Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1863)
- Date
- 1863-03-31
- Page
- Seite 216 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Aegypten. Kairo, 16. Februar. Nach dem „Levant“ hat am gestrigen Tage eine furchtbare Feuersbrunst das unermeßliche Quartier Khan-Saouy zerstört. Dieses Quartier umschloß die weiten Bazards, in welchen unter den syrischen, armenischen und europäischen Kausleuten auch die Juden die reichen Schätze der Industrie in Seide, Tuch, Edelsteinen u. s. w. aufgehäust. Das Feuer brennt noch, der Schaden ist unberechenbar; es ist eine Calamität für das ganze Land. Marokko. Tetuan, 25. December. (Arch. isr.) Am vorgestrigen Tage fand hier ein in diesem Lande neues Fest, die Einweihung einer israelitischen Gemeindeschule nach europäischem Muster, statt. Vertreter des Gouverneurs, der marokkanischen Behörden, der Consulate, der hier befindlichen Genieofficiere, der spanischen katholischen Geistlichkeit wohnten der Feierlichkeit bei, welche der ehrwürdige Groß-Rabbiner mit einer Rede erössnete. Der Oberlehrer an dieser neuen Anstalt ist Herr Hermann Cohn, Bruder des Herrn Albert Cohn in Paris. Nachtrag. Amsterdam, 18. März. (Privatmitth.) Herr Simons aus dem Haag hat sich mit einem gedruckten Memoire an die Kammern der Staaten Oeneral gewandt, in welchem die Kammer ersucht wird, sich gegen die Ratification des Schweizerisch-Holländischen Handelsvertrages so lange auszusprechen, als nicht ausdrücklich darin ausgesprochen ist, daß die Juden gleiche Rechte mit allen anderen holländischen Bürgern zustehen. Bon diesem Memoire ist jedem Abgeordneten ein Exemplar nebst einem Abdruck der Denkschrift des amerikanischen Gesandten vom Mai 1859 zugestellt worden. Die holländische Presse hat sich der Sache angenommen und ist ein günstiges Resultat zu erwarten. Auö Polen, im März. Die „Königsb. Hart.Ztg." berichtet: „Als das polnische Städtchen Staszow nach der Einnahme durch die Russen geplündert wurde, waren diese angewiesen, die Plünderung nur an den christlichen Einwohnern zu vollziehen, die Juden aber, welche noch heute in einem abgesonderten Stadtviertel wohnen und sich beim Aufstande nicht betheiligten, zu verschonen. Nachdem die Plünderung an der christlichen Bevölkerung vollbracht war, kaufte die Judengemeinde den Russen die sämmtliche Beute für 50V Rubel ab und stellte dieselbe, nach dem Abzüge der Russen, ohne irgend welche Bezahlung oder Vergütigung der christlichen Bevölkerung zurück." Eudingen, 17. März. (Privatmitth.) Der „Bund", das Organ des wackern Bundespräsidenten Stampfli, bespricht in der gestrigen Nummer das Ergebniß der Aargauischen Groß-Raths-Verhandlungen. „Der letzte, aber nicht der leichtverdaulichste Bissen", heißt es zum Schluß, „war das Judengesetz in neuer Auflage. Ausweichen konnte man unmöglich; gern oder ungern mußte man sich entschließen, das verhaßte Gericht, das man erst in globo weggeworfen, nun im Detail wieder zu genießen. Nur gegen eine Bestimmung zeigte der ultramontane Magen eine unüberwindliche Abneigung, nämlich gegen die politische Stimmberechttgung der Israeliten in cantonalen Dingen. Glänzend geißelte Herr Landammann Weltt ein Beispiel politischer Corruption und wies nach, wie die ultramontane Pattei in Tyrol ganz dieselben fattischen Gründe gegen die freie Niederlassung der Protestanten geltend mache, wie bei uns gegen die Juden. Umsonst, der bestrittene Paragraph wurde mit 79 gegen 61 Stimmen verworfen. Somit hatten wir hierin die Intervention des Bundes zu gewättigen!" Anzeigen. Ein jüdischer Lehrer und Vorsänger erhält bei einem fixen Gehalt von 120 Thlr. und freier Wohnung sofort Stellung. Nähere Auskunft aus portofteie Anftagen ertheilt Der Synagogen-Vorstand zu Gröningen bei Halberstadt. Bacante Lehrer-Stelle. Die israelirifche Gemeinde zu M. Gladbach a/Rhcin sucht gegen outes Gehalt einen geprüften Lehrer, der gleichzeitig Cantor und Schauchet ist. — Hierauf Restectirende wollen sich melden beim Vorstand. A. Gotthelf.