Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1863)
- Date
- 1863-03-10
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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163 1. Januar schon über die letzten 9 Monate zu geben, I um seine Rechnungen zukünftig mit dem Ende des Iah-! res abschließen zu können. In diesen 9 Monaten ist, nach Abzug der 564 Thlr. betragenden Unterhaltungskosten, das Vermögen von 4468 Thlr. auf 6704 Thlr., und außerdem ein Legat von 1315 Thlr., gestiegen. Der Vorstand hat sich deshalb bewogen gefühlt, bereits ein Haus anzukaufen und es so einzurichten, daß es, wenn nicht später ein eignes neues Waisenhaus gebaut wird, als solches dienen kann, und Herrn vr. Wolffberg als Erzieher des Waisenhauses anzustellen. Die Anstalt hat jetzt vier Zöglinge, deren Zahl mit den steigenden Einkünften vermehrt wird. Der Bericht enthält auch die Beschreibung einer schönen Todtenfeier in der Synagoge zum Andenken an die bereits verstorbenen Wohlthäter und Legatare, sowie die trefflichen Reden, welche die Herren DD. Saalschütz und Wolffberg hierbei gehalten. Österreichischer Kaiserstaat. Pesth, 25. Februar. (Privatmitth.) Großes Aufsehen, ja eine allgemeine Entrüstung, welche nicht blos von den Jsraelften unserer Stadt, sondern des ganzen Landes getheilt wird, ist durch die Nachricht hervorgerufen worden, daß der Ober-Rabbiner Dr. Meisel eine Denkschrift an den k. k. Statthalter gerichtet habe, in welcher er, wie man sagt, in gefährdendster Weise die Zustände der ungarischen Israeliten und die Mittel zu deren Besserung besprochen habe. Man würde natürlich durch diesen spontanen Schritt des Rabbinen weniger alarmirt sein, wenn der Inhalt seiner Denkschrift, obschon im Detail noch unbekannt, doch, so viel man davon weiß, nichr den Grundsätzen, welche erst vor Kurzem der hiesige Gemeinde-Vorstand öffentlich ausgesprochen, sowie den Ansichten und Wünschen aller ungarischen Israeliten widerspräche. Man hält diesen Schritt für um so ungerechtfertigter, als er ohne alle Mittheilung an den Gemeinde-Vorstand geschehen ist, und wenn man die Berechtigung hierzu den Rabbinen überhaupt abspricht, so doch gewiß hinter dem Rücken des Vorstandes. Man hofft, daß dieses allseits verurtheilte Vergehen des Herrn Meisel ohne Wirkung für unsere Glaubensgenossenschaft, sicherlich aber nicht für ihn bleiben werde. Man erinnert sich jetzt um so eher an das taktlose Benehmen desselben Mannes in der Karolyi'schen Angelegenheit und weiß nicht mehr, was man aus ihm machen solle. Daß die Zustände in den israelitischen Gemeinden Ungarns viele Schäden haben, ist hinreichend anerkannt. Daß aber solche Mittel und Wege nur dazu dienen können, sie noch mehr zu verwirren, ist klar. Preßburg, 24. Februar. (Privatmitth.» Bekanntlich haben Verleumder und Denuncianten den Juden viel Unheil gebracht. Es dürfte jedoch neu sein, daß sich fromm nennende Rabbiner, um eine Begünstigung von Seiten der Regierung zu erhalten, nicht vor dem Verbote pn etb zurückschreckren. Ich sende Ihnen beiliegend die Abschrift einer Eingabe, von 22 ungarischen Rabbinen unterschrieben, an das ehemalige Cultus - Ministerium in Wien. In derselben wird das Convitto rahbinico in Padua als ein Seminar bezeichnet, welches neologischen religiösen Grundsätzen huldigt und dessen Wirksamkeit dem Staatsinteresse gefährlich werden muß. Luzzato und Della Torre Neologen und Revolutionäre!! — Zur Entschuldigung der Unterzeichner jener Eingabe mag angeführt werden, daß manche derselben nicht die Fähigkeit haben, eine deutsch abgefaßte Bittschrift zu lesen oder zu verstehen, und soll sie von einem Geldwechsler in Wien veranlaßt worden sein. Wie tiefgesunken müssen aber diejenigen sein, die unterschreiben, ohne zu wissen, was sie unterschreiben. Wir enthalten uns jeder weitern Bemerkung und lassen das Document folgen. Hohes Cultus-Minifterium! Die ehrfurchtsvoll gefertigten Ober- und Bezirks- Rabbiner, welche sämmtlich in Judengemeinden fungiren, wo die israelit. Jugend, welche zum theologischen Studium Beruf fühlt, von jeher unentgeltlich in den rabbin. Wissenschaften unterrichtet und nach dem alten Ritus «?) geleitet wurde, haben zu ihrem innigsten Bedauern in den letzten Jahren Alles aufbieten müssen, um ihre Schüler zur Fortsetzung ihrer theologischen Studien zu bestimmen, weil die Zeugnisse der gefertigten Rabbiner leider nicht mehr genügt haben, um die Besten und Frömmsten derselben, die sich seit vielen Jahren mit theologischen Studien beschäftigt haben, vom Militärdienst zu befteien. So lange nun keine andere Rabbinerschule in der österr. Monarchie als eine öffentliche bezeichnet war, hatten die israel. Theologen keine andere Wahl und sie konnten auch deshalb auf diesem Gebiete, wenn auch