Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1863)
- Date
- 1863-04-14
- Page
- Seite 246 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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246 abgeschreckt, ihre unter solchen VerhAtnissen doppelt schwere Aufgabe rühmlich zu lösen. Es ist das Geringste, was wir für so vielen Berufseifer bieten können, wenn wir bei diesem feierlichen Anlasse die Anerkennung aussprechen, welche die Gemeinde chren Lehrern schuldet. Sowohl während des Jahrganges als in der Hauptprüfung haben stch die zunehmenden Leistungen der Anstalten glänzend bewährt und verdient namentlich ein entschiedener Fortschritt in der hebräischen wie in der ungarischen Sprache rühmlichst erwähnt zu werden." „Die Zahl der Schüler in allen drei Anstalten beträgt 1350. Wenn man bedenkt, daß ein sehr bedeutender Theil derselben aus armen Zöglingen besteht, so leuchtet die Wichtigkeit und Heiligkeit dieser Anstalten Jedermann ein. Wie weit entfernt dieselben jedoch von Erreichung des ganzen Zweckes sind, ersieht man aus der großen Zahl der Juden-Kinder, die heute noch die reformirte Missionsschule besuchen, eine wahrhaft traurige Erscheinung, die uns neuerdings dazu anspornen sollte, unsere Volksschulen dermaßen zu erweitern und zu heben, daß sie diese Abnormität aufhören zu machen im Stande seien." Einem solchen Stande der Dinge gegenüber können wir allerdings nur meinen, daß die größte Energie des Vorstandes für die nächste Zeit auf diesen Gegenstand gerichtet sein müsse, und wir sollten denken, daß, wo die Mittel zum Bau der herrlichsten Gotteshäuser und zur Anstellung eines zweiten Predigers sich finden, diese zu den wichtigsten Schulzwecken nicht fehlen könnten. — In einer noch schlimmeren Verwahrlosung fand der Vorstand das jüdische Spital, wo es an den nöthigsten Utensilien, besonders an Leib- und Bettwäsche fehlte. Eine desfallsige Sammlung brachte eine Summe zusammen, welche den Bedürfnissen des Spitals nachhaltig abhalf. — Die Almosenspende absorbirte mehr als 10,000 fl. Für Bekleidung armer Schulkinder wurden wieder circa 2500fl., und zwar nahezu die ganze Summe in wenigen Tagen, durch die unermüdliche Hingebung eines Einzelnen zu Stand gebracht. Der Bericht hebt auch hervor, daß der Vorstand, seine Sectionen und Commissionen im Laufe des Jahres mehr als 200 Sitzungen gehalten. — Einer der wichtigsten und für alle israelitischen Cultusgemeinden interessantesten Punkte ist aber der folgende, den wir mit den Worten des Berichtes selbst anführen wollen. „Das abgelaufene Jahr in vielen Beziehungen ein Probejahr, war dies vorzugsweise für die Kassa- Sectio n, von welcher bekanntlich der neue Modus einer freiwilligen Fassion der Cultusbeiträge ausgegangen ist. Von den numerischen Ergebnissen dieses Versuches hängt es ab, ob eine Einrichtung auch als thassächlich bewährt anzusehen und daher beizubehalten ist, deren moralische Tragweite und so zu sagen theoretische Berechtigung schon im Vorhinein allgemein zugegeben wurde. Es ist daher gewiß eine der erfreulichsten Mittheilungen, die wir der löbl. General-Versammlung zu machen haben, daß das finanzielle Ergebniß der fassionsweisen Einhebung der Cultusbeiträge keineswegs hinter unfern Erwartungen zurückgeblieben ist. Die löbliche General-Versammlung hat sich demnach keiner Täuschung hingegeben, als sie im Februar des abgelaufenen Jahres ein so entschiedenes Vertrauen in den Gemeinsinn der Gemeindemitglieder setzte, als sie mit ihrem Beschlüsse den Vorschlag des Ausschusses sanctionirte und damit, um uns so auszudrücken, die durch sie vertretene Genossenschaft reif und majorenn erkärte." „Die Bereitwilligkeit, mit der von der überwiegenden Mehrzahl unserem Aufrufe entsprochen ward, brachte das Endresultat: daß wir nämlich trotz allen bösen Prophezeihungen im Stande waren, mit dieser gefürchteten Einhebungsart der Cultusbeiträge die Bedürfnisse der Gemeinde zu decken, die Gemeinde-Passiva um 14,000 fl. zu vermindern und überdies einen Kassarest zu realisiren; und es zeigte sich, daß es die sogenannte Mittelklasse der Gemeinde-Mitglieder ist, welche die größte Quote der Cultusbeiträge liefert. Einige Ziffern verdienen aber auch hier schon eingeschaltet zu werden." Die aus 50 Mitgliedern der Gemeinde mit Rücksicht auf alle Erwerbsllassen zusammengesetzte Commission hat zuerst die Individuen registrirt, die nach Beschluß der General-Versammlung verpflichtet sind, Cultusbeitrag zu leisten. Die Zahl ist 2014, während im Vorjahre nur 1262 Personen ausgezeichnet waren. Die Summe, welche von der Commission nach sorgfältiger Prüfung für sämmtliche Contribuirende bestimmt wurde, war fl. 36,031. gegen fl. 20,855. des Vorjahres, somit ein Zuwachs von 7 52 Personen einerseits, ein Zuwachs von fl. 15,175. andererseits.