Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1863)
- Date
- 1863-03-10
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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164 mit vieler Mühe erhalten werden. Das neueste Recrutirungsgesetz aber, welches laut §. 20 — das jüdische Seminar zu Padua als die einzige öffentliche Rabbinerschule bezeichnete, hat nun alle bisherigen Anstrengungen und gehegten Hoffnungen gänzlich vernichtet und, mit tiefem Schmerze müssen es die gefertigten Rabbiner sagen, — wenn diesem Uebel nicht schnell abgeholfen wird, so werden viele hunderte theologische Schüler und Rabbinats-Candidaten, welche bisher mit so schweren Opfern im alten relig. Sinne erzogen und geleitet worden sind (und die der Trost und die Hoffnung aller altgläubigen Judengemeinden des Kaiserreiches waren) unwillkürlich in ein neologisches Seminar hineingedrängt, wo Grundsätze gelehrt und verbreitet werden, welche der relig. Zuku nft der Juden Oesterreichs verderblich und dem gemeinsamen Staatsinteresse gewiß nicht minder schädlich werden müssen. Als sich nun die gefertigten Rabbiner an ihren ehrwürdigen Collegen, den frommen und hochgelehrten Herrn Ober-Rabbiner zu Preßburg wendeten, um sich in dieser gefahrdrohenden Situation dessen weisen Rath zu erbitten, wurde ihnen von demselben bekannt gegeben, daß die israelit. Gemeinde zu Preßburg dem h. Cultus-Ministerium ein ehrerbietiges Bittgesuch in dieser Angelegenheit bereits unterbreitet habe. Diese beruhigende Mittheilung veranlaßte die gefertigten Rabbiner ihre Wünsche mit denen der israel. Gemeinde zu Preßburg zu vereinigen und die ehrfurchtsvolle Bitte daran zu knüpfen: Ein h. Cultus-Ministerium möge bei dieser Gelegenheit auch die kleineren Rabbinerschulen auf dem Lande einer gnädigen Berücksichtigung werth finden, um die Verhältnisse der Provinzial-Rabbiner gegenüber ihren theologischen Schülern in einer Weise zu ordnen und für die Zukunft festzuftellen, damit dieselben nicht genöthigt werden, ihre heilsame und gottgefällige Thätigkeit für die Zukunft gänzlich aufgeben zu müssen. Sollte dies aber aus anderen Rücksichten vorerst nicht möglich sein, so wagen es die ehrfurchtsvoll gefertigten Rabbiner zu hoffen, daß Ein h. Cultus-Ministerium (in besonderer gnädiger Berücksichtigung der traurigen Folgen, welche der §. 20 des neuesten Recrutirungsgesetzes durch die Oeffentlichkeitserklärung der Rabbinerschule zu Padua für die ganze relig. Zukunft der israel. Staatsangehörigen in Oesterreich nach sich ziehen muß) mindestens dem Ober-Rabbiner zu Preßburg, welcher der ältesten, größten und vorzüglichsten Rabbinerschule unter den Juden Vorsicht, provisorisch das Recht gnädigst verleihen wolle: „Diejenigen, welche sich zu Seelsorgern bestimmt „und sich seit 8— 10 Jahren ausschließlich mit den „rabbinischen Wissenschaften beschäftigt haben, mit „Zeugniffen versehen zu dürfen, um dieselben von „dem Milüärdienste zu befreien." Wenn nun eine solche h. und gnädige Resolution noch vor der nächsten Recrutirung erfolgen würde, so konnten die jüdischen Theologen ihre Studien ohne irgend eine Besorgniß weiter sortsetzen und dies wäre auch nur der einzige Weg, um dieselben von dem Seminar zu Padua — und von den neologischen religiösen Grundsätzen desselben für alle Zukunft ferne zu halten. Wien, den 19. Januar 1859. —. Dieses Dokument spricht Alles selbst aus, was man darüber sagen könnte. Es erreichte sein denunciatorisches Ziel nicht; der Preßburger Jeschiba wurde die Militärfteiheit gewährt, was freilich ihr, aber nicht der jüdischen Theologie zu größerer Schülerzahl verhals, die übrigen Rabbiner gingen leer aus. Das Geständniß, daß sie deshalb keine Schüler mehr finden, klingt sehr naiv. — In diesem Bl. fand ich die Notiz noch nicht, daß Herr vr. Jellinek zum Abgeordneten für den Böhmischen Landtag gewählt worden. — Auö dem Tokayergebirge, im Februar. (Privatmitth.) Der zweite Theil des Jahrbuches des ungar. isr. Vereins (lzraelita magyar egylet) ist soeben ausgegeben worden und enchält derselbe wissenschaftliche Beiträge von Mezei Mör, vr. Rözsay, Ober-Rabbiner vr. Steinhard, Js. Rosenmeyer, Rosenberg, Rabbi vr. Rokonstein und H. Deutsch. Insbesondere halten wir es für unsere Pflicht auf die Aufsätze: A gyögyäszat a höbereknel es a zsidö orvosok a köz£p korban (die Heilkunde bei den Juden und die jüdischen Aerzte im Mittelalter) vom Primararzt und Präses des Izraelita magyar egylet vr. Rözsay, sowie auf die geschichtlichen der Herren Deutsch und Rosenberg aufmerksam zu machen, die in jeder Beziehung originell und unserer Beachtung würdig sind. Die kurze aber gedankenreiche Erzählung vom Mezei Mör ist ebenso gemüthlich gehalten, als wahrhaft jüdisch er-