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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-10 · Heft 11 (10.3.1863) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 11 (10.3.1863)
Date
1863-03-10
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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159 Nationalismen und thun zugleich Alles, um sie auszuschließen und sie davon zurückzuhalten. Es kann daher uicht auffallen, wenn wir endlich auch einen Kampf zwischen der bürgerlichen Gleichstellung der Juden und dem Nationalismus jener Völkerschaften gewahren, so daß wir oben mit Recht bemerkten, daß die Juden jene von dem Wohlwollen der Regierungen weit eher zu erwarten haben. Es liegen hierüber so viele bekannte Thatsachen vor, daß wir dieselben nicht wieder auszuführen brauchen. Diese nach staatlicher Unabhängigkeit ringende Nationalität kennt nichts als sich selbst. Wie sie beherrscht worden, will sie beherrschen. Sie schließt Alles aus, was sie für ihr nicht angehörig hält und will es in Unterdrückung halten. Dies ist für die Juden um so schlimmer, als eine wirkliche bürgerliche Gleichstellung stets von Regierung und Volk zugleich abhängt. Man weiß es ja, daß, wo das Volk die Juden emancipirt, der böse Wille einer Regierung noch lange gewiffe Schranken ausrecht erhält. Aber umgekehrt localisirt sich die Gleiebstellung in vielen Punkten so sehr, daß, wo Regierung und Gesetz den Juden noch so sehr zur Seite stehen, der böse Wille des Volkes ihnen Vieles verkümmern kann. Das Beispiel des italienischen Volkes zeigt eben hierin den Unterschied zwischen der Cultur und Halbcultur. Die Italiener haben nicht einen Augenblick angestanden, sobald und wo sie nur die nationale Staatlichkeit erlangten, die Juden als Volksgenoffen anzuerkennen, und ihnen die bürgerliche Gleichheit in keinerlei Weise vorzuenthalten. Es verstand sich dies bei ihnen ganz von selbst, daß es gar keines gesetzlichen Ausspruches bedurfte. Es ist bis jetzt im ganzen Italien, soweit dies jetzt einen Staat bildet, uicht ein Beispiel vorgekommen, daß die Juden dort in irgend einer denkbaren Beziehung hinten angesetzt oder ausgeschlossen wurden. Wir brauchen die Kehrseite in jenen östlichen Ländern nicht aufzudecken, sie ist allzu sehr gekannt. Dies ist in kurzer Skizzirung die außerordentliche Schwierigkeit, welche den Juden im Osten Europas auf ihrem Gange entgegensteht, und die sie so oft in die traurigste Alternative versetzt, wo Pflicht, Verlangen und Umstände sie nach den entgegengesetzten Seiten drängen, und ihnen ans der Gegensätzlichkeit der Zustände und Verhältnisse aus allen Seiten die größten Gefahren bereiten. Je größer jene ist, desto schwieriger ist es auch, in bestimmter Weise eine Lösung anzugeben. Die Mannigfaltigkeit der Motive schließt die Einfachheit im Streben und Ziel aus. Eines nur können wir daher mit zweifelloser Gewißheit sagen: die Juden im Osten müssen mit aller Kraft und Anstrengung nach Cultur und Civilisation in intellectueller, ethischer und industrieller Beziehung streben, sich hierin in keinerlei Weise beirren lassen, und von den Erfolgen dieses Strebens die sichern Früchte in der Zukunft erwarten. In höherer Weise werden sie dann auch zur Nationalität gelangen, in ihr einen bedeutenden Platz einnehmen, und dadurch auch zur völligen Gleichstellung gelangen. Mit der Nationalität Hand in Hand, immer aber zur Civilisation! Themata wichtigen historischen ßXoxtographieen. Unser vor Kurzem in diesen Blättern ausgesprochene Wunsch, es möge ein tüchtiger Gelehrter die „Geschichte des bearbeiten, geht seiner Erledigung entgegen. Herr Rabb. Wiesner in Nachod, der rühmlich bekannte Vers, der „Scholien zum babylon. Talmud", ist mit der Bearbeitung jenes Thema's beschäftigt. — Das von uns in No. 9 gegebene Gutachten über die Sculptur hat in uns den Wunsch rege gemacht, daß ein des Gegenstandes mächtiger Gelehrter eine ausführliche und detaillirte Bearbeitung über die Frage: das Verhaltniß des Josephus und seines Zeitalters zur talmudischen Halacha liefere. Es ist bekannt, daß in den Schriften des Josephus, namentlich in dessen „Antiquitäten", viele Bemerkungen über das jüdische Gesetz, wie es zu seiner Zeit verstanden und gehandhabt wurde, sowie über die vor der Zerstörung Jerusalems bestandenen Einrichtungen in Cultus und Gericht enthalten sind, welche von den Angaben und Entscheidungen des Talmuds nicht selten bedeutend abweichen. Da dem Josephus immerhin die Autorität der Autopsie, die priesterliche Würde und die Anhängerschaft an der pharisäischen Schule zur Seite stehen, so sind seine Mittheilungen auf dem bezeichneten Gebiete von geschichtlicher und kritischer Bedeutung. Es würde uns freuen, auch diesen Gegenstand bald von einem befähigten Manne in Berücksichtigung gezogen zu sehen. Iran Paul und Emanuel. I. Am 2 l. Marz d. I. ist der hundertjährige Geburtstag Jeau Paul Friedrich Richter's. Wenn auch 11*

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