Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1863)
- Date
- 1863-03-10
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Weib des jüdischen Priesters Zacharias, die Mutter Johannis des Täufers. Ein Kreisrichter sollte dies doch wissen oder sich ein Urtheil nicht anmaßen! Uebrigens möchten wir den Herrn Kreisrichter um die Anführung des Gesetzes bitten, auf Grund dessen er befugt ist, einem Juden in der Wahl eines Namens für sein Kind eine confessionelle Schranke zu setzen.*/ Auklam, 8. Februar. (Privatmitth.) Gestern wurde hier das 25jährige Doctorjubiläum des praktischen Arztes Dr. Marcus in einer Weise gefeiert, welche es der öffentlichen Erwähnung würdig macht. Die Theilnahme der hiesigen Bevölkerung, die zahlreichen Gratulationsschreiben selbst aus weiter Ferne, die große Menge der überreichten Geschenke, die Anwesenheit vieler auswärtigen Aerzte bewiesen, daß das aufopfernde Streben dieses Mannes im Dienste der leidenden Menschheit eine allgemeine Anerkennung findet. Cvlu, im Februar. (Privatmitth.) Es besteht hier eine jüdische Gesellschaft „Harmonia", die über 100 Mitglieder zählt. Neben den geselligen und erheiternden Zwecken verfolgt dieselbe auch philantropische und hat für letztern während ihres zehnjährigen Bestehens den ansehnlichen Fond von 2424 Thlr. 2 Sgr. 4 Pf. angesammelt. Indem ich Ihnen die „Denkschrift zur Geschichte des philantropischen Fonds", welche in einer General-Versammlung vorgelegt wurde, mittheile, erlaube ich mir einige Bemerkungen hinzuzufügen, um die Bedeutung dieses Instituts und zugleich den Gesichtspunkt festzustellen, von welchem aus diese Stiftung ihre segenverheißende Wirksamkeit schon jetzt begonnen. Die jüdische Bevölkerung ist hier in dem letzten Decennium außerordentlich gestiegen und ist fortwäh¬ *) Elisabeth, rotrVN, kommt zwar nicht in der h. Schrift vor, ist aber doch echt hebräisch, und hat seine Analogie in corwrrr, rüc'bs, rrns-'bs ff.; es würde heißen: Gott ist Wohnung, Sitz, Ruhe, nach dem Begriff in Psalm 90, 1. — Im klebrigen stützt sich die schon so oft als sinnlos erwiesene Beschränkung betreffs christlicher Vornamen — sinnlos, weil es außer den von „Christ" abgeleiteten Namen gar keine christlichen Namen giebt — auf eine Cabinetsordre des Königs Friedrich Wilhelm Nl. aus dem Jahre 1837, die von diesem selbst zum Theil revocirt, durch das Judengesetz vom 23. Juli 1847 und noch mehr durch die preußische Verfaffung gänzlich annullirt ist. Die Redaction. rend im Zunehmen, wie denn eine ähnliche Centralisation unserer Glaubensgenossen auch in anderen großen Städten sich zeigt. Daß unter diesen Verhältnissen die ganze sociale Scala ihre Vertretung hier findet ist einleuchtend. Herrscht auch im Ganzen Wohlstand und sind die gewerblichen Verhältnisse durchweg blühend, so ist doch die ärmere Klasse auch vettreten. Nun findet sich aber bei dieser die verkehrte Richtung zur Wahl solcher Geschäfte, die ihrer Stellung wenig angemessen sind und von gewerblicher Tüchtigkeit ablenken. Dieser Richtung will nun die „Philanttopia" entgegenwirken, indem sie die Erlernung nützlicher Handwerke befördert und begünstigt. Wie verdienstlich aber diese Wirksamkeit ist, leuchtet von selbst ein, denn es wird dadurch eine ganze Menschenklasse auf den Weg ihrer wahren Bestimmung hingeführt, indem die Wenigen, welche man bildet, den Uebrigen zu Mustern und Beispielen werden. Durch Einpflanzung der Liebe zur Arbeit und durch Begünstigung solcher Thätigkeit wird aber viel mehr gethan, als durch die meist ganz vergebliche nur im Augenblick wirksame Armen-Unterstützung. Man leistet schon dadurch bedeutend viel, daß die ärmere Klasse selbst sich überzeugt, daß die Bemittelteren auf ihre Arbeitsamkeit Werth legen und sie zu unterstützen geneigt sind, wenn sie arbeiten wollen. Sie fühlt sich dadurch ermuntert und erkräftigt. Darum Dank den Edlen, die dieses Unternehmen leiten und fördern! — Ich behalte mir vor, über das weitere Gedeihen der „Philantropia" s. Z. zu berichten. — Die neue Organisation unserer Gemeinde hat diese in Etwas in Bewegung und Fluß gebracht. Die Stagnation hat aufgehört. Männer, welche den Gemeindeangelegenheiten, ja dem Judcnthume fern standen, haben angefangen, sich als Juden zu fühlen und für Gemeindewohl zu wirken. Wenngleich nun auch zwischen Wollen und Vollbringen das Gleichgewicht noch lange nicht hergestellt, so ist doch schon Manches geschehen und — das Gute gedeiht nur langsam. H. Königsberg i/Pr., 25. Februar. (Privatmitth.) Nichts macht mehr Freude als das schnelle und fröhliche Gedeihen einer eben erst begonnenen Wohlthätigkeitsanftalt. Sie haben in d. Bl. über das vor zwei Jahren begonnene „provisorische Pensionat eines israelitischen Waisenhauses" allhier berichten lassen. Der Vorstand hat es vorgezogen, seinen zweiten Bericht am