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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-24 · Heft 9 (24.2.1863) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 9 (24.2.1863)
Date
1863-02-24
Page
Seite 136 (sequence 12)
Language
German
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136 begeht er bet der Charakterisirung der Juden als specifischen socialen Factors den Fehler, daß er einen Charakterzug, welcher in diesem Lande ein Charakterzug auch von tausend und aber tausend Christen ist, als einen die Juden charakterisirenden Zug hinstellt. Wenn nämlich unser geehrter Freund, der übrigens, wie wir sehen, ein Freund der Emancipation der Juden ist, in seiner objektiven Untersuchung so weit ging, den brandmarkenden Charakterzug als allgemeine Regel auf die Juden anzugeben, so hatte er zufolge jener Objektivität auch bei einer andern Klasse der ungarischen Gesellschaft, bei den Handwerkern, diesen Charakterzug, wenn auch als Ausnahme, erwähnen können, damit der unparteiische Beurtheiler zu dem Schluß gelangen könne, daß der hervorgehobene Charakterzug ein Fehler der Menschen überhaupt sei, welchen gesellschaftliche Verhältnisse, der Einfluß der Gesellschaft, der Gesetze entwickeln oder mildern können. Doch das schwache Ehrgefühl wird als specifischer Charakterzug einer specifischen Gesellschaftsklasse hingestellt. Dieser Fehler ist demnach nicht der Fehler der Klasse, sondern des specifischen Stammes, welcher riesen Charakterzug weder durch die Berufsart, noch die Aenderung seines Glaubens ablegen kann. Aber das wird Niemand behaupten, und der Jrrthum unseres geehrten Freundes besteht darin, daß er mit seiner Charakterisirung die ungarischen Juden im Allgemeinen umfaßt, während er doch selbst unter denselben ehrenwerthe Charaktere kennt. Man kann daher, wie z. B. von den Füchsen, von den Juden insgesammt behaupten, daß sie schlau sind, aber daß ihr Ehrgefühl schwach sei, kann man nicht behaupten; und wenn unter ihnen, wie in allen Klassen der Gesellschaft, dieser Charakterzug mehr oder weniger anzutreffen ist, so ist dies vielmehr der Fehler der Stiestinder der Gesellschaft, als speciell der Juden." „Der Grund des Fehlers, welcher bei den mit dem Landvolk unmittelbar verkehrenden Juden der niedern Klaffe bemerkbar ist, ist nicht im Charakter des Juden als solchen, sondern in den gesellschaftlichen Verhältniffen, in den Gesetzen zu suchen. Die Juden haben, wir wissen es, auch unter jenen Confessionen, welche noch vor kaum anderthalb Jahrhunderten selbst nur verfolgte, kaum geduldete Klassen dieses Vaterlandes waren, noch vor Jahrzehnten verspottet, verachtet gelebt. Die unter solchen Umständen entwickelten psychologischen Folgen werden nicht binnen einigen Jahren verschwinden. Wir müssen Einsicht genug haben, wie das ungarische Volk sie auch hat, um die Neigung der Juden zu materiellen Interessen auf jene Gründe zurückzuführen, welche aus der staatlichen, bürgerlichen und gesellschaftlichen Stellung der Juden entspringen. Der arme Jude war vor nicht langer Zeit der Gegenstand der Beleidigungen, der Verachtung der gemeinsten Dienstleute; der reiche Jude aber war auch in früheren Zeiten ein geschätzter Gast in den Häusern der Reichen. Ist es daher nicht natürlich, daß der Jude danach strebte, seine Kinder in Reichthum zu hinterlassen, damit er ihnen, wenn fle auch vom Staat verleugnet sind, wenigstens unter ihren Mitmenschen eine geduldete Stellung sichere? Seien wir gerecht; wir, die wir uns für eine Idee begeistern können, die wir für die Rechte der Menschheit auch kämpfen, können keine Ausnahme machen, wenn wir vom Stamme der Juden sprechen, welcher trotz beinahe zweitausendjähriger Leiden, trotzdem er von allen Völkern und Regierungen verfolgt wurde, nicht entartete, alle edleren menschlichen Triebe in seiner Brust bewahrte, und keineswegs den Beweis lieferte, daß in ihm ausnahmsweise mehr Keime des Bösen liegen, als in uns. Seien wir gerecht, wenn wir urtheilen, unbefangen, wenn wir richten." (Was uns aus dem ganzen Streite hervorgeht, ist, daß, den Juden gegenüber, man immer geneigt ist, den Splitter in des Anderen Auge zu sehen, den Balken im eigenen nicht, und daß bei aufrichtiger Beleuchtung das Gerechtigkeitsgefühl zuletzt den Urheber der Jnvective selbst nöthigt, seine Beschuldigung aufzugeben. Jndeß ist es eine bekannte Regel, daß man von seinen Feinden am meisten lernt, und dies möge auch bei dieser Gelegenheit der Fall sein. Red. d. Allg. Ztg. d. Jud.) Schweiz. Bern, 8. Februar. Herr Alimö Humbert, der Schweizerische Gesandte für Japan, hat einen neuen, von Point de Galle (Ceylon) datirten Bericht eingesandt. Hr. Alimö Humbert will die Bemerkung gemacht haben, daß der Schweizerische Handel im Oriente große Achtung genießt, und ist unter anderm mit Personen zusammengetroffen, welche auf das Lebhafteste bedauert haben, daß der Handelsvertrag zwischen Persien und der Schweiz nicht zu Stande gekommen sei. Bekannt-

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