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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-12 · Heft 83 (12.7.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 83 (12.7.1838)
Date
1838-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. zchrg».,. Allgemeine R». «s. Zeitung -es Zu-cnthums. Ein «uparlheiischeS Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnä'digster Conccffion.) Leipzig, den 12. Zull 1838. Zeitungsnachrichten. Düsseldorf, 21. Juni (Privatmitth.). Noch immer sehen wir hier der Veröffentlichung unsres eingesandten Berichtes vergebens entgegen *). Einstweilen legen wir Ihnen ein Exemplar von der Zugabe der D. Zeit. No. 49. , in welcher über den Abschied des von hier geradezu verdrängten Herrn I. L. -Neuburger referirt worden, und aus welchem Sie das Nöthige gefälligst entnehmen werden. Am 16. D. ward in unserer Stadt eine Feier seltener Art begangen, eine Feier, woran Freude und Schmerz gleichen Antheil hotten. Viele Männer und Frauen, sowie Jünglinge und Mädchen, alle ehemalige Schüler und Schülerinnen des israelitischen hochverdienten Lehrers Hrn. I. L. Neu bürg er, hatten sich nebmlich in der Wohnung eines seiner Freunde versammelt, um ihm bei seinem Scheiden auö hiesiger Stadt das letzte Lebewohl zu sagen und um ihm zu erkennen zu geben, daß seine Bemühungen, sie zu ordentlichen und tüchtigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu bilden, nicht gänzlich fruchtlos gewesen seien, daß, wenn auch die Belehnung für ein Leben voller Mühen ihm nicht zu Theil geworden sei, ihm dennoch der Dank seiner ehemaligen Zöglinge entgegen lodere. Nachdem Herr Neubürger von zwei hiesigen achtbaren Bürgern aus seiner Wohnung zu der versammelten Menge abgcholt worden war, trat ein junger Mann auf und hielt eine ergreifende gefühlvolle und liebeathmende Rede an den geliebten Scheidenden. — Unter den Anwesenden waren Männer, die schon durch Stürme und Kämpfe des Lebens gewohnt sind, Herr ihrer Gefühle zu bleiben; doch heute — nicht das Auge eines einzigen von ihnen blieb thränenleer. — An, Schluffe der Rede ward durch ein kleines junges Mädchen, das hierzu erwählt worden war, dem verehrten Lehrer ein silberner Ehrenpokal von seinen frühern Schülern überreicht. Herr Neubürger erwiedene einige einfache und liebreiche Worte, in denen er neben seinem Danke auch ferner zum Guten und zum Streben nach Wahrheit und Licht ermahnte, mit jenem Tone, der auö dem Herzen kommt und zu dem Herzen dringt; einfache und liebreiche Worte — wie sein ganzer Charakter sich allen stets gezeigt, welche daS Glück seines Umganges gewürdigt hatte. — Die Freunde deS allgemein verehrten Mannes vereinigten sich sodann zu einem kleinen AbschiedSmahle, wobei Toaste auf daS Wohl des geliebten Lehrers und von diesem auf daS Wohl seiner frühern Zöglinge auSgebracht wurden. Unter den Anwesenden, worunter Leute aus jedem Stande und von verschiedenen Confessionen, wurde nach und nach die Vergangenheit *)Es ist uns nehmlich ein Bericht aus D. zugekommen, der den dortigen relig. Zustand als sehr kläglich darftellt. Wir verlangten, nach unfern Grundsätzen, eine Gewährleistung von „lehren achtbaren Gemeindemitgliedern, und nachdem uns diese geworden, werden wir nicht ermangeln, ihn in nächster Zeit zu geben. ~ D. Redact. und Zukunft mit Vergessenheit überzogen, und nur die Freude des Augenblicks zeigte sich in aufrichtiger und inniger Gestaltung. Beweiset diese Feier nicht hinreichend, daß die Würdigung unsrer tüchtigen Männer, wenn sie auch mi7 vielen Hindernissen zu kämpfen haben, unter unö heimisch ist'! Fi lehne, 13. Juni. (Eingesandt *). Vielleicht bedürfte es einer längeren Entschuldigung, daß ich als ein Fremdling und Bekenner einer andern Religion mich in die Angelegenheiten Ihres religiösen Lebens unberufen einzudrängen scheine. Aber ich hege die Ueberzeugung, daß der Aufschwung, welchen der Judaismus durch die Theilnahme an der Bildung der Gegenwart und durch die Vergeistigung seines Gottesdienstes hier und da nimmt, so wie allen Menschenfreunden, so auch Ihnen insbesondere nicht gleichgültig sein kann; denn gerade dadurch wird das große prophetische Wort: yno ’Jn-q hin Sn nVd ,-S?l7 ihn sn n'Sh Maleachi 2^10: n^.3 SVlS YPINIl' UTN 13D3 immer aUseitigere Anerkennung und Beherzigung finden. Ein solches regeres Leben dürfte auch unter den zahlreichen Israeliten dieser Stadt erwacht sein, das sich sowol in der Schule als im Cultus ausspricht. Die hiesige israelitische Gemeinde unterhalt hier eine deutsche Schule von drei Klaffen, in welchen außer den gewöhnlichen Elementardisciplinen auch das Hebräische fleißig getrieben wird. Die Schule befindet sich durch die Theilnahme des Directors derselben, des evang. Predigers, Hrn. Zeidler und den Eifer der drei jüdischen Lehrer in einem blühenden Zustande. Letztere sind zugleich Mitglieder des Lehrervereins, welcher hier monatlich eine Conserenz halt. In diesen Conferenzen lernte ich unter Andern auch den Oberlehrer und Rabbinatscandidaten Herrn S. Feldblum kennen und zugleich ebenso als tüchtigen Schulmann, wie als eifrigen Israeliten achten, welcher mit den neueren Fortschritten des Judenthums weder unbekannt, noch ihnen abhold ist. Derselbe ist nämlich Begründer und Vorsteher einer religiösen Gesellschaft (non Iran), welche sich allwöchentlich am Sabbat versammelt, um die religiösen Vorträge des Vorstehers anzuhören und welche außer der Bildung zur Frömmigkeit und Sittlichkeit auch die Unterstützung verarmter Mitglieder zum Zwecke hat. Mehrmals hatte ich Gelegenheit diesen Versammlungen beizuwohnen und darin, ebenso die Wärme des Redners als •) Auszüglich; wir sagen für die Einsendung unfern innigsten Dank, und werden zur Zeit Gebrauch machen. D. Redact.

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