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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-04-07 · Heft 15 (7.4.1863) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 15 (7.4.1863)
Date
1863-04-07
Page
Seite 230 (sequence 10)
Language
German
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den 26. Febr. in dem dortigen Wirthshause die ganze Familie des Schänkers Leib Lnp, bestehend aus fünf Personen, ermordet. Leib Lup wurde im Bette im Blute liegend gesunden, die Hirnschale mit einem Hackenschlage zerschmettert, die Zähne eingeschlagen, an der Brust mehrere Hackenhiebe, der Kopf halb vom Rumpfe getrennt. Dessen Weib Hennie lag quer über dem Leichnam des Mannes, ebenfalls durch Hackenhiebe getödtet, den Kopf theilweise vom Körper getrennt. Die Schwiegermutter der genannten Eheleute lag todt in einem Bette, ebenfalls durch Hackenhiebe erschlagen. Ein Kind, 3*/2 Jahre alt, den Kopf mit einem Hackenhiebe zerschmettert. Ein zweites Kind, erst 6 Monate att, ebenfalls ermordet, durch einen in das Gesicht geführten Hackenschlag. Alles vorräthige Geld, annäherungsweise 70—80 Ducaten in Gold und Silber, ferner werthvollere Kleidungsstücke, sowohl des Mannes als der Frau seidene Kleider, Leib- und Bettwäsche u. s. w. wurden geraubt. Der Thäter ist unbekannt, scheint jedoch der eigene Diener gewesen zu sein, indem derselbe am Morgen, an welchem die That entdeckt wurde, spurlos verschwunden war und bis nun nicht eruirt werden konnte. AuS Böhmen, im März. (Privatmitth.) Wenn ich in einem früheren Berichte den israel. Religionsunterricht wie er auf dem Lande ertheilt wird, scharf getadelt habe, so drängt es mich nunmehr, auch den Religionsunterricht in den höheren Lehranstalten Prags an's Licht zu ziehen. Leider bleibt auch da noch Diel zu wünschen übrig. Nicht nur, daß das Hebräische gänzlich vernachlässigt wird, auch die biblische Geschichte in deutscher Sprache wird nur sehr spärlich genommen, und ein mir nahestehender Realschüler (im 2ten Jahrgange) antwortete mir auf die Frage, wer der erste König in Israel war, mtt den Worten: „Das haben wir noch nicht genommen". — Charakteristischer scheint mir noch eine in hiesigen Blättern abgedruckte Einladung zu einer Prüfung an einem israel. Privatlehr- Jnstitute, wobei bemertt wird, daß die Prüfung aus dem Literarischen, Klassenweise, in zwei Tagen, das Examen aus dem Hebräischen mtt sämmtlichen Schülern (deren Zahl nicht unbedeutend ist) auf Einmal in zwei Stunden beendigt sein wttd. Man sollte überhaupt gar nicht glauben, wie sehr die Cultur des jüdischen Unterrichtes darnieder liegt. Dreizehnjährige auch noch allere Knaben haben noch keine Spur von dem Hebräischen, sie wissen nicht, was eine Ceremonie ist, besuchen das ganze Jahr keine Synagoge und verirrt sich einer zufällig (wenn das regnerische Wetter die Promenade verleidet) in das Gotteshaus, so weiß er nicht, was gebetet wird! — Denn so weit ist es hier zu Lande gekommen, daß Jedermann, der gegen die Nichtachtung der heil. Gesetze und Ceremonie eifert, als „grauer Orthodox" bezeichnet wird, der mit dem „Zeitgeiste" nicht fortschreiten mag. — Noch muß ich zum Schluffe einer achtzigjährigen Geburtstagsfeier erwähnen, welche vor Kurzem ein im Studium des Gesetzes ergrauter, aber seiner außerordentlichen Bescheidenheit wegen in der Oeffentlichkeit nicht bekannter Mann, Herr Löw Bresnitz, beging. Es war ein Vergnügen, den lieben Greis unter den zahlreichen Anwesenden, die chn zu beglückwünschen kamen, umherwandeln zu sehen. p. Schweiz. Endlagen, 20. März. (Privatmitth.) „Zuwarten!" sagte ich in meinem jüngsten Berichte. Denn weder mir noch irgend einem vernünftigen Menschen konnte es einleuchten, daß die Botschaftlerpartei*) noch dahin kommen werde, wohin sie im Großen Rathe vom 12. März gerathen ist. Der Vorschlag der Regierung über die Rechtsverhältnisse der Israeliten wurde vom Großen Rathe angenommen mit einem starken und sonderbaren Aber. Alle Bestimmungen, die sich auf die Stimmfähigkeit der Israeliten beziehen, wurden auf Antrag der Minderheit der zur Prüfung des vorliegenden Gesetzes gewählten Großraths-Commission gestrichen mit 79 gegen 61 Sttmmen — 14 Liberale waren abwesend. Die Redner der Botschaftler waren: Herr Waldkirch von Zunzach, ein aller Judenfeind, der durch die Stimmgebung der Israeliten um seine Friedensrichterstelle gebracht wurde. Advocat Baldinger von Baden, ein eingerosteter Aristokrat, Arzt Jehle, ein Mann, dem noch eine gute Portion Vernunft zu wünschen wäre. Herr Schmid von Büttstein, auf gleicher Linie wie Jehle und Herr Aktie, der Bombast alles Ultramontanismus. Wer die Reden dieser Menschen hört oder liest, der kann nicht begreifen, wie man es wagt, vor einer Versammlung gebildeter Männer sol- *) So nennt man bei uns die Partei der Ultramontan-Demagogeu nach ihrem Organe „die Botschaft".

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