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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-04-07 · Heft 15 (7.4.1863) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 15 (7.4.1863)
Date
1863-04-07
Page
Seite 228 (sequence 8)
Language
German
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228 auch das Vorurtheil gegen dauernde Anstellung schwinden, und gerade unsere Provinz hat darin schon einen erfreulichen Anfang gemacht, so daß wir bereits eine ziemliche Anzahl definitiver Stellen aufzuweisen haben. Aus dem Gedächtnisse citiren wir hier nur die Gemeinden zu Burgsteinfurt (bereits seit einem Bierteljahrhundert in Besitz einer öffentlichen Schule), Warburg, Drakel,, Camen, Dülmen, Dortmund, Castrop und das angrenzende Essen. — Noch in neuerer Zeit hat sich die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen in recht eclatanter Weise gezeigt, wir meinen zunächst bei Gelegenheit der Collecten für das Waisenhaus zu Paderborn, dem die Gaben mit vollen Händen zugewendet wurden und noch jetzt zugewendet werden. Aber auch dem speciellen Interesse des Lehrerstandes, der Unterstützungskasse für hülslose hehrer, refp. deren Wittwen und Waisen kommt man schon hier und dort mit nennenswerthen Zuschüssen entgegen, und nicht lange wird es währen, so wird jede besserdenkende Gemeinde es als eine Ehrensache betrachten, einen Baustein zu diesem gottgefälligen Werke zu liefern. Die Gemeinden zu Menden,*) Essen, Cleve, Münster, Rheda, Büren und manche andere sind schon jetzt mit gutem Beispiele vorangegangen. — Auch unfern Synagogen wird jetzt erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet, große stattliche Gebäude sind vielfach in die Stellen der ärmlichen „Schulen" unserer Altvorderen getreten. Freilich dürfen wir von dem regeren jüdischen Leben, vom Eifer für den Glauben heute nicht sprechen, wenn wir unserm diesmaligen Vorwurfe gemäß, nur die Lichtseiten berühren wollen. Hoffentlich werden aber bei der immer wachsenden religiösen Erkenntniß, bei der immer mehr sich steigernden Auffassung unserer Religion im Geiste und in der Wahrheit, derartige jeder UebergangSperiode anhaftenden Mängel sich allmälig verwischen, und das geläuterte Iudenthum aus allen Wandelungen der Zustände, aus allen Strömungen der Zeiten siegreich hervorgehen. Oppeln, 24. Februar. > Privatmitth.) Zu den academischen Würdenträgern jüdischer Religion gehört auch *) Diese kleine, aber sehr wohlthatige Gemeinde verdient möglichst hervorgehoben zu werden. Insbesondere ist es der leider des Augenlichtes beraubte Herr L. S. Rothschild daselbst, der stets mit vollen Händen beisteuert, wo es gilt, Thränen zu trocknen, Elend zu mildern. Corresp. noch ein Sohn unserer Gemeinde, Herr Dr. Nathan Pringsheim, Mitglied der Academie der Wissenschaften und Docent in Berlin. *) Ein erneuerter Schritt meinerseits an das Haus der Abgeordneten wegen Aufnahme des jüdischen Religionsunterrichtes in die Censur der Schulen blieb ebenfalls erfolglos. Doch finde ich seit einiger Zeit bei weitem mehr Unterstützung von Seiten des Gymnasial-Directors und des gcsammten Lehrer-Collegii, ob auf höhere Veranlassung oder ganz aus freien Stücken weiß ich nicht. Da in jüngster Zeit viel von der Jnspection der jüd. Schule durch den Rabbiner die Rede war, so erlaube ich mir Ihnen mitzutheilen, daß der Unterzeichnete selbst in den Jahren der blühendsten Reaction 1852 und 1853 von der Königl. Regierung zu Posen zum Jnspector einer sogar außerhalb seines Rabbinats gelegenen öffentlichen Schule bestätigt und ihm alle Rechte und Befugnisse, wie jedem christl. Jnspector ohne irgend welche Einschränkung eingeräumt worden sind. Er hatte die öffentlichen und Klassenprüfungen abzunehmen und der Königl. Regierung darüber Bericht zu erstatten; er hatte die Prüfung der Abgehenden vorzunehmen, ob sie die Reife für den Eintritt in's bürgerliche Leben erlangt. Ein hier vorliegender Fall wird bald Veranlassung geben von Fort- oder Rückschritten aus diesem Gebiete unsres politischen Verfassungslebens aus dem diesseitigen Regierungsbezirke zu berichten. Es wäre nur noch hinzuzufügen, daß ich seit einem Jahre zum Mitgliede der allgemeinen städtischen Schuleu-Deputation ernannt worden bin, welche Ernennung nach einem neuern Minifterial-Rescript in Zukunft keinem Juden mehr zu Theil werden darf.**) Rabb. vr. A. Wiener. Oesterreichischer Kaiserstaat. Hermanrniestetz, im März. Die „Ostdeutsche Post" berichtet von hier. „Feindseligkeiten zwischen den Juden und Christen bestehen schon seit der Zeit der Cze- *) Wir bemerken, daß wir die Privatdocenten nicht mit aufgeführt haben, dr es sich an jener Stelle um die Professur handelte. Die Redaction. **) Natürlich bis ein anderes Ministerium am Ruder sein wird — vom neuen Unterrichtsgesetz nicht zu reden, das noch lauge ein stommer Wunsch sein wird. Die Redaction.

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