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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-03-03 · Heft 10 (3.3.1863) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 10 (3.3.1863)
Date
1863-03-03
Page
Seite 149 (sequence 9)
Language
German
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149 noch immer ihre traurigen Folgen hat, da die israelitische Dame in Verona es am rathsamsten hielt, sich je eher je besser aus dem Staube zu machen. Der Gebrannte fürchtet das Feuer! Eine erfreulichere Mittheilung brachten hingegen kürzlich auch die Blätter aus Verona, die ich ihren Lesern als ein echtes biederes Soldatenwort nicht vorenthalten will. Der Generalfeldzeugm. Benedek hat am Neujahrstage in Verona ein Diner gegeben, zu welchem auch der Rabbiner als Vertreter der Judenschast geladen war. Der tapfere General brachte einen Toast auf die Gleichberechtigung der Confessionen und auf das brüderliche Einvernehmen aller Nationalitäten in Oesterreich aus. Der Feldzeugm. Benedek hat bei jeder Gelegenheit eine solche edle Gesinnung ausgesprochen und auch bewiesen. So z. B. wurde durch einen Armeebefehl verkündigt, daß die jüdischen Soldaten an solchen Orten, wo Synagogen sind, sich an dem Gottesdienste unter Aufsicht der Officiere jüdischen Glaubens zu betheiligen haben. Ferner wurde bestimmt, daß dieselben nicht an den ersten und letzten Pessach-, an den beiden Pfingft-, Neujahrs- und den ersten und letzten Laubhüttenfesttagen, sowie am Versöhnungstage vor Gericht geladen werden dürfen. — Bei den Civilgerichten wird diese Rücksicht nicht genommen — und eine früher hierüber bestandene Verordnung wurde vor einigen Jahren unter dem Ministerium Bach-Thun sogar aufgehoben. Im Lager der Orthodoxen in Ungarn herrscht jetzt große Freude, da denselben durch das oft besprochene Decret der h. k. Hofkanzlei das Recht eingeräumt wurde, sich erforderlichen Falles als separate Gemeinde constituiren zu können. In Stuhlweißenburg wird eine neue Synagoge nach echt jüdisch-orthodoxem Ritus, wie es in einem Inserate im „Wanderer" heißt, gebaut werden. Die Wiener politischen Blätter bringen uns jetzt oft Ergüsie aus den Gemeinden in Ungarn, und es wäre denselben zu rathen, das Geld für die Inserate auf bessere Zwecke zu verwenden! — Ebenso soll die Großwardeiner ungarische Gemeinde daran gehen, sich neu zu constituiren. Leider wird hüben und drüben gesündigt — und wir zweifeln sehr, ob durch das obige die Gewissensfreiheit sorgfältig schonende Decret der Friede in den Gemeinden wird hergestellt werden. Die jüdische Presse in Oesterreich trägt wenig dazu bei, um diesen edlen Zweck zu realisiren. Besonders wird die orthodoxe Partei von der „Neuzett" in einer Weise behandett, die das Gefühl eines jeden Unparteiischen auf's Höchste verletzen muß. Wenn Sie die „Neuzeit" lesen, so werden Sie oft versucht sein zu glauben, daß der gute Eisenmenger rc. bei der Redaction betheiligt ist. Jeder altjüdische Gebrauch wird lächerlich gemacht durch witzig sein sollende Phrasen — und kein Mittel bleibt unversucht, so es gilt dem Gegner einen Streich zu versetzen. Das heißt wahrlich: das Kind mit dem Bade ausgießen! Hr. Szanto hat Witz und Esprit; aber in religiösen Angelegenheiten muß man vorsichtig davon Gebrauch machen! Die Orthodoxie hat in Wien einen Vertreter, dessen eigenthümliches Vorgehen und Einschreiten von allen besonnenen Mitgliedern dieser Partei auf's Höchste gemißbilligt wird. Ebenso wird nun allgemein die Art und Weise, wie Hr. S. die Orthodoxen bekämpft und die sogenannten Reformer vertritt, verdammt. Es ist einmal Zeit, daß dieses Benehmen, das dem Judenthum bereits viele Wunden geschlagen, öffentlich verurtheilt wurde — und ihre Zeitung ist dazu am meisten berufen, da sie sich stets sorgfältig gehütet hat, in ihrer Polemik das gehörige Braß zu überschreiten und die Rücksichten gegen das Judenthum aus den Augen zu lassen. Hrn. Szanto's Polemik ist wahrlich meist ein Chilul Haschem — und da ist das Schweigen eine Sünde. AuS dem Tokayergebirge, im Januar. (Privatmitth.) Wenn auch seit einigen Jahren in einigen Gegenden Ungarns ein Rückschritt im Synagogcnwesen und im Schulfache bemerkbar ist, so läßt sich doch andererseits ein Hinneigen zum Befferen hie und da nicht verkennen und größtentheils sind es unsere Mediciner und intelligenten Kaufleute, die mit Energie sich der guten Sache annehmen und mit Liebe ausführen. So gelang es vor Kurzem dem CultuS- Vorsteher Julius Holländer in Kaschau von Setten der Staatsbehörde einen Vorschuß von 50,000 fl. ö. W. gegen niedere Procente zum Bau eines Tempels zu erhallen, und ist diese Begünstigung für die Gemeinde um so wichtiger, nachdem selbige alljährlich vom Capital eine Keine Summe abzutragen hat, damit sich die Schuld allmälig tilge. Ist einmal diese junge, aber täglich wachsende Gemeinde im Besitze eines Tempels und einer Schule, so läßt sich auch die Anstellung eines zeitgemäßen Rabbinen erwarten und gelang es der Gemeinde schon heute 10

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