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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-24 · Heft 13 (24.3.1863) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 13 (24.3.1863)
Date
1863-03-24
Page
Seite 194 (sequence 6)
Language
German
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194 genommen. Er sagt dies wörtlich so. Wenn also das wirkliche Judenthum diese heidnischen Elemente nicht in sich ausgenommen und wenn nothwendigerweise jene ins Christenthum aufgenommene heidnischen Momente auch die aus dem Judenthume herübergenommenen Wahrheiten alteriren mußten, wie sollte Las Judenthum nicht noch Vieles, nicht die in Taet gebliebene Wahrheit enthalten, welche dem Christenthume zu einer neuen Phase verhelfen und ihr den wesentlichen Inhalt geben wird? Dann: zur siegreichen Aufstellung einer neuen Religionsphase — eine solche ist der eigentlich blos negirende Protestantismus nicht — sind etliche Verstandesbegriffe oder sormulirte Lehrsätze nicht genügend. Es gehört dazu eine von innen entflammte Begeisterung, ein intensiver Enthusiasmus, eine Steigerung und Durchglühung aller Geistesgaben, welche wir Gläubigen als dem von Gott unmittelbar verliehenen prophetischen Geist verehren, und diese extatische Begabung des Geistes kann weder theoretisch noch factisch den Germanen, Romanen und Slaven, also den Völkern des Christenthums zugesprochen werden, hat sich aber wiederholt in Söhnen des jüdischen Stammes erwiesen und bethätigt. Wer dieses vorurtheilslos erwägt, kann selbst vom rationalistischen Standpunkte aus die Möglichkeit einer abermaligen derartigen Erscheinung innerhalb des jüdischen Stammes nicht verneinen. — Worin aber die deutschen Juden, so weit diese sich dem neuen Entwickelungsproceffe anheimgegeben, von dem Systeme des Herrn Salvador gänzlich abweichen, ist, daß sie nicht wie dieser Autor au der alten Symbolik festhalten, um für die aus dem Judenthume sich entwickelnde allgemeine Religion des Einig-Einzigen Gottes, der allgemeinen Liebe und des allgemeinen Rechts ein geographisches Centrum, einen sichtbaren Sitz der Religion als Mittelpunkt der ganzen Welt erforderlich zu achten, sondern die jüdische Nationalität nur so weit sie mit der Religion, mit der Gotteslehre und allen ihren Consequenzen identisch ist, nothwendig und für immer bestehend glauben, die Religion des Geistes aber in der allgemeinen Verbreitung durch das ganze Menschengeschlecht, nicht aber in dem Gebundensein an irgendeine materielle Localität finden. Doch wir wollen uns nicht vorgreisen, und indem wir von dem englischen Kritiker achtungsvoll scheiden, können wir doch die Bemerkung nicht unterlassen, daß auch er das gewöhnliche Schicksal theilt, sich, sobald man an eine Beurtheilung des Judenthums geht, in Widersprüche und sophistische Folgerungen zu verlieren. And doch noch! Nicht selten spottet man jetzt über die banal gewordene Phrase: „Was die Zeit fordert, muß ihr zugestanden werden, denn sie ist unüberwindlich." Aber ebenso wenig vermag der hartnäckige Widerstand als Spott und Hohn die Wahrheit dieses Satzes zu widerlegen. Gerade in der neueren Geschichte der Juden hat sich dies öftestens bewährt und wir heben dies um so nachdrücklicher hervor, weil den Juden jede materielle Kraft fehlt, also der Sieg ihrer guten Sache nur durch den Geist der Gerechtigkeit, der unsre Zeit durchweht, errungen wird. Freilich ist dann jedes widerwillig gewährtes Zugestandniß zugleich ein Zeugniß der Schwäche für die, welche es so lange verweigerten. Und doch also haben die Holsteinischen Stände trotz junkerlichem Widerstande nach so vieljährigem und oft wiederholtem Zurückweisen jedes Gesetzentwurfes, der eine Erleichterung ihrer israelitischen Landsleuten bezweckte, die bürgerliche Gleichstellung, wenn auch noch nicht die volle staatsbürgerliche, votiren müssen! So schwer es diesen Stauden geworden, diesen Act der Gerechtigkeit zu üben, so schmerzlich ist es jedem deutschen Herzen, eingestehen zu müssen, daß das eigentliche Verdienst einer fremdländischen Regierung und ihrer Ausdauer in der Bekämpfung deutscher Vorurtheile und Ausschließungssucht angehört. Und doch haben wir soeben noch ein Beispiel kleineren Maßes anzuführen. Aus München berichten vom 5. März die öffentlichen Blätter: „Die erste Anstellung eines Israeliten im konigl. Staatsdienste in Bayern ist unter dem 3. d. M. erfolgt, indem der König den Ehren- Prosessor Dr. Jakob Herz zu Erlangen zum außerordentlichen Professor der mevicinischen Facultät dieser Hochschule ernannt hat, und zwar mit der Belastung desselben in seiner bisherigen Stellung als Prosector. Der Ernennung des Hrn. vr. Herz hatten sich bekanntlich wegen des Glaubensbekenntnisses desselben bisher vielfache Schwierigkeiten entgegengestellt: höchst erfreulich ist es deshalb, daß dieselbe jetzt nun doch erfolgt ist, um so erfreulicher, als sich in jüngster Zeit auch der Bischof von Augsburg, vr. Dinkel, dem aus seiner früheren Stellung als Pfarrer in Erlangen die Verdienste des vr. Herz bekannt waren, für dessen Anstellung im Staatsdienste verwendete." — Man erinnere sich auch aus diesen Blättern, wie viele Kämpfe dieser Anstellung vorangegangen sind.*) f *) Die „Cöln.Ztg." läßt sich hierüber schreiben: „Zum

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