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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-04-28 · Heft 18 (28.4.1863) · p. Seite 272

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 18 (28.4.1863)
Date
1863-04-28
Page
Seite 272 (sequence 4)
Language
German
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272 wurden, so geschah dies doch immer nur sehr theilweise, wirkte lediglich auf den vorzugsweise gebildeten Theil der Nation und ging für die große Masse und das wesentliche Leben des Judenthums, ohne liefere Spuren zu hinterlassen, vorüber. Wir besitzen aus den drei genannten Perioden literarische Producle, die von der Einwirkung jenes fremden Geistes Zeugniß geben, aber gerade in ihrer Zsolirtheit bekunden, daß dieser Einwirkung bald wieder Grenzen gesetzt waren. Vorzugsweise ist dies bei der griechisch-römischen Zeit der Fall, wahrend die babylonische Einwirkung sich selbst durch den Talmud in bestimmten Fäden hindurchzieht, und die spanisch-arabische Periode nach dem neuerwachten Studium derselben auch auf unsere Zeit einen nicht geringen Einfluß übt. Dieser Ausgang war theils von den Geschicken des jüdischen Stammes bedingt, theils war das Culturleben jener Völker und Zeiten selbst noch zu sehr einseitig und aus niederer Stufe, oder schon verlebt und abgeschwacht wie das griechisch-römische, um einen dauernden, bezwingenden Einfluß haben zu können. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts aber zeigten sich sowohl die civilisirten Völker als auch die unter diesen lebenren Juden genugsam herangereift, daß diesen die Bahnen in das allgemeine Culturleben geöffnet wurden. Die immer unbedingtere bürgerliche Gleichstellung, die immer unbeschränktere Theilnahme an allen realen Verhältnissen in Industrie und Politik und vor Allem das stets wachsende Eingehen in die Bildung und das Geistesleben der gesummten Civilisation stellten dem Judenthume die großartige Ausgabe, nunmehr, wie nie zuvor, sich mit der menschcngefchlechtlichen Cultur auszugleichen, hinwiederum ein integrirendes Element derselben zu werden, und sich einen unmittelbaren Einfluß auf sie zu erwerben, den es bisher nur mittelbar und darum schwächer geübt. In der Lösung dieser Aufgabe stehen wir gegenwärtig mitten iune, und es kann daher nicht verwundern, daß sich gegenwärtig abermals verschiedene Geistesrichtungen, verschiedene Gesichts- und Standpunkte theils ideell, theils praktisch herausgearbeitet haben, die zeitweise den Charakter ringender Parteien annehmen, auch hie und da, links und rechts, das Gelüste nach concreter Spaltung innerhalb der Gemeinden Hervorbringen. Aber auck jetzt schon läßt es sich übersehen, daß nicht minder wie die früheren Phasen auch die jetzige tief einschneidende und umgestaltende Entwickelung keine solche dauernde Spaltung und Sectenbildung auf die Dauer bewirken werde, daß vielmehr Geist und Verhältnisse dahin führen, die Einheit im Judenthume aufrecht zu erhalten. Fragt man nach den Ursachen dieser gegensätzlichen Erscheinung im Chriftenthume und Judenthume, so können wir zunächst darauf hindeuten, daß das letztere ein einheitliches Substrat hatte und hat, welches durch Nationalität und Geschick auf ein einheitliches Zusammenhalten verwiesen und geführt ward, während das Christenthum berufen war, eine Masse von Nationen anzugehen, die an Eigenthümlichkeit, Charakter, Sitte, Cultur und geschichtlichen Verhältnissen weit von einander abstanden. Das zweite Kausalmoment wird aber darin gefunden werden müssen, daß das Christenthum den aus dem Judenthume entnommenen Lehrinhalt, um ihn den Völkern zugänglich zu machen, sofort mit einem mannigfaltigen Zusätze von Dogmen, Anschauungen und anderen Elementen umgeben, erweitern und ausfüllen mußte, der sich nun in den einzelnen Nationen und Zeiten sehr verschiedenfarbig reflectirte, und den Stoff zu den mannigfaltigsten gegensätzlichen Auslegungen hergab, aus welchem zahllose Kirchen und Secten entspringen mußten. Wie dem aber auch sei, es leuchtet ein, daß wir ganz genau sagen können, was Judenthum ist: es ist: die geschichtliche Entwickelung des Mosaismus in den obengezeichneten Phasen, und das Judenthum des neunzehnten Jahrhunderts ist das im und zum menschengeschlechtlichen Culturleben sich entwickelnde Judenthum. Fortsetzung folgt.s Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a/O., April, -prsbr: „Halbanon". So heißt die allerneueste „hebräische Zeitschrift", welche seit anderthalb Monden in Jerusalem erscheint und die Herren Jechiel Bril, Michel Cohen und Joi-l Mose Bram zu ihren Herausgebern hat. Nach der nr-n'r iAnkündigungj, welche der ersten Nummer vorangegangen, soll das Blatt vorläufig nur Monatschrift sein resp. allmonatlich ein Mal — und zwar immer am win wrrn — herauskommen und Nachrichten aus Palästina, Syrien, Arabien, Indien, Aegypten :c. bringen. Wie sich von selbst versteht, so sollen diese Nachrichten :c., wenn nun gerade nicht ausschließlich, so doch vorzugsweise mit den in den genannten Ländern wohnenden Juden und deren Verhältnissen sich beschäftigen und.

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