Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-17 · Heft 12 (17.3.1863) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 12 (17.3.1863)
Date
1863-03-17
Page
Seite 184 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226364-3226377--21090-3300966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

184 dieser ganzen Expedition war der Corpora! Robert Sutton, früher ein Sclave, aber ein Mann von außergewöhnlichen Eigenschaften, der nur eine Kenntniß des Alphabets nöthig hat, um zu hohen Stellungen befähigt zu sein." Bonn, 9. März. Wir haben in diesen Tagen zwei Briefe aus Lobsens erhalten, welche den Lehrer Rüben für schuldlos und den Bericht im „Neuen Bromberger Wochenblatt", auf den sich die Correspond, aus Samter Nr. 9 der A. Z. d. I. stützte, für unwahr erklärten. Da die Briefe anonym waren, so können wir von ihrem Inhalte keine weitere Notiz nehmen. Frankfurt a M., 6. März. (Privatmitth.) In dem Berichte von hier in Nr. 9 ist es unrichtig bemeldet, daß Dr. Geiger die Instruction nicht unterschrieben habe, vielmehr hat er sie in Pausch und Bogen angenommen, und sie bei der Unterhandlung gar nicht in Erwähnung gebracht. (Daß der Schritt des Dr. Geiger dadurch noch einer ganz anderen Beurtheilung unterliegt, wird jedem Leser einleuchten! Die Redaction.) — Eine weitere bemerkenswerthe Thatsache ist es, daß die Schulanstalt der orthodoxen Religionsgesellschaft die Stelle des vr. Dessauer durch christliche Lehrer besetzt hat, natürlich unter Zustimmung des Rabbinen R. S. Hirsch — zu gleicher Zeit aber wird in Würzburg eine israelitische — was sage ich — eine „jüddische" Lehrer-Bildungs- (!!!) Anstalt errichtet. Natürlich, daß das Mauscheln und Schaukeln zu den vorzüglichsten Lehrgegenständen gehört. Itzehoe, 7. März. Der Gesetzentwurf wegen bürgerlicher Gleichstellung der Juden ist in fteisinniger Fassung dnrchgegangen. Bercelli, im Februar. Eine Mittheilung in der „Opinion Nationale" erzählt Folgendes: „Eine arme jüdische Frau aus Lugo und ihre zwei minderjährigen Kinder wurden einige Tage lang in dem Kloster von Ferrara eingeschlossen. Durch energische Vorstellungen, die an den Quästor (Polizeiches) der Stadt gerichtet wurden, erlangte man die Befreiung der Mutter, aber die beiden Kinder zurückzugeben, weigerte sich der Erzbischof entschieden. Der Staatsprocurator, der mit den kirchlichen Behörden im Einverständniß zu sein schien, übertrug die Angelegenheit dem Generalprocurator am Appellhofe zu Bologna. Dieser Aufschub scheint dazu bestimmt gewesen zu sein, dem Erzbischof Zeit zu geben, daß er seinen Plan ausführen könne, und das schreckliche Beispiel des unglücklichen Mortara war vor Aller Augen, den Einen zur Ermuthigung, den Andern zur Drohung. Die Prof. Pontremoli und Gius. Levi eilten nach Turin und erhielten Audienz bei den Ministern der Justiz und des Innern, die in Betreff der eben erzählten Thatsachen gänzlich ununterrichtet waren. Sofort wurde auf telegraphischem Wege Erkundigung eingezogen. Am selben Abend umringten die öffentlichen Behörden das Kloster, in dem die beiden Kinder eingeschlossen waren, mit hinreichenden Kräften. Die Gefangenen wurden ihrer untröstlichen Mutter übergeben und in einer weltlichen Anstalt unter dem Schutze des Justizministers untergebracht. Nur wenige Stunden später und die neuen Opfer der Verfolgung würden vielleicht jenseits der Grenze und in den grausamen Händen der Inquisition in Rom gewesen sein, welche niemals ihre Beute herausgiebt. Die Energie und Schnelligkeit der beiden Minister, der Herren Pisaue lli und P eruzzi, verdient den Dank aller Freunde der Gewissensfteiheit." Warschau, 4. März. Von Mieroslawski meldet der Correspondent der „N.-Ztg.", daß derselbe, welcher seine Banden in Kujawien organisirt, über die Lauheit des Adels und der Juden bei dem Aufstande sehr aufgebracht und überrascht sein soll, und meint: „Mieroslawski ist ein Demokrat von zu reinem Wasser, als daß sich der Adel ihm anschließen könnte. Die Juden aber in unserm Lande sind Polen, ja Menschen erst seit gestern, und nun sollen sie auf einmal die höchste Stufe der nationalen Begeisterung ersteigen und sich dem Tode in die Arme werfen. Unter solchen Umständen ist die Zahl der am Aufstande theilnehmenden jüdischen Jugend eher unerwartet groß zu nennen." — Die Zahl der ständigen Einwohner Warschaus betrug im Jahre 1862 128,360 Seelen (wovon 85,183 den christlichen Confefsionen, 43,177 der mosaischen Religion angehörten), die Zahl der nicht ständigen Einwohner war 79,626 (worunter 61,304 Christen, 18,322 Juden). Die Gesammtzahl der ständigen und nicht ständigen Einwohnerschaft betrug 207,986 Seelen (worunter 146,487 Christen, 61,499 Juden). Von der Gesammtzahl gehörten 100,964 Personen dem männlichen, 107,022 dem weiblichen Geschlechts an.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.