegen nach der Hauptstadt bringen, dieser letztern aber aus dem Einem wie aus dem Andern mehr Nutzen als Schaden erwachsen würde. Art. III. endlich ist ein aus Aden (Arabien) datirtes und mit 22:2 -rao unterzeichnetes, höchst interessantes Schreiben über die süd- und westarabischen Juden, welche in die dortigen Gegenden nicht, wie ein neuer deutscher Tourist*) behauptete, schon vor Beginn des babyl. Exils, sondern vielmehr erst im Jahre der Welt 3825 (d. i. 65 n. Ehr.) eingewandert sein sollen. Solches sei aus 2 noch vorhandenen ehernen Tafeln zu ersehen, die von dem berühmten Joseph Rabb an herrühren, einem Manne, welcher 4139 (----379) vom Könige Parmal zum Fürsten ernannt und mit noch vielen andern Vorrechten, wie auch materiellen Gütern beschenkt worden wäre. Dieses und noch mehr interessante Dinge erfährt man aus dem qu. Briefe, welcher zum Schlüsse die Mittheilungen über die Juden Arabiens fortzusetzen verspricht. Die Beilage (-,1:2 rn 2122) giebt erstlich eine Rechtfertigung der schwierigen, selbst vom er"'22212 dunkel gelassene Tosaphothstelle zu Baba Bathra IV. 23 und alsdann eine Erklärung des Bibelverses 1. B. M. 22. 14. Ueber die No. 2, welche dem Ref. soeben auch zugegangen, behält derselbe sich für das nächste Mal seine Mittheilungen vor. Für heute sei noch bemerkt, daß das Abonnement auf „Halbanon" in ganz Deutschland pro Quartal 19 Sgr. kostet.**) Louis Wehl. *) Der in Jerusalem ansässig und von da nach Arabien gekommen. Sein Name ist dem Adener Corresp. entfallen. **) Den Styl anlangend, kann sich das Blatt (so viel Ref. bisher davon gesehen) seinen ältern europäischen Brüdern Ha-Magid und Ha-Carmel noch nicht an die Seite stellen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Auö Mittelfranken (Bayern), 12. April. (Privatmitth.) Nach den seltenen Berichten, die Sie jetzt aus Bayern erhalten, scheint es, als herrsche hier die Meinung, unsere Zustande bedürfen keiner Verbesserung mehr, oder das Bestreben, eine solche zu erzielen, sei ein vergebliches. Daß beide Meinungen ihre Anhänger haben, kann mit Gewißheit behauptet werden, denn diejenigen, welche die Krone der Erlösung in der Befreiung von den Handel und Gewerbthätigkeit umgebenden Schranken erblicken, haben bereits das Ziel ihres Strebens erreicht, und ihre Sache ist es nun, die erlangte Freiheit bestmöglichst auszubeuten. Diesen mag auch wohl die precäre Stellung, welche Synagoge und Schule bei uns noch einnehmen, nicht einmal zum Bewußtsein kommen, geschweige denn, daß sie sich veranlaßt sehen sollten, irgend eine Anstrengung für die Bessergestaltung derselben zu machen. Und so sehr auch Rabbiner und Lehrer, wo die Gelegenheit geboten war, mit allen Kräften dahin strebten, die beengenden Schranken niederreißen zu helfen: so scheint dennoch die Zahl derer, die sich ihrer Sache annehmen werden, sehr gering zu fein. Wir wünschen uns hierin zu täuschen, und würden dann mit Freuden revociren. Doch herrscht wenigstens diese Meinung bei einer großen Zahl von Rabbinern und Lehrern, so daß sich hier eine gewisse Muthlosigkeit und Resignation schon geltend macht. Wir wollen übrigens die Hoffnung nicht ausgeben, daß auch auf dem geistigen Gebiete des Judenthums ein Fortschritt zum Besseren eintreten werde, da der bloße Materialismus gerade im Judenthume nie von Dauer sein kann; denn nur die dasselbe belebende Idee hat es bisher getragen und wird auch für die Zukunft seine festeste Stütze bleiben. In diesem festen Glauben erlauben wir uns auch, die Israeliten Bayerns an eine Schuld zu erinnern, die sie als Dank für die Bessergestaltung ihrer Verhältnisse abzutragen verpflichtet sind. Es war von jeher heiliger Gebrauch in Israel, daß jede Befteiung von einer Gefahr, jede Erlösung von beengenden Verhältnissen durch Werke der Wohlchätigkeit gefeiert wurden; auch hörte man, als vor anderthalb Jahren das von beiden Kammern angenommene Gesetz, bezüglich der Aufhebung der Beschränkun-