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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-24 · Heft 9 (24.2.1863) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 9 (24.2.1863)
Date
1863-02-24
Page
Seite 131 (sequence 7)
Language
German
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131 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt a/M., 10. Februar. (Privatmitth.) Nach langen Verhandlungen hat Di. Geiger in Breslau das hiesige Rabbinat an Stein's Stelle angenommen. Wenn der Abgang Stein's uns daS Rabbinat in seiner Demüthigung zeigte, so ist nunmehr das Gegenstück aufgeführt, denn der Gemeinde-Borstand mußte erst eine Deputation nach Breslau schicken, um Geiger zur Annahme zu bewegen. Daß da von einer Unterzeichnung der berüchtigten Instruktion keine Rede mehr ist, läßt sich voraussetzen. Dadurch verliert der langwierige Hader seinen principiellen Inhalt und wird zur bloßen persönlichen Rancune, weshalb denn ein näheres Eingehen auf die Vorgänge für die Allg. Ztg. d. Jud. kein Interesse mehr hätte. — Die hiesige orthodoxe Religionsgesellschaft wird der Annahme Geigers sich freuen, weil sie in diesem einen schärferen Gegensatz als in Stein erblickt, und darum eine Stärkung und Vermehrung ihrerseits erhofft. Jndeß ist letzthin auch diese einer starken Erschütterung ausgesetzt gewesen. Der tüchtigste und verdienstvollste Lehrer an der Schule dieser Gemeinde, Dr. Dessauer, hatte die unbesonnene Aeußerung gethan, Herr Rabbiner Di*. S. Hirsch stehe unter dem Pantoffel seines Sohnes. Obgleich er nun mehrfache Abbitte that und um Verzeihung bat, obgleich die Vorsteher den Rabbiner Hirsch dringend ersuchten, großmüthig die Beleidigung zu vergeben, da die Schule in dem Dr. Dessauer ihre kräftigste Stütze verlieren würde, und obgleich dieser ein Familienvater von 4 Kindern, die in Kürze sich noch vermehren werden, ist: so bestand Rabbiner Hirsch doch auf dessen Entlassung, und drohte mit der Niederlegung seines Amtes. Dies zog. Aber die Gemüther fühlen sich in der Gemeinde doch sehr entmuthigt, und der Vorgang hat die Wirksamkeit der Vorträge und Predigten, in welchen Liebe, Barmherzigkeit, Großmuth mit schwungreichen Worten verkündet werden, sehr abgeschwächt. Nachdem Dr. Dessauer sein Schicksal erfahren, kam er, um der Demüthigung der Entlassung zu entgehen, um seine Entlassung ein. Kein Mitglied des Schulvorstandes hatte das Herz, sie zu unterzeichnen, Rabbiner Hirsch schrieb daher und unterfertigte sie allein aus Machtvollkommenheit; dann aber reiste er — zu einer Rundreise ab, um die Entrüstung in seiner Gemeinde sich erst etwas abkühlen zu lassen.*) Frankfurt, 31. Januar. Der Verein zur Förderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen veröffentlichte heute seinen zweiunddreißigsten Jahresbericht. Aus demselben entnehmen wir, daß seit dem letzten Berichte im Jahre 1860 36 neue Lehrlinge ausgenommen, im Ganzen 019 junge Leute zu tüchtigen Handwerkern herangebildet wurden. Unrer den Unterstützten befinden sich 61 Frankfurter, 141 Äurhessen, .">91 Hessen-Darmstädter, 115 Nassauer, 31 Bayern und 1 Badenser. Die H. S. Goldschmidt'- sche Stiftung gewährte bis jetzt 93 Unterstützungen, während die C. Goldschmidt'sche Stiftung in ihrem 12- bis 15jährigen Bestehen 10 Meistern zweckdienliche Beihülfe leistete. Die Ausgaben gleichten die Einnahme von fl. 10,398. vollständig aus. Aus Baden, im Februar, i Privatmitth.) Ein christlich theologischer Kampf, der in unserm Lande großes Aufsehen erregt und bis in die politische Localpresse hinein gespielt hat, dürfte auch für unsere Kreise einiges Interesse in Anspruch nehmen. Wir stehen nicht mehr so isolirt da, daß die Vorgänge draußen uns so ganz unberührt lassen könnten. Die Veranlassung zum Kampfe bot eine theologische Vorrede zu einem belletristischen Werke: „Nikolaus Manuel v. Ludwig Eckardt", welche das Christenthum vom freiesten Standpunkte aus bespricht und an dessen Zukunft fast verzweifeln will. Der Verfasser war früher Professor in Luzern, verlor aber diese Stellung in Folge von Jntriguen der ultramontanen Partei und fand eine freundliche Aufnahme und Zufluchtsstätte für freie Meinungsäußerung von unserem Großhcrzogl. Hofe. Die Stelle der Vorrede, welche am meisten zündete, lautet: „Ja, eine neue Kirche „muß kommen. Ein von Gott erfüllter Mann, ein „Zoroaster, Moses, Sokrates, Christus, Mohammed, „Luther muß kommen, ein Mann, der tiefer in der „Gotthett wurzelt, in dem sie reicher, ja in aller Fülle „wohnt, eine tief religiöse Natur, frei von der Selbst- *) Da habt Ihr wieder den Segen Eurer provisorischen Anstellungen! Ob der Chef Rabbiner oder Gemeindevorstand heißt, so lange die besten Lehrkräfte von der Empfindlichkeit und dem Stolze jener abhängeu, ist die Schule ein bloßer Spielball. Die Redaction.

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