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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-12 · Heft 83 (12.7.1838) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 83 (12.7.1838)
Date
1838-07-12
Page
Seite 336 (sequence 2)
Language
German
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536 die Aufmerksamkeit der zahlreich versammelten Zuhörer zu bewundern. --- G. K. evang. Reet, und Pradic. Riga, 22. Zuni (Privatmitth.). Unser Proceß, dessen wir in unserm Schreiben (S. No. 103 u. 104-vor. Jahrg.) gedachten, ist noch immer nicht entschieden, und werden wir zur Zeit vom Verlaufe desselben näheren Bericht erstatten.— Vor einigen Tagen gab der gedachte Brief dem „literarischen Begleiter" des hier erscheinenden „Provincialblattes" Veranlassung, ihn auszüglich mitzutheilen, und dabei eine tüchtige Ladung Schimpfworte gegen Juden, Judenthum und Zeitung des Judenthums loszulassen, die uns wirklich hinreichend zum Lachen brachten. Das Provinzialblatt, das wahrscheinlich in Deutschland ganz unbekannt ist, hat zum Redakteur einen in der literarischen Welt Deutschlands schon längst Todtgeglaubten — Herrn Merkel. Und wahrlich! seine Sprache, wie seine Meinungen haben Etwas von mephitischem Grruche an sich. Er verspricht, in den nächsten Blattern eine kurze Geschichte der „Judenduldung" in Riga zu geben. Das wird wirklich ein erhebendes Gemälde abgeben. Jedoch werden wir nicht unterlassen, Ihnen darüber einige kritische Notizen zu senden. Tages-Controle. vr. Ludwig Fischer und seine „Lügen," oder ausführlicher: v». Martin Luther von den Jüden und ihren Lügen rc. rc. (Schluß.) Doch es sollte uns hier nur auf die Sicherstellung des religiösen Gebietes ankommen. — Vergebens aber ruft uns Herr F. auf, ein Symbol, eine Formel oder sonst derglei« chen zu geben — wir wollen kein Symbol und keine Formel, das Judenthum hat sie nie gewollt. Unser Glaubensbekenntniß ist die heilige Schrift, ist das A. T. Das haben unsre Jahrhunderte bekannt. Was die Logik des Einzelnen oder einiger Einzelnen bestimmen könnte, daran wollen und können wir uns nicht binden. Selbst in den Zeiten der engsten materiellen Bande, der bürgerlichen Knechtschaft sowol als des drückendsten Eeremonials, war das Judenthum immer geistig frei, und nur beherrscht von der Offenbarung. Um dieses Gut können und wollen wir uns nicht bringen, für die gleißnerische Sicherheit eines Symbols oder einer Formel, und wenn die dogmatische Bildung auch noch so große Fortschritte machen wird, oder weil —- — die Zeit der Symbola und Formeln ist überhaupt vorüber. Das wäre aber zu viel eingeräumt, wenn wir auch die Moralität, den Eulturwerth, den Bildungsgang des Judenthums gegen einen Fischer zu rechtfertigen nur Versuchen wollten. Eine mächtigere Stimme hat darüber geurthellt, als Fischer, ja als selbst Luther — die Zeit; aber natürlich war es, daß das Judenthum erst recht auf seine geistigen Hasser stoßen würde, da es kräftig herausgerrelen an das Licht der Welt, da es ein beleuchteter und leuchtender Weltkörper in dem großen Sonnensysteme wieder geworden. Daher, Herr Fischer, zum Schlüsse noch einige allgemeine Bemerkungen. Wir kennen eine Schlange, mit grünlich spielenden Augen, mit ringelndem Schweift, im Staube kriechend, das ist der Neid. Wir kennen eine Schlange, die ihre spitzige Zunge herausstreckt, mit ihren Giftzähnen blöket, und geiftrnoen Athem aushauchet, das ist der Haß. Wir kennen eine Schlange, die im Grase verborgen lauert, bis die Beute sich nähr, unter gelbe Blumen sich duckt, und hinter duftende Stcäucher, das ist die Heuchelei. Diese drei Schlangen, auch das wissen wir, haben sich um den jetzt wieder frisch aufstrebenden Baum des Judenthums gelagert, die eine nagt an seiner Wurzel, die andre zerbeißt die Rinde und den Bast, die dritte sticht die treibenden Knospen und Blätter an. Aber eitetes Bemühen! so fest steht dieser Baum in dem sichern Grunde von vier Jahrtausenden, so hoch treibt seine Kraft, und sein Gipfel ragt so erhaben, daß alle Anstrengungen der geifernden, klappernden, fletschenden, zischenden Schlangen höchstens eine Viertelstunde das Wachsthum aufzuhalten vermögen — aber all' ihr Gift, mit dem sie ihn bespritzt haben, alsbald wieder zersetzt und in Nichts aufgelöftt wird. Sie werden es uns nun gütigst.Nachsehen, wenn wir auch in Ihrer Schrift, H. F., jene Schlangen haben spielen sehen, wenn wir aus jedem Worte, jedem Satze, jeder Periode den Schlangenblick, den Schlangenbiß, das Schlangengift herausblickten — Sie werden es uns eben so gütigst Nachsehen, wenn wir alles Dies in unserm gesunden Streben ausscheiden, zersetzen und auflöftn in sein Nichts. Verbergen Sie sich nicht, Neid, Haß und Heuchelei haben Sie angetrieben, alles Das zu verunglimpfen, was wir wollen und haben, unsre Tugenden zu Lastern, unsre Fehler, die wir sehr wol kennen, zu Verbrechen zu stempeln, die Mangel der Zeit uns aufzubürden ~ aber was

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