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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-10 · Heft 11 (10.3.1863) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 11 (10.3.1863)
Date
1863-03-10
Page
Seite 165 (sequence 9)
Language
German
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165 dacht und der Feder des geistreichen Verfassers vollkommen würdig. Die Biographie Kästenbaurn's vom Schreiber dieser Zeilen liefert den Beweis, daß schlichte Personen, wenn es ihnen nur Ernst ist Gutes zu wirken, ebenfalls Großes zu leisten in der Lage sind. Wie wir aus dem Berichte des SecretärS des Vereins, Mezei Mor entnehmen, hat der Verein eine jährliche Einnahme von 4830 fl. 38 kr. gehabt, während die Ausgaben 3230 fl. 45 kr. betrugen. Die Zahl der Mitglieder waren 907, unter denen 8 gründende, die einen Beitrag von je 100 fl. spendeten, während ein jedes andere Mitglied jährlich 4 fl. beizusteuern hat. Die Bibliothek erhielt einen Zuwachs von 225 Bänden, von denen der Präses des Vereins allein 142 Bände schenkte. Unentgeldlichen Unterricht genossen 121 Schüler. — Herr Trefort soll geneigt sein öffentlich zu widerrufen und das in der Academie zum Nachtheil der Juden Gesprochene zurückzunehmen. Der heilige Rebbe Mordche aus Tevarne ist trotz seiner Ausweisung aus Ungarn vor Kurzem im Szigeth wieder zum Vorschein gekommen und hatte er diesen Besuch um so weniger zu bedauern, da seine Anhänger in Huszt ihm hunderte von fl. für seinen Ehrenbesuch spendeten. *) Ein hoher königl. ung. Statthalterei-Erlaß ordnet für solche Heiraths-Candidaten, die noch nicht militärfrei sind, die Bewilligung eines Heiraths-Consens im Wege der Comitatsbehörde an. Da bei uns im Magharenlande in der Bach'schen Periode Heirathsbewilligungen bestanden, so wäre cs interessant zu wissen, in wie weit wir durch diese Verordnung der guten alten Zeit näher rücken oder nicht, und ob einer ähnlichen Pflicht auch die Christen vor der Heirath zu genügen haben. Die letzte Nr. des Magyar izraelita ist polizeilich confiscirt worden. — Sr. k. k. apostolische Majestät haben aus Anlaß der Betheiligung an der internationalen Ausstellung in London im Jahre 1862 und der Mitwirkung zu den Erfolgen derselben dem Besitzer der Porzellanfabrik zu Herend, Moritz Fischer, das Ritterkreuz des Franz- Josef-Ordens, dem Rastrir- und Handelsbücherfabri¬ *) Siehe unsere Bilder aus Ungarn IV. im „Jüdischen Bolksblatte". kanten in Pesth, Carl Posner, das goldene Berdienstkreuz mit der Krone allergnädigst zu verleihen geruht. Js. I. Rosenmeher. Aus Ungarn, 20. Januar. (Privatmitth.) Leider! ist es eine Trauerbotschaft, womit wir den Faden unserer Correspondenz aufnehmen müssen! Wieder hat der unerbittliche Tod ein cheueres Opfer gefordert und die Reihe der Veteranen unter den ungarischen Rabbinen gelichtet. Den 1. Januar ist Hr. Salomon Ullmann, Rabbiner in Mako, zu einem bessern Leben entschlummert. Hr. Ullmann war ein vortrefflicher Charakter, ein gründlicher, ausgezeichneter Talmudist, der einer allgemeinen Verehrung und eines sehr großen Rufes sich erfteute. Vor wenigen Jahren gab derselbe ein talmudisches Werk: Jerioth Sclielomo heraus, das aber sehr wenig Verbreitung gefunden hat. Der Gottselige starb im 70. Lebensjahre und war 37 Jahre Rabbiner in der Makö'er Gemeinde, die ihn von Rendeg berufen hat. Ja, die gute, alte Zeit! wird so mancher Leser mit uns ausrufen: 37 Jahre Rabbiner in einer Gemeinde sein, dies ist wahrlich unter den Rabbineu der Jetztzeit, die wie die Zugvögel immerfort ihre Stellen wechseln und zu wechseln bestreben, eine höchst seltene Erscheinung! Es führt wirklich so mancher Rabbiner ein wahres Wanderleben und man sieht dieselben überall, wo nur irgend ein Concurs ausgeschrieben und eine Probepredigt abzuhalten ist. Es ist diesen Stellenjägern alles recht, so sie nur ihr Sprüchlein anbringen können, und sie berücksichtigen weder die Ehre ihres Standes noch die ihrer Gemeinde. Dil'iicile est satyrain non scribere. Ist es doch sogar kürzlich erst vorgekommen, daß ein angestellter Rabbiner einer alten und namhaften Gemeinde an den letzten Herbstfeiertagen, Suikoth, seine Heerde verließ, um in Lemberg eine Probepredigt abzuhalten. Wahrlich, die häufigen Klagen der Rabbiner der Neuzeit, daß sie nicht die Achtung und Ehrfurcht genießen, wie ihre alten Collegen, sind nur zu wahr; aber leider ist dieser nicht genug zu betrauernde Mangel an Rabod hathora nicht ganz unmotivirt. — Doch wir gehen lieber zu unserem würdigen und hochverehrten Ullmann zurück. Leider waren die letzten Jahre des Hingeschiedenen durch einen Conflict mit einer bedeutenden Partei seiner Gemeinde, die gegen dessen Willen eine Reform des Gottesdienstes einführen wollte, sehr getrübt. Bei dem hieraus sich entsponnenen Processe unterlag die Reformpartei, und 11

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