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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-12 · Heft 83 (12.7.1838) · p. Seite 337

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 83 (12.7.1838)
Date
1838-07-12
Page
Seite 337 (sequence 3)
Language
German
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537 hilft es Ihnen? Die Zeit ist erfahren genug, um sich länger damit zu beschäftigen, als eine Viertelstunde vor der Sieste, beim Erwachen ist Ihre Schrift langst unter das Sopha gefallen, und Niemand wird sich die Mühe nehmen, es wieder hervorzuholen. Man kennt die Leutchen, die die Augen verdrehen, den Kopf hängen lassen, und sich an die hohle, hohle Brust schlagen. Man kennt die Männchen, die beständig seufzen, stöhnen, schimpfen und rasen, und von schalem Deismus und fadem Liberalismus sprechen, und nicht wissen, daß diese Schalheit und Fadheit am meisten in ihnen selbst lebt. Alle Zeit hat ihre Tiefe und ihre Oberfläche, ihre Höhe und ihre Niederung. O ihr Schmarotzerpflanzen, die sich um den Baum der Erkenntniß winden, um das Werk der ewig fortschreitenden Zeit, ihr werdet jenen nicht erdrücken, dieses nicht zermalmen, sondern ihr fallet ab, eine nach der andern, und dünget höchstens den Boden für eure Nachfolger. Es muß also mit dem Bisherigen genug sein; man wird uns nicht zumuthen, alle Behauptungen des Herrn j)r. F. zu beleuchten, und eine solche Ekelkur ab ovo usque ad maluui zu gebrauchen. Man denkt sich auch wol, daß er wahrscheinlich nicht genug hat, und bald ein zweites Heftchen erscheinen lassen wird; ob wir uns um dasselbe bemühen werden, wird von diesem selbst abhängen. Dieses zweite wird vielleicht noch gelesen, besonders wenn es durch spanische Pftfferdüten recht pikant gemacht wird. Aber das dritte, ohne Prophetengabe sei es gesagt, bleibt liegen. Auch solche Brühen werden bald abstehend. Einen Dank muß ich Herrn F. doch sagen; dafür nämlich, daß er unsre früher schon gemachte Bemerkung, es wäre besser, wenn unsre Gegner sich in ihrer ganzen natürlichen Blöße zeigen, weil man sie dann gleich erkennt, wakker und redlich benutzt hat. Um so mehr, da man doch die causa proxinia, wie die Mediciner sagen, die vorherrschend war, nicht wissen kaqn. Und da von einer solchen e. pr. selbst bei Luther im Punkte der Juden das Gerede nicht ganz unterdrückt werden konnte, wie viel weniger bei Ihnen, die Sie noch lang kein Luther sind. Daher nur noch die eine Bemerkung. Sonderbar ist es, daß man zu jeder Zeit bereit ist, das Judenrhum in den Staub zu werfen, und mit Füßen zu treten, daß es keine Schmach gibt, die man ihm aufzubürden nicht bereit ist — und trotzdem den geringsten Versuch desselben, sich zu erheben, und in seinen Rechten aufzutreten, immerfort mit Hochmuth, Stolz rc. brandmarkt. Ich frage diese Herren, was wol die Juden im Judenthume zurückhält, wenn nicht die innigste Ueberzeugung seiner Wahrhaftigkeit? Daß dies jenen nicht lieb ist, wer kann dafür? — Correspondenzen, Attsznge, Repliken. Berlin, im Juni. Allgemeine und besondere Verhältnisse. (Schluß.) Im Innern unserer Gemeinde hat sich neuerdings Einiges ereignet, das wol verdient hervorgehoben zu werden. Das erstcre wlpen Sie wol schon, ich meine hiermit, die neu errichtete BeschaftigungS-Anstalt, ein höchst wohlthätigeS Institut. In der Hoffnung, { daß Sie auch schon aus grundlichern Quellen Ihren Lesern hierüber Bericht erstattet haben, wende ich mich zu der zweiten Neuigkeit, die wahrscheinlich auch bei Ihnen noch eine solche ist; und zwar ist diese die autentische Nachricht, daß die hiesige Gemeinde einen Rabbinen ausnehmen wird. Das Rabbinat besieht bisher in einem