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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-17 · Heft 12 (17.3.1863) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 12 (17.3.1863)
Date
1863-03-17
Page
Seite 178 (sequence 6)
Language
German
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178 sondern bethatigte sich auch im Großen und Kleinen. Emannel besorgte für Jean Paul mit unermüdlicher Hingebung die tausendfältigsten Dinge, und der Letztere war eben so unermüdlich, die Gefälligkeiten zu fordern; aber E. stand auch nicht an, wenn es galt, große Opfer zu bringen. So bewirkte E. auf Jean Paul's Ersuchen die Anstellung ihres gemeinschaftlichen Freundes Otto als Regimentsquartiermeister und stellte für ihn eine Caution von 3000 Thlr. — damals eine höchst bedeutende Summe; so nahm er auf Jean Paul's Verwendung für eine lange Zeit in schwieriger Lage die Söhne Herder's bei sich auf, um sie vor drohenden Nachtheilen zu schützen. Wir gewahren daher in diesem Briefwechsel eine Innigkeit und Energie, wie wir sie nur im Schooße einer tteuliebenden Familie wiederfinden. Allerdings enthält ein großer Theil der Briefe nur Unbedeutendes und hätten, wenn sie uicht zur Charakterisirung des Verhältniffes dienten, viele Briefe und Billeis wegbleiben können. Doch sprechen sich auch andere unter ihnen über die höchsten Fragen aus, und vor Allem zeigt sich hier Jean Paul in einer Ungezwungenheit, wie in keinem anderen Briefwechsel und die ihn uns sehr liebenswürdig macht. Hervorzuheben ist, daß Emauuel bei allem Schwünge des Geistes, mit welchem er Jean Paul begleitet, in der strengsten Beobachtung der jüdischen Ceremonialien verbleibt, was weder den Jean Paul stört, noch worin Emanuel sich genirt. So bietet das Verhältniß nur die edelsten und reinsten Seiten dar. — Wir heben hier einige, an diesem Platze interessirende Stellen aus den Briefen hervor. Emanuel schreibt am 7. Januar 1795: „Die Geburt giebt meiner Meinung nach nur dann einen Vorzug, wenn die damit verbundene größere Freiheit nur zum Guten benützt wird. An sich hat sie keinen Werth. Ich möchte das noch viel weiter ausdehnen. Wenn Engel durch Verdienste, durch Bekämpfung von Leidenschaften sich zu ihrer Würde aufgeschwungen, so mache ich ihnen ein viel tieferes Compliment, als einem andern Geschöpf, das sie von Geburt besitzt. So muß auch der Mensch, selbst wenn er nicht Kräfte genug hat, seine ihm angebornen Schwachheiten abzulegen, dem lieben Gott angenehmer sein, als ein ursprünglich vollkommener; er weiß, wie sauer es Jedem wird, den Weg bis zur Ernte zurückzulegen. Denn denen, die in Thranen säen, giebt er eine reichliche Ernte!" In dem Antwortschreiben I. Paul's heißt es: „Die ganze Geschichte ist, insofern sie ein Gewächs des Gedächtnisses ist, nichts als eine fast- und kraftlose Distel I für pedantische Stieglitzen; aber insofern ist sie, wie die Natur, alles werth, inwiefern wir aus ihr, wie aus dieser den unendlichen Geist errathen und ablesen, der mit der Natur und der Geschichte, wie mit Buchstaben an uns schreibt. Wer einen Gott in der physischen Welt findet, findet auch einen in der moralischen, welches die Geschichte ist; die Natur dringet unserm Herzen einen Schöpfer, die Geschichte eine Vorsehung auf. Aber (zurückzukommen) wenn wir göttliche Fußstapfeu im großen, langen Gange der Weltgeschichte aufsuchen, warum wollen wir sie nicht noch lieber in den kleinern Tritten unsers Lebens studiren und Tagebücher machen? Denn wenn einmal irgend eine Hand den Zügel und das Laufband der ganzen Welt regiert, so muß sie auch, da die Welt aus nichts, als aus Individuen besteht, eben das Individuum versorgen, um das Ganze zu versorgen. Es ist unsinnig zu denken, daß die großen Räder im Universum gehen werden, wenn der Schöpfer nur die Räder und nicht auch die kleinsten Zähne daran machte. Wenn er nicht Kleinigkeiten besorgt, so besorgt er gar nichts, weil die Größe nichts ist, als eine größere Anzahl Kleinigkeiten." „In Ihrem schönen Briefe veranlaßt mich eine einzige Anmerkung zu einer entgegengesetzten, diese: das vollkommen geborne Wesen schlechter sind, als vollkommen werdende, d. h. sich bessernde. Ich glaube das Gegentheil; Gott selber ist, aber wird nicht heilig oder vollkommen. Zweitens besteht die moralische Kraft so wenig in Besiegung der unmoralischen, als die Gesundheit in der Bekämpfung der Krankheitmaterie; sondern, wie die Gesundheit am größten ist ohne Anlaß zum Bekämpfen, so ist Tugend, ohne Anlaß zu Siegen, d. h. ohne Angriffe des Lasters, d. h. ohne anfallende, kleine Laster, am größten. Je besser der Mensch wird, desto weniger hat er in sich zu bekämpfen, und der Neubekehrte hat gerade größere Kriege, aber doch sicher nicht größere Verdienste, als der Tugendgreis. Noch mehr, wenn angeborne moralische Kraft weniger Werth haben soll, so frag' ich, mit welcher andern als einer angebor nen wird denn der Schwache über seine Versuchungen Herr? Das Verdienst, sich selber gar aus zuschaffen, hat zwar der Schwache, aber der Engel hat es noch mehr; nur fängt dieser sein fteiwilliges Steigen auf einer höhern Stufe, aber auch mit größer» Flügeln an. Endlich, wenn angeborne Tugendttiebe kein Lob verdienen, so verdienen auch angeborne Lasterlriebe keinen Tadel, und folglich wäre des Engels Gehorsam

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