Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1863)
- Date
- 1863-03-10
- Page
- Seite 166 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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166 söhnte sich endlich auch mit dem alten ehrwürdigen Rabbiner derart aus, daß die Trauer um denselben wirklich eine ebenso tiefe als allgemeine ist. Die Gemeinde bietet auch Alles auf, um das traurige Geschick der in drückender Armuth Hinterbliebenen Familie zu erleichtern. Das Andenken des Gerechten bleibt zum Segen! Am 6. d. Ar. wurde endlich die so oft besprochene General-Versammlung der Pesther israel. Cultus-Gemeinde abgehalten, und der um die Pesther Gemeinde so vielfach verdiente und gelehrte Vorsteher, Herr Dr. I. Hirschler, erstattete dabei einen ebenso klaren als detaillitten Generalbericht, der auch im Druck erschienen ist. Wir können es nicht unterlassen, aus dem ttefflichen Elaborate folgenden die Cultusanstalten betreffenden Passus hier mitzutheilen. Es thut einem ordentlich wohl, wo die Gespensterfurcht der Hierarchie so viel von sich reden macht, wenn man ein solches schönes Handin Handgehen des Cultusvorstandes und des Rabbinates wahrnimmt. „Bon dem Grundsätze geleitet, daß das Rabbinat vorzüglich berufen ist, in allen Fragen auf diesem Gebiete nicht nur den Impuls, sondern auch für alle Unternehmungen die maßgebende Richtung zu bieten, waren wir stets darauf bedacht, jedwede, wenn auch noch so unbedeutend scheinende Einttchtung nur in „völliger Uebereinstimmung" mit „dem genannten Collegium ins Werk zu setzen rc." Zur Herstellung und Befestigung der Ordnung war es aber vor Allem nöthig, das Band zwischen den bestehenden Gotteshäusern enger zu knüpfen und in den Besuchern jedes einzelnen derselben das Bewußtsein zu wecken, daß, sowie sie selbst gleichberechtigte Mitglieder der Gemeinde, ihre Andachtsstätten dergleichen Sorgfalt der Centtalverwaltung theilhastig sind. Nicht eine größere oder geringere Zahl von Neuerungen giebt nach unserem Dafürhalten den rechten Maßstab für den Grad der Aufklärung eines Gemeinde-Vorstandes; wir erblicken ihn aber in der Herstellung des Friedens, im Wecken und Erhalten wahrer Duldsamkeit und Verttäglichkeit unter Len Glaubensbrüdern bezüglich ihrer Ansichten über äußere Anstalten der Gottesverehrung." Wahrlich, diese schönen Wotte verdienen von allen Gemeindevorftänden beherzigt zu werden — und es würde dann um das Wohl der Gemeinden und deren Institute um vieles besser stehen! — Die leidigen Zerwürfnisse der Gemeinden zu Stuhlweißenburg und Groß- Wardein sind bereits durch allerhöchste Entscheidung der k. Hofkanzlei in Wien gesetzlich beigelegt worden. Ich hosse Ihnen nächstens die wichtige Entscheidung vollständig mittheilen zu können und wir beschränken uns darauf. Ihnen einstweilen den Inhalt nach den Zeitungsnachttchten in möglichster Kürze wiederzugeben. Die Hostanzlei behält bei Entscheidung dieses Gegenstandes den Umstand vor Augen, daß man weder der progressiven, noch der sogenannten orthodoxen Pattei einen Gewissenszwang bezüglich der Ausübung chres Cultus auflegen darf, und es überhaupt im Interesse des Friedens angezeigt scheint, die beiden Patteien in tttueller Beziehung von einander gänzlich zu ttennen, damit jede derselben ihren Cultus ungehindett einrichten und ausüben soll. Es wird dabei ausdrücklich hervorgehoben, daß unter den tttuellen Einttchtungen nicht nur die Abhaltung des Gottesdienstes in einem besondern Bethause, sondern auch die abgesondette Verwaltung der Cultusgelder, die Aufnahme der Cultusbeamten und die Einttchtung einer Schule — zu verstehen sei. In administtativer Beziehung jedoch verbleibt die Gemeinde ein ungetheilter Körper! — Sie sehen, geehrt. Herr Redatteur, welche hohe Bedeutung dieser Erlaß hat und wir werden uns bemühen denselben in extenso veröffentlichen zu können. Herr Schoßberger, der in den Adelstand erhoben wurde, hat der k. Statthalterei in Ofen 10,000 fl. ö.W. mit der Bestimmung hinterlegt, diese Summe zu allgemeinen literarischen Zwecken zu verwenden, und eine gleiche Summe zur Erziehung und Ausbildung armer Beamtentöchter gewidmet, »obiesse oblige! rufen wir Hrn. Schoßb. zu, und möge er der jüdischen Literatur auch seine Unterstützung angedeihen lassen!*) eine den Literaturfreunden gewiß willkommene Nachricht theile ich Ihnen noch zum Schluffe mit, daß Hr. Sigmund Brill in Pefth, Bruder des gelehtten Rabbinats- Assessors S. L. Bttll daselbst, von der k. ungattschen Statthalterei die Concession zur Eröffnung einer Antiquar-Buchhandlung erhalten hat. Hr. Brill wird der Mischen Literatur besondere Aufmerksamkeit schenken und wird nächstens einen Catalog seines Antiquattats veröffentlichen. Hr. Bttll ist der erste Antiquar und Buchhändler in Pesch, der sich nicht aus- *) Dies ist gewiß ein gerechter Wunsch! Allein, die neuere jüdische Literatur, besonders die von uns gegründeten Institute, haben hinreichend bewiesen, daß wir auch der Reichen entbehren können! Die Redaction.