Rabbinats-Verwalrcr, einem Rabbiner-Ajjeffor und einem dritten von diesen in vorkommenden Fallen zu wählenden geeigneten Individuum, durch die Aufnahme eines wirklichen Rabbinen wird daö Rabbinat statiger. WaS man sich indessen, von einem neuen Rabbiner verspricht, ist sehr verschieden und auch an sich sehr vage. Es läßt sich erwarten, daß Berlin die beste Wahl treffen wird, ob dann aber mit der besten Wahl die Sache nur von einer Seite besser wird, sieht nicht nur dahin, sondern ist sehr zu bezweifeln. Die Frage ist, wer? was? und wozu soll dieser Rabbinersein? Beginnen wir mit Beantwortung letzterer Frage, so nehmen wir Folgendes wahr. Will man einen ausgezeichneten talmudischen Gelehrten, was man gewöhnlich nennt, so muß jeder, der darin nur etwas Erfahrung hat, gestehen, daß man nirgend einen Mann findet, der diesen Ansprüchen entspricht, und daher so für Berlin geeignet ist, alsder jetzige RabbinarsverwalterHerr Oettinger selber. In Gelehrsamkeit anerkannt, und sogar berühmt zu nennen, verbindet er mir derselben einen klaren Verstand und eine lehr schwungvolle Combrnationskrafr, was seine in jüdischer Sprache gehaltenen Vorträge, in Interpretationen und Aufklärungen der Bibel und Lalmubstellen bestehend, zur Genüge jedem Kenner beweisen. Es laßt sich nicht denken, daß in Berlin von dieser Seite aus, ein wirkliches Bedürfniß eingerreten, es ist daher wahrscheinlich, daß man gewiß Herrn Oe Bringer, der mir a" dem Genannten noch eine höchst achrungöwerrbe Gesinnung, einen trefflichen Charakter und was besonders hervorgehoben werden muß, eine ausgezeichnete Humanität und auch Einsicht in weltliche Gelehrsamkeit verbindet, daß man diesem Manne entweder zum Rabbinen erheben, oder wenigstens keinen Andern über ihn setzen würde. Eö läßt sich daher nur schließen, daß eS auf einen deutschen Volkslehrer abgesehen ist, der durch Kenntniß. Stellung und Ruf aulvrisirt, die Leitung übernehme. Das wozu ist nun wol gelöst; aber die Frage: was soll er sein? ist nur um so stärker. Es gibt nedmlrch zwei Klaffen deutscher Volkslehrer, von denen man jagen muß, daß sie cs ehrlich und ernst meinen. Die eine Klajje will Reform des Iudenrhums, sie sagt, dies und das ist Lokalgesetz, dies ist veraltet, jenes ist für die Gegenwart wirkungslos, sie prüft und wählt, verwirft und hält nach ihrem Gewissen und ihrer Einsicht. Obgleich dieses Verfahren von gefährlicher Willkühr kaum zu trennen ist, so können doch ihre Bekenner chrenwerrhe Männer sein, die in Ueberzeugung lehren und handeln. Eine zweite Klasse gibt es, die nicht Reform deS JudenthumS, sondern Reform der Juden bezweckt, wenn die elftere die Religion für die Menschen plausible machen will, so maa r die-zweite die Menschen für dieReligion empfänglich. Diese Klasse sagt: die Religion ist heilig, unantastbar und unveränderlich, aber wenn ihr selig darin werden wollt, so forscher, suchet den tiefen heiligenden und reinigenden Sinn jedes Gesetzes heraus und Ihr werdet selig, Ihr werdet mit Freuden Juden sein. — Diese beiden Klassen stehen sich streng gegenüber und cs ist die große Frage: was soll der neue für Berlin zu wählende Rabbiner sein? Juden - oder Religionsreformer? Will man einen der erstern Gattung, so braucht man wahrlich nicht weil zu suchen, und wenn man auch weit suchte, so würde man doch nichts Besseres finden, als Berlin in dieser Art selber besitzt. Ich meine Herr Salomon Plesner. Dies ist ein Mann voll Gelehrsamkeit und wahrer Begeisterung für Religion und für Bit« düng der Juden zu derselben. Seine Reden sind zum Lheil unübertreffliche Meisterwerke der Beredsamkeit, und ob er gleich manches

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