Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1863)
- Date
- 1863-04-21
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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261 Gulden per Mann gespendet. Die „Presse" constatirt aus Lemberg vom 2. April, daß auf dem flachen Lande, wahrscheinlich von der revolutionären polnischen Partei die Gerüchte verbreitet werden, daß während der Osterfeiertage die israelitische Bevölkerung überfallen und mißhandelt werden solle. Es versieht sich, daß man hiermit die Juden nur terrorisiren will, um sie zu allenfallsigen Leistungen aus Furcht zu bewegen. Raab, im April. l Privatmitth.» Unser Gemeindeleben hat vor dem vieler ungarischer Gemeinden das voraus, daß es sich nach der vor dreißig Monaten eingetretenen allgemeinen Gährung nicht zu klären brauchte. Die Fermente trafen hier auf einen vorzüglich ruhigen Sinn, und die im Schooße der Gemeinde herrschende Einstcht trat allen Agitationen und Gelüsten zum Umsturz mit Energie entgegen. Das Zusammengehen beider Nationalitäten ist von überwiegend günstigem Einflüsse, und hat auf religiösem Gebiete Nachahmung gefunden. Raab hat, wie fast jede Gemeinde Ungarns, seine zwei Parteien; auch diese Corporation trägt den Januskopf: die eine Seite hat zum Wahlspruch zhn? ms11 “ot , während die andere -INI nn rii:w im auf ihr Banner schreibt. Aber bei uns verläugnet der Januskops sein Naturell nicht: der Sinn für Friede und Eintracht, für naturgemäße Entwickelung und Fortschritt belebt und durchdringt die Gemeinde als moralischen Körper und hat bis jetzt noch nicht verfehlt, bei dem Individuum gleiche Gesinnungen hervorzubringen und zu kräftigen. An der Spitze der Synagoge steht der Prediger Herr vr. Rauschburg, in weltlichem und theologischem Wissen durch und durch sein gebildet, ein Mann des edelsten Fortschrittes, aber auch ein entschiedener Gegner jedes Ueberschrittes, was zur Folge hat, daß die seinem weitverzweigten Wissen und seinem wahrhaft edlen Charakter gebührende Achtung und Verehrung sich bei jeder Gelegenheit manisestirt, und beiden Parteien — wenn wir sie hier so nennen dürfen — ist ihr verehrter Seelenhirt gleich werth und theuer. Die der starken Gemeinde nicht genügende Synagoge hat eine zweite, eine Filiale nothwendig gemacht, was den, die berührten Gemeindeverhältnisse charakterifirenden Uebelftand nach sich zieht, daß der unter der trefflichen Leitung der Herren Stiglitz und Bärmann stehende Chor ein wandernder sein muß. Diesem soll auch bald abgeholfen werden, indem ein der Größe und der Bedeutung der Gemeinde Raab würdig entsprechender Bau in Aussicht gestellt ist. Der zweite Brennpunkt des Gemeindelebens, die Schule, an welcher außer dem Religionslehrer noch sechs Lehrer und zwei Jndustrielehrerinnen angestellt sind, hat durch das Ausscheiden des Directors, Herrn A. S. Fischer, einen herben Verlust erlitten. Herr Fischer, welcher dem an chn ergangenen Rufe folgend dieser Tage die Leitung der israelitischen Kleinkinderbewahranstalt in Wien übernimmt, bringt diesem Institute ein namhaft geistiges Capital mit, das gepaart mit ungeheuchelter Liebe für die Jugend und der reinsten Begeisterung für seinen Beruf ein Dreiblatt bildet, würdig als Zierde jedes Jugendlchrers. Ein erfolgreiches Wirken durch sieben Jahre an der hiesigen israelitischen Hauptschule hat ihm ein Denkmal in den Herzen Aller errichtet, sie dürfen ihm näher oder ferner gestanden haben, und es ehrt ihn und die hiesige Gemeinde, daß er, obwohl ernannt von der früher bestandenen k. k. Statthalterei, in seinem Amte als Director und Lehrer unangegriffen, wohl aber geehrt blieb, während doch die meisten Gemeinden Ungarns ein anderes Vorgehen beobachteten. Rußland. St. Petersburg, im April. (Privatmitth.) Die „Nord-Post" schreibt: Die Liefländische Gouvernements- Regierung kam beim dirigirenden Senate mit einer Vorstellung ein, worin sie um Abänderung der Verfügung des Ministeriums ansuchte, nach welcher es den fremdstädtischen Juden gestattet wurde nach Riga zu kommen, ohne in die für sie eingerichteten Gasthäuser einkehren zu müssen. Die angeführten Gründe zur Bitte sind, daß die freie Einfahrt der Juden nach Riga die Privilegien der Stadt zerstören und den Handel des Ortes untergraben würde. Nach dem vom Ministerium dem Senate vorgestellten Gutachten wurde dieses Gesuch zurückgewiesen als ein ungegründetes und schädliches, für die mit Liesland benachbarten Gouvernements, die einen großen Theil ihrer Products nach dem Auslande durch Riga nur vermittelst der Juden absetzen und durch ihre Vermittelung auch die nöthigen Gegenstände aus dem Auslande erhalten. Von der rusfichen Grenze, im April. (Privatmitth.) Aus höhere Anordnung ist von der Gouvernements-Re- 17