Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1863)
- Date
- 1863-03-24
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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193 wie der mosaischen Institutionen, des Römerkrieges ff. können wir hier übergehen und bei dem letzten „Paris, Rom und Jerusalem", das soeben in der dritten Ausgabe erschienen ist, stehen bleiben. Wer dieses Werk kennt, weiß, daß es an Inhalt und Form nicht selten abstrus ist. Die Hauptansicht Salvador's ist, daß alle Formen der jetzt noch in der civilisirten Welt bestehenden Religionen mangelhaft und veraltet seien, daß ein neues und faßlicheres Glaubenssystem aus den Original-Elementen der Offenbarung sich entwickeln müffe; das Christenthum in seinen drei Hauptformen, der Islam, welcher das wilde Heidenthum des Ostens besiegt habe, und die jüdische Religion selbst in ihrer jetzigen Entwickelung durch die Propheten und Rabbinen, enthielten einen vorwiegenden Theil der Wahrheit, aber auch seit ihrem Beginne ein Element des Jrrthums. Tie französische Revolution, welche die Todtenglocke des Mittelalters gelautet, sei der Anfang einer neuen Acra, welche bei der unauflöslichen Verbindung zwischen Politik und Religion in einer religiösen Revolution resultiren müffe. Für diese Religion der Zukunft sei die jüdische Nation der Träger, Wächter und Darsteller. Zu diesem alten Stamm, dem Inhaber der primitiven Wahrheit, wurden alle Nationen der Erde sich wenden, und Jerusalem die heilige Stadt der Welt, das religiöse Centrum aller Nationen werden. Dort, wohin schon jetzt die Aufmerksamkeit Aller gerichtet sei, würden alle Menschen die Wahrheiten, welche sie in ihrem bisherigen Glauben schon besessen, zur Consolidirung des allgemeinen Glaubens beisteuern und so ihr Heiligthum in Zion, ihren geistlichen Führer in Moses finden. Diese eclectische Religion Salvador's, deren eigentlichen Inhalt dieser selbst nicht angiebt, auch wohl nicht angeben konnte, bietet nach vielen Seiten hin Angriffspunkte, von denen aber unser Engländer nur einige benutzt. Er richtet sein erstes Argument gegen den Einfluß der Juden überhaupt. In den früheren Zeiten wäre es nicht ein eigcnthümlicher Geist des jüdischen Stammes gewesen, der ihu einen Einfluß aus die Welt gegeben, sondern daß er Etwas gehabt hätte, was der Welt bis dahin unbekannt, er dieser geben konnte. „Als die einzigen Anbeter eines Gottes, sagt er, als Inhaber traditioneller Weisheit, dann als Erben einer höheren Cultur und Kenner verschiedener Sprachen, endlich als Reisende, Cosmopoliten, Bürger jedes Landes, konnten die Juden dem Alterthume und dem Mittelalter so viele Dienste leisten." In allen diesen Dingen sei ihre Superiorität jetzt vorüber; sie könnten auf allen Gebieten als Individuen Bedeutendes leisten, aber besaßen keine höheren Geistesgaben, als ihre Mitbürger, um einen allgemeinen Einfluß üben zu können. — Dieses Raisonnement unsres Engländers leidet an einem doppelten Widerspruch. Denn zuerst zählt er die großen Gaben, welche der jüdische Stamm der Welt gebracht habe, auf, und will ihm doch alle besonderen Geistesgaben absprechen. Aber wodurch hätte denn der jüdische Stamm diese, der ganzen übrigen Welt unbekannten und verschlossenen Güter bekommen? Muß er, der allem Supranaturalismus feindlich ist, sie nicht als unmittelbare Schöpfungen des jüdischen Geistes, welche die Geister der übrigen Völkerschaften nicht hervorbringen konnten, aufehen, und so dem jüdischen Stamme besondere Gaben zusprechen? Ter zweite Widerspruch liegt darin, daß er den jüdischen Geist als beständig in Fluß und Gährung begriffen anerkennt, und dennoch die Möglichkeit einer neuen Entwickelung aus ihm heraus leugnet. Wir fügen hinzu, daß es überhaupt mehr als Vermessenheit ist, einem Stamme, dessen Lebenskraft bereitwillig gerühmt wird, alle Zukunft neuer Schöpfungen abzusprechen. Wir thun dies hinsichtlich keiner lebenden Nation und darum gestehe man es auch uns zu. Die ganze Darstellung des Vers, hat zum eigentlichen Inhalt, den bedeutenden Entwickelungsproccß zu zeigen, welchen das moderne Judenthum und feine Bekenner mit Ernst und Energie durchmachen, und nun will er apodictisch absprechen. Laß sich Etwas daraus entwickeln könne. — Zweitens, leugnet er, daß das Judenthum auf das Christenthum reagiren könne und behauptet, daß vielmehr der Protestantismus dahin strebe, sich von den jüdischen Ideen frei zu machen, was er insonders durch die auf das Alte Testament und besonders den Pentateuch geübte Kritik erwirkt glaubt. Wir wollen dies zugestehen. Aber wohin wird der Protestantismus dadurch geführt? Weiß er nicht, daß dieselbe protestantische Kritik auch die Schriften des Neuen Testaments aller Autorität entkleidet und ihren Inhalt zu einer Mythe gemacht hat? Weiß er nicht, daß die protestantische Kritik zu nichts Anderem als zu Feuerbach und zu den freien Gemeinden bringt? Daß also diese Befreiung des Ehristenthums von den jüdischen Ideen eben nichts Anderes als eine Zersetzung, eine Auslösung, eine Vernichtung des Christenthums bedeutet? — Sprechen wir unsere Ansicht daher schon hier, wenn auch nur andeutungsweise aus. Der Verf. der englischen Abhandlung giebt selbst zu, daß das Christenthum gleich in seiner ersten Periode heidnische Elemente in sich auf-