Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1863)
- Date
- 1863-03-10
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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167 schließlich, wie die sogenannten Mochre Sefraim, blos mit hebräischen Werken, sondern mit allen Literaturzweigen befassen wird, da die Buchhändler Bürger in Szegedin, Bettelheim in Arad Convertiten sind. — Möchte Hr. Brill von Zeit zu Zeit ordentliche Cataloge ausgeben, und mit seinen reichen Erfahrungen den vielen Gebrechen des jüdischen Buchhandels in Oesterreich abzuhelfen sich bestreben. Das gute Beispiel wird doch endlich Nachahmung finden! Frankreich. Paris, 23. Februar. (Privatmitth.) Das von Ihnen in vorletzter Nr. gegebene gründliche Gutachten über das Verhältnis der bildenden Kunst zum Judenthum findet sicher bei allen Einsichtsvollen die unbedingteste Zustimmung und ist unserer Meinung nach für die ihm vorliegende Frage entscheidend. Hier zu Lande ist dieselbe Ansicht bereits früher von der höchsten jüdischen Behörde, dem Central-Consistorium, bethätigt worden. Sie selbst theilten in d. Z. im Jahre 1861 mit, daß Benoit Fould ein Capital von mehr als 50,000 Frcs. legirt hat, dessen Zinsen zu Stipendien für je einen Maler und einen Bildhauer jüdischen Glaubens verwendet werden soll; das Central-Consistorium hat die Empfänger der Stipendien vorzuschlagen, die Academie der Künste zu bestimmen. Das Central- Consistorium hat im Jahre 1861 einen jungen Bildhauer vorgeschlagen. Es hat dabei auch nicht im Entferntesten die Bedingung aufgestellt, daß dieser Bildhauer nur Thiere abbilden und allen Statuen von Menschen die Nase abschlagen sollen. Man kann sich nicht genug über einen Mann wie Dr. Frankel in Breslau wundern, daß er solche Dinge in unserer Zeit noch aufwärmt und als gültiges Religionsgesetz hinstellt, welches das Leben und die Entwicklung des Geistes in Fesseln schlagen soll.*) — Das von Rothschild gegründete und durch Beiträge sowohl dieser Familie als vieler anderer Israeliten erhaltene jüdische Hospital und *) Bekanntlich existirt auch in Berlin eine Stiftung des Dichters Michel Beer von Stipendien für jüdische Künstler, die abwechselnd einem Maler und einem Bildhauer gewährt werden, und um welche jene durch eine Preisarbeit concurriren müssen, die für die Bildhauer von der Academie stets iu einer Statue festgestellt wird. Das berliner Rabbiuat hat keinen Protest erhoben. Die Nedaction. Alter-Bersorgungshaus hat seinen Rechenschaftsbericht vom I.Juli 1861 bis eben dahin 1862 veröffentlicht. Das Hospital hat in den zehn Jahren seines Bestandes 7100 Kranke ausgenommen und ebenso 306 Hospitaliten, es ist jährlich von 580 Kranken bis 853 und von 22 Hospitaliten zu 44 gestiegen. Zusammen repräsentiren diese 254,035 Tage. Die Kosten betrugen fast 800,000 Frcs., so daß auf den Kopf per Tag circa 2'/2 Frcs. kommen, wofür die Verpflegung immerhin eine sehr gute sein kann. Der Gericht macht auf das dauernde Wachsthum der israelitischen Bevölkerung in Paris aufmerksam, wodurch der Andrang zu den genannten Anstalten immer stärker wird, wobei denn aber auch nicht zu vergessen, daß in gleichem Maße die Mittel der Wohlthätigkeit wachsen. Auch die steigende Theuerung der unentbehrlichen Lebensmittel ist eine Aufforderung mehr, diesen Anstalten eine kräftige Theilnahme zuzuwenden. Rußland. Auö Rußland, im Februar. In der russischen Zeitschrift „Zion" Nr. 9. 11. 15 und 16. 1861 befindet sich eine Biographie I. B. Lew in so n's, die wir nächstens im „Jüd. Volksbl." wiedergeben werden. In einem Vorworte zu derselben werden einige Blicke auf den Bildungsgang der russischen Juden geworfen, die uns interessante Aufschlüsse über diesen Gegenstand geben. Wir heben deshalb folgende Stellen daraus hervor. Der Weg, auf dem die europäische Bildung bei den Juden einzudringen angefangen hat, war überall ein und derselbe. Wir sehen nirgends eine Aneiferung von Außen her, mit Ausnahme der Zeit, aber überall fängt die Bewegung im innern Kreise der Gesellschaft selbst an, und in Folge dessen wirkt sie selbstverständlich viel stärker, als sie im Stande wäre als eine auswärtige Kraft zu wirken. Jeder Jude — für den die Wissenschaft und das Gottesgesetz eins und dasselbe ist, daher ihm jedes Buch heilig ist, — wird, wenn er die Werke der alten jüdischen Philosophen studirt oder selbst nachdenkt, sich von der Unmöglichkeit überzeugen, daß alles Wissen bei dem kleinen jüdischen Stamm anzutreffen ist; eS ist daher ganz natürlich, daß er auf den Gedanken kommt, eine europäische Sprache zu erlernen, um sich mit den Geistesschöpfungen anderer Völker bekannt zu machen. Selten achtet ein derartiger Mensch auf die Hindernisse, die chm gestellt werden, und ein 11**