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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-04-14 · Heft 16 (14.4.1863) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 16 (14.4.1863)
Date
1863-04-14
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
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244 Die Resolution 16 lautet: „Bei der Anstellung der Lehrer soll der Gemeinde das Recht der unbeschränkten Wahl aus allen Anstellungs-Berechtigten zustehen und der Regierung das Recht der Bestätigung." Man steht leicht ein, daß durch diese Bestimmung die Anstellungsfähigkeit israelitischer Lehrer ganz in der jetzigen Lage bleiben würde. Die Resolution 20 lautet: „Die Schulaufsicht und die Verwaltung des Schulwesens ist auf allen Stufen so zu organisiren, daß die Rechte der Gemeinde und des Staates, so wie der betreffenden Religions-Gesellschaften gewahrt werden." Für uns eine sehr vage und unzuverlässige Bestimmung. — . Bei dieser Gelegenheit möge hier ein Artikel der „Magd. Zeitg." vom heutigen Tage angeführt werden, der auch aus unserm Gebiete viel Wahres und Beherzigenswerthes enthält. Er lautet: „Cousin nannte Preußen das Land der Casernen und Schulen, St. Marc Girardin, der in den dreißiger Jahren über Preußen schrieb, wies auf die Bedeutung hin, welche die Nachbarschaft der Universität und des Zeughauses habe. Das Verhältniß ist seitdem etwas verschoben. Zwischen Zeughaus und Universität hat sich seitdem die neue Wache erhoben, und das Gießhaus, aus dem die Kunstwerke Rauch's hcrvorgingen, ist jetzt eine Kaserne. Niemand wird zu behaupten wagen, daß der Fortschritt der Schulen mit dem Fortschritte der Kasernen in Preußen auf gleichem Fuße gegangen ist. Seit Altenstein's Abgänge ist es weltkundig, daß die obere Leitung des Dolksunterrichts in Preußen fast ununterbrochen in den Händen einer specifisch kirchlichen Richtung gewesen. Die Früchte dieser Richtung fürchten wir, offen sei das hier ausgesprochen. Nicht als wenn wir besorgten, daß diese Richtung den kommenden Generationen ihr Gepräge aufdrücken könnte, denn man hemmt den Lauf einer Locomotive nicht mit papierenen Barrieren; jener kirchlichen Partei gehört die Gegenwart nicht, wie ihr die Vergangenheit Preußens nicht gehört hat und die Zukunft nicht gehören wird. Die Schule ist heute kein umftiedetes Gebiet mehr, auf welchem man den Schüler isoliren kann. Draußen geht der Zug der Eisenbahnen, die Dampfmaschinen und Schnellpressen rasseln und der Kampf der politischen Parteien tobt auf dem Markte. Wenn nun die Schule sich nicht bemüht, die ideale Welt mit der realen zu versöhnen, sondern sich (wie es bei unfern Frommen der Fall istder letztern gegenüber feindselig verhält, so sind zwei Folgen unausbleiblich. Entweder wird sich der lebhafte Schüler sofort, wenn auch nur geistig, gegen die Autorität des Lehrers auflehnen und im Lehrer die erste Autorität sehen, welche er kritisirt, oder der Schüler wird mit den Lehren, die er in der Schule eingesogen, in die Welt treten und die Welt des kirchlichen Lehrers stückweise vor der wirklichen Welt in Trümmer fallen sehen. Er wird in dieser Welt nach solchem Kampfe allmälig allen Idealismus verlieren und zum zersetzenden Freigeiste, nicht zum innerlich befreiten Manne werden. Denn nur wenige Geister sind so schwach oder so stark, um die Eindrücke einer exclusiv frommen Erziehung den Einwirkungen der Welt gegenüber zähe fest zu halten. Wir fürchten, daß als Resultat der Regulative und ihrer Grundsätze ein Geschlecht von Atheisten heran reifen wird, welches nicht das Menschliche und Ethische in den verschiedenen Religionen heraus zu finden vermag, sondern welches die Religion und ihre Diener zu hassen beginnt. Es ist ein sehr interessantes Factum, daß ein großer Theil der Terroristen von 179:» in den Schulen der ftommen Väter Jesu erzogen worden. Auch Arouet de Voltaire war ein Jesuitenzögling. Der Voltairianismus hat hem' zu Tage eine große Expansionskraft. Man lasse den Volksunterricht in den Händen protestantischer und katholischer Jesuiten und die Voltaires werden in jedem Dorfe aufstehen. Was die Regulative erstreben, haben die Jesuiten längst ausgeführt. Der Jesuit Rollin schrieb eine Römische Geschichte vom katholischen Standpunkte, in Italien gab es lauge Zeit eine katholische Astronomie und Erdbeschreibung. Die glänzenden Folgen solcher Unterrichtsmethode sind weltkundig. Königsberg, 30. Marz. (Nat.-Ztg.) Die Nachricht von der durch den Cultusminister erfolgten Ablehnung der von der Universität beantragten Aenderung ihres confessienellen Charakters wird durch nachfolgendes Schreiben bestätigt, welches zugleich als ehrenvolles Zeugniß für die Haltung der Universität in dieser ganzen Angelegenheit veröffentlicht zu werden verdient. An den praktischen Arzt Hrn. Dr. med. Samuel hier. Geehrtester Herr College! In Bezugnahme auf Ihre Eingabe im October 1860, Ihre Habilitation als Privatdocent an der hiesigen Universität betreffend, beeile ich mich Ihnen im Namen der Facultät mitzutheilen, daß dieselbe leider nicht im Stande gewesen ist, Ihnen die liceutia docendi zu erwirken. Die Facultat hat

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