Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1863)
- Date
- 1863-03-24
- Page
- Seite 199 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226378--21106-3300983- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
199 Frankreich. Paris, 1. März. (Privatmitth.) Sie werden der Notiz gern einen Raum gewähren, daß Herr Jules Simon, der unermüdliche Vertheidiger der Gewissensfreiheit, trotz seiner oppositionellen Stellung zur imperialistischen Regierung mit 32 gegen 2 Stimmen zum Mitglieds der Academie der politischen und moralischen Wisienschaften erwählt worden ist. Jules Simon, ver, kein Israelit, auch nicht von israelitischer Herkunst ist, hat sich durch seine stets wohlwollenden Besprechungen des Judenthums auch um uns Verdienste erworben. Nordamerika. Philadelphia, im Januar. In der Schlacht bei Marsreesboro fiel der Major von der Cavallerie Rosengarteu nach viel bewährter Tapferkeit und Hingebung für die Sache der Union. Er war Israelit und wurde nach jüdischem Ritus in Philadelphia begraben. (lew. Kec.) Nachtrag. Berlin, 12. März. Aus Königsberg i/Pr. meldet die ,^Dstpr. Ztg.": Bekanntlich hat vor einiger Zeit das Concilium generale der hiesigen Universität auf Antrag der medicinischen Faeultät, in welcher einige „jüdische Doctoren" sich zu habilitiren wünschen, beschlossen, einen Zusatz zu den Universitätsstatuten zu veranlassen, darauf abzielend, die dem stiftungsgemäßen evangelischen Charakter der Albertina entsprechende Bestimmung, daß blos Lehrer christlich-evangelischen Bekenntnisses an dieser Anstalt wirken sollen, unwirksam zu machen. Jetzt hat der Cultusminister v. Mühler rescribirt, daß er sich nach reiflicher Prüfung des betreffenden Vorschlags nicht erschließen könne, eine Abänderung des gegenwärtig bestehenden Statuts bei dem Könige zu beanttragen. Berlin, 14. Marz. Sitzung des Abgeordneten. Hauses. Petitionsbericht. Eine der Petitionen ist die bekannte des Ober-Rabbiners Satro in Münster, betreffend die verfaffungswidrigen Beschränkungen der Anstellungsfähigkeit der Juden. — Die Commission beantragt, die Petition, indem sie die Beschränkungen als verfassungswidrig anerkennt, der königl. Staats-Regiegierung wiederholt zur Abhülfe zu überweisen. Abg. Dr. Kosch: Er wolle nicht stillschweigend über diese Sache fortgehen; die Wunde dürse nicht oberflächlich verharrschen, sie müsse bloßgelegt werden, um geheilt werden zu können. Daß der Commissions-Antrag keine Erwartung mehr ausspreche, finde er ganz in der Ordnung; denn von einer Regierung, welche fortwährend bemüht sei, dem Volke seine Rechtsbasis zu entziehen, könne man keine Abhülfe erwarten. Die Stimmung, mit welcher man an den großen Gedenktag der Erhebung des Volkes herantrete, würde eine viel freudigere und reinere sein können, wenn sich mit der Erinnerung an jene glorreiche Erhebung auch das Bewußtsein verbände, daß die großen Ideen, welche damals das Vaterland retteten, auch zur Ausführung gelangt wären. Beklagenswerth sei es, daß gerade in den beiden Ressorts der Justiz und des Cultus Rechtskränkungen und Rechtsbcschränkungen sich geltend machten. Alle augenblicklichen Erfolge, welche die Gewalt gegenwärtig erringe, würden die Ueberzeugung nicht erschüttern, daß man das Recht wohl beugen, nicht aber erschüttern könne. Der Redner beleuchtet darauf die Anschauungen der beiden Minister der Justiz und des Cultus, und erllärt, daß die preußischen Juden sich ebenso als gute Preußen und Deutsche fühlten, wie der Justiz- Minister selbst. (Bravol» Wer aber ein Dorurtheil gegen die Juden bewahre, der mache keinen Unterschied zwischen einem getauften und einem nicht getauften Juden; auch der getaufte Jude sei ein Jude. Mit solchen Borurtheilen sollte man nicht wohlerworbene Rechte schmälern. Was gewinne man, wenn man den betretenen Weg verfolge? man zerbricht den Rechtstitel und man entkräftet das Rechtsbewußtsein im Volke. Man müsse nach allen Kräften dahin streben, solchen Zuständen von 'Jieuem ein Halt zuzurufen. Deshalb unterstütze er nicht nur den Antrag der Commission, sondern bitte um dessen einstimmige Annahme. Abg. Reichensperger «Beckum): Die Commission habe erklärt, auf die Sache selbst nicht eingchen zu wollen, weil sie bereits reiflich erörtert sei. Er werde diesem Vorgänge folgen. Er und seine Freunde hätten ihren Standpunkt bereits öfter klar dargelezt; daß er kein principieller Gegner der Juden und ihrer Rechte sei, hätte er bewiesen; für seine Partei hätte schon ftüher bei Berathung des Gerlach'schen Antrages der Abg. Reichensperger (Geldern) dies überzeugend dargethan. 13"