Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1863)
- Date
- 1863-03-31
- Page
- Seite 209 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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209 tea — aus welchen er manche Piecen mit Glück ins Hebräische übersetzte — mit einer seltenen Pietät. Jüngst trat er auffallend barsch in mein Zimmer mit den Worten: „Verzeihen Sie Herr N>. wenn ich störe, ich muß Sie etwas fragen, es läßt mich nicht ruhen". Dieses sprechend zog er Nr. 9 der A. Z. d. I. aus der Tasche und machte mich auf den Artikel: „Lobsens, den 19./1. lZum Eid der Juden)" Seite 133 aufmerksam, und als ich selbe — seinem dringenden Verlangen nachgebend — durchgelesen, mußte ich wieder S. 136 den Art. „Bern, 8. Februar" lesen. Nun zog er aus der andern Tasche ein Blatt etwas größeren Formats hervor, es war Nr. 10 der „Neuzeit", wies mit dem Zeigefinger auf S. 116. Daselbst begegnete ich den beiden erwähnten Artikeln ohne die Allg. Ztg. d. Judeuth. — aus welcher doch, wie Jedermann zugebeu wird, die „Neuzeit"' diese beiden Artikel abschrieb — als Quelle angegeben zu finden. „Heißt das nicht geganwent?" fragte mich mein junger Gast nun mit fittlicher Entrüstung. Ich konnte mich nicht enthalten über diese Naivetat laut aufzulachen, die Antwort, die ich ihm gegeben und die ihm wahrscheinlich jeder fittlich Gebildete gegeben hatte, mag unveröffentlicht bleiben. 2. Und du sollst nicht stehlen (Deuteron. V. 17). Wieder zog meine Bekanntschaft zwei qualitativ und quantitativ von einander verschiedene Stücke moderner Literatur hervor. Das Eine, ein dünnes, hebräisches Werkchen in gelbem Umschläge, war das 28. Heft der bekannten Stern'schen pns-’ ■’2=o. S. 105 daselbst befindet sich ein recht gut geschriebener hebräischer Aufsatz: rrmsn, von Ahron Kohn. Das Andere, ein ziemlich voluminöser Band in blauer Papierhülle. Es war der 4. Band, zweiter Ausl, des Saron von Dr. L. Philippen. S. 205 daselbst findet sich ein Aufsatz: „Die Trennung". Es ist dies eine lebensvolle Beschreibung einer der tragischsten Sceuen aus dem Leben Spinoza's, wovon der obenerwähnte hebr. Aufs, eine wortgetreue Uebersetzung ist, und gereicht sowohl die Wahl des Stoffes als auch die treffliche Bearbeitung deffelben im Hebräischen dem Herrn K. wahrlich zur Ehre. Nun mag dieser Hr. Kohn ein recht ehrenwerther Charakter sein, und die Quellenangabe blos aus Unkenntniß der schriftstellerischen Usancen Unterlasten haben; mein feuriger Hrlb- Chasfid wollte ihm nichtsdestoweniger diese Unterlassungssünde nie verzeihen und bricht wiederholentlich in die Frage aus: „Heißt das nicht geganwent?" 3. Nicht die Theorie ist Hauptsache, sondern die Praxis (8pr. 6. V. I. 17). Gegen Ende des vorigen Jahrganges las man im „Hamagid" einen eben so wahren als gediegenen Aufsatz, mit der Ueberschrift: “rsrsr; ■'STan, wo über die leivige Zerfahrenheit im jüdischen Volke, überhaupt über Jndisferentismus gegen Schriftstellerei auf jüdischem Boden bitter geklagt wird. Anknüpfend an den Namen Uhland, dessen Tod eben um jene Zeit der Journalistik so viel Stoff zu Besprechungen bot, und an die journalistische Thätigkeit betreffs der Sammlung von Beiträgen zur Errichtung eines Uhland-Denkmals, schreibt dieses hebräische Wochenbl. u. A. folgende beherzigenswerthe Worte: „Frägft du aber, geliebter Leser! Wer war dieser Uhland? was hat er Großes im Leben geleistet und bewirkt, daß sein Tod so allgemein beklagt wird? Hat er Länder und Städte erobert? Haben ihm Kunst und Wissenschaft großartige Erfindungen zu verdanken? . . . oder erforschte er Land und Meer, um neue Entdeckungen zu machen? Nichts von alle dem i Uhland war ein Schriftsteller! Er hing mit treuer Liebe an Volk und Vaterland, schrieb Bücher und Gedichte zur Verherrlichung seines Volkes und dessen Sprache. Auch das will ich Dir nicht verschweigen, theurer Leser! daß, so sehr dieser Gelehrte auch im Leben von seinen Mitbürgern geehrt und geliebt wurde, fehlte es ihm dennoch nicht an principiellen Gegnern. Allein, nachdem ihm der Tod Augen und Mund geschlossen hatte, hatte es mit jeder Gegnerschaft ein Ende; im Gegentheil, selbst seine Gegner verwandelten sich in Freunde und beklagten öffentlich seinen Tod. . ." Gerade um jene Zeit schloß der Tod auch Aug' und Mund eines berühmten jüdischen Kanzelredners — des Dr. Salomon in Hamburg — der im Leben so manche Lanze gebrochen zur Rettung der Ehre seiner verfolgten und verspotteten Glaubensgenossen, und die sonst so achtbare Redaction des „Hamagid" hat es nicht einmal der Mühe werth gehalten, den Tod desselben in ihrem Blatte auch nur anzuzeigen! Erst vor Kurzem machte der gelehrte und geehrte Herr Dr. L. Lewysohn, Prediger in Stockholm, durch eine nachträgliche kurze Anzeige diesen Fehler wieder gut. — Agur Bin-Jakeh.