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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-24 · Heft 9 (24.2.1863) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 9 (24.2.1863)
Date
1863-02-24
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 bet Jude dem Drange des in ihm wallenden Genius durch die Hingabe an die bildende Kunst genügen dürfe oder nicht? wo, während die Juden sich jedes hervorragenden Künstlers, der aus ihrer Mitte hervorgegangen, stellen und rühmen, die Frage entsteht, ob dieser mit seinen Schöpfungen nicht das höchste Gesetz seiner Religion überschreitet und religiös verwerfliche Dinge treibt? Jetzt darf eine Revision der Akten nicht zurückgewiesen werden, sondern der Gegenstand muß noch einmal reiflich erörtert und zu klarem Bewußtsein gebracht werden. In Zeiten großer Entwicklung überholt oft das Leben die Lehre, und entscheidet individuell und örtlich die schwierigsten Fragen in neuer Weise, während die Theorie noch unverrückt auf dem alten Platze geblieben. Darum aber darf Niemand die später eintretende Erörterung für gleichgültig erachten, denn die Geschichte lehrt uns, daß sehr oft weiterhin das Leben der zu einem bestimmten Schluffe gelangten Theorie sich dennoch wieder unterwirft, und diese auf jenes einen beherrschenden Einfluß gewinnt. Die Geschichte der talmudischen Gesetzesinterpretation, und wie sie in vielen Gegenden, wo bei der Unbekanntschaft mit ihr das Leben schon eine ganz andere Gestalt angenommen hatte, spater die volle Herrschaft gewann und die sorgfältigste Befolgung fand, giebt uns die auffallendsteu Beweise hierfür. Dennoch ist es nicht unsre Absicht, auf die Gutachten jener Rabbinen prüfend oder polemisirend einzugehen, sondern den vorliegenden bedeutsamen Gegenstand selbstständig und objectiv zu behandeln. Worin besteht aber die objective Behandlung auch in dieser Frage? Einzig in der geschichtlichen Auffaffuug derselben. Wir stagen nämlich: Das Verbot der Thora, Götzenbilder und überhaupt Bilder zu götzendienerischer Verehrung anzubeten, zu verfertigen und zu besitzen, wie ist es in den verschiedenen Zeitaltern innerhalb des Judeuthums aufgefaßt, rigoros ausgedehnt oder rationell beschränkt worden? Zunächst tritt uns hier das Zeitalter des Königs Salomo mit dem Bau des Tempels und der königlichen Palläste entgegen. Die heil. Schrift berichtet uns, daß Salomo vielfache Bildnerwerke, gegossene und geschnitzte, im Tempel und im Pallaste herstellte, welche nicht blos die Pflanzensondern auch die Thierwelt und noch höher hinauf befaßten. So brachte er zwölf eherne Rinder unter das große Becken, welches das eherne Meer genannt ward, je drei nach einer Weltgegend gerichtet, und ihr Hintertheil nach innen zu;*) so machte er Löwen, Rinder und Cherubim an den 10 Becken und ihren Gestellen.**) Noch mehr, er stellte im Allerheiligsten zwei zehn Ellen hohe Cherubim von Oelbaumholz mit Flügeln, welche von einer Wand bis zur anderen reichten und die ganz und gar mit Gold überzogen waren, auf, und brachte die h. Lade mit ihren Cherubim unter die Flügel jener. ***j Außerdem brachte er Cherubim auch an verschiedenen Dingen an, die im Vorhofe befindlich, so daß solche den Blicken nicht blos der Priester, sondern auch des ganzen Volkes ausgefetzt waren, 's) Von den Bildwerken, welche Salomo in seinem Pallaste anbrachte, ziehen besonders die 14 Löwen die Aufmerksamkeit auf sich, welche seinen großen Thron und dessen Stufen zierten, fv) Wie sah man späterhin diese Bildwerke Salomo's an? Der Geschichtschreiber Josephus verurtheilte Salomo deshalb und erklärte jene Werke für ungesetzlich. Er sagt, als er die spatere Anwesenheit Salomo's bei dem Götzendienste seiner heidnischen Weiber gerügt hatte: „Auch früher hatte Salomo schon gefehlt und das Gesetz außer Augen gelassen, als er die kupfernen Rinder zum Untersatz für das eherne Meer und die Löwen um seinen Thron herum hatte verfertigen lassen, denn auch *) 1. Kön. 7, 25. **) das. B. 29 ff. ***) das. 6, 23 ff. 8, 6 f. -f) In der Stiftshütte dagegen waren die Cherubim nur für die Priester sichtbar, die beiden auf der Sühnplatte nur für den Hohenpriester, die eingewebten nur für die Priester, wenn sie in das Heilige kamen; dann zwar waren auf den Vorhang zwischen dem Allerheiligsten und Heiligen Cherubim eingewebt (2. Mos. 26, 31); dagegen befanden sich Cherubim weder im Vorhang vor dem Heiligen (das. V. 36), noch auf dem des Hofes (das. 27, 16). Salomo gestattete sich überhaupt, namentlich was die Zahlen betraf, Abweichungen von den Einrichtungen der Stiftshütte, und durchbrach so die mosaische Symbolik. -j-sl 1. Kön. 10, 19. 20. Auch in der Vision des Proph. Jecheskel finden wir betreffs des zukünftigen Tempels wie Abweichungen vom mosaischen Gesetze überhaupt (f. unser Bibelw. Bd. II. S. 1295 u. weiter), so auch in den außen und innen am Heiligen angebrachten Cherubim, von denen jeder zwei Gesichter hatte, ein Meuscheugesicht und ein Löwengesicht (Jechesk. 41, 18. 19. 25), während der mosaische Cherub nur ein Gesicht hatte (2. Mos. 25, 20 und uns. Anmerkung dazu S. 453, II. Aufl.)

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