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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-04-07 · Heft 15 (7.4.1863) · p. Seite 229

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 15 (7.4.1863)
Date
1863-04-07
Page
Seite 229 (sequence 9)
Language
German
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229 chisirung dieser Stadt, weil die Juden mit den Czechen nicht durch Dick und Dünn gehen wollen. Sie äußerten dieses wohl nicht öffentlich, unterließen es aber, den an sie von den Czechen gestellten Anforderungen zu genügen, bekümmerten sich überhaupt zum größten Theil gar nicht um den Nationalitätenstreit, da ihre Nahrnngssorgen — die Juden in Hermanmiestetz sind meist unbemittelt — ihre Thätigkeit hinlänglich in Anspruch nahmen. Diese Feindseligkeiten zwischen den beiden Glaubens- und Gesinnungsgenossen blieben jedoch nur innere, bis vor einigen Monaten eine Quadrille componirt wurde, deren Text ein die Juden verhöhnendes und gegen dieselben aufreizendes Lied enthält. Diese Quadrille und besonders ihr Text kam unter der czechischen Bevölkerung daselbst so in Schwung, wie nur eines ihrer Nationallieder, blieb auch nicht ohne Erfolg. Aber allmälig mäßigte sich die hierdurch hervorgebrachte Aufregung und das Lied gerieth so ziemlich in Vergessenheit. Das sollte jedoch nicht lange so andanern. Der in Hermanmiestetz bestehende czechische Schneiderverein hatte von vielen Israeliten Waaren geborgt. Die Gläubiger konnten zu chrer Forderung beim Vereine in gütlichem Wege nicht gelangen, sie klagten daher ihre Schuldner; diese wurden hierdurch über die Juden erzürnt und der alte Groll kam wieder zum Vorschein. Hiezu trug auch der Umstand nicht wenig bei, daß die jüdischen Synagogen-Sänger der Aufforderung der Czechen, zu ihrem Gesangsvereinc überzutreteu, nicht Folge leisteten. Am letzten Faschingstage begaben sich mehrere Czechen maskirt in die Wohnungen der Juden und trieben da unter Absingung des benannten Liedes, welches sie hierzu aufmuntera sollte, ihr Unwesen. Unter Anderm steckten sie sogar einen Israeliten in einen Sack und schleppten ihn so herum. Solche und ähnliche Vorfälle wiederholten sich noch einige Male, bis denselben von dem Gerichte vergangene Woche Einhalt gethan wurde. Mehrere von den Theilnehmern wurden dem Chrudimer Gerichte eingeliefert und auch der Verfasser des aufrührerischen Liedes von den Israeliten geklagt. — Von anderer Seite wird über jene Excesse gemeldet: In Hermanmiestetz fand am I. und 2. d. Mts. aus Anlaß des bei einem dortigen Bürger wohnenden Juden Markus Baß ein Auflauf statt. Gegen 300 Menschen sammelten sich am 1. d. Mts. vor der Wohnung des obigen Israeliten, beschimpften ihn und schlugen die Fenster seiner Wohnung ein, woraus sie unter Abfingung eines Judenliedes sich zerstreuten, um den folgenden Tag diese Demonstration zu wiederholen, indem zwei in Hermanmiestetz ansässige Juden, als sie am 2. d. Mts. vom Chrudimer Jahrmärkte zurückkehrten, auf der Straße zwischen Billan und Hermanmiestetz von beiläufig 12 dortigen Insassen angehalten und mißhandelt wurden. Sämmtliche Rädelsführer wurden jedoch bereits arretirt und der k. k. Behörde übergeben. Bielitz, 5. Marz. (Privatmitth.) Von hier wird der „Presse" zur Abwechselung wieder einmal von einer „Judenhetze" Mittheilung gemacht. Der Wortlaut dieser Mittheilung ist folgender: „Neben dem humanen und freundlichen Benehmen, welches die hiesige christliche Bevölkerung gegenüber den einheimischen und fremden Israeliten beobachtet, erscheint der in unserer Schwesterstadt Biala gestern ftattgefundene Vorfall im grellsten Lichte. Ein hieher zugereister jüdischer Schneider, Namens M. Waldmann, wollte sich in Biala zur Ausübung seiner Profession ansässig machen, und hat deshalb ein Gesuch beim dortigen k. k. Bezirksamts eingebracht, welches ihm auch bis zur endgültigen Bewilligung die Eröffnung eines Arbeitslocales und Aushängung eines Schildes gestattete. Gestern jedoch rottete sich ein Pöbelhaufen zusammen, der den jüdischen Schneider und den chm Unterstand gebenden Hauseigenthümer mit Mißhandlungen und Stürmung des Hauses bedrohte. Trotzdem der Bürgermeister von Biala den Leuten auseinander zu gehen befahl, mußte der arme Schneider doch sein Local schließen und das Schild herabnehmen. Auch haben die Versammelten noch nachttäglich thatsächliche Excesse verübt, und an jedem gerade vorübergehenden Israeliten chr Müthchen zu kühlen gesucht, bei welcher Gelegenheit auch der jüdische ausgediente Soldat Jacob Lewi mißhandelt und nicht unbedeutend verletzt wurde." — Charakteristisch ist — was wir hier nicht unerwähnt lassen dürfen — daß von den beiden Schwesterstädten Bielitz und Biala, welche blos durch das Bialr-Flüßchen von einander gettennt sind, erstere zu Mahrisch- Schlesien und letztere — die judenseindliche — zu Galizien gehört. Man sieht hieraus, daß die Drachensaat der Lemberger Gemeinde-Raths-Beschlüsse hier — an der äußersten westlichen Grenze — bereits Früchte zu ttagen beginnt-(Raub und fünffachen Meuchelmord). In dem Czernowitz benachbarten Grenzdorfe Horbowa (Moldau) wurde in der Nacht vom 25. auf 15

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