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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-17 · Heft 8 (17.2.1863) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 8 (17.2.1863)
Date
1863-02-17
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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120 Standpunkt erhoben werde, auf welchem der englische Gentlemen steht. Es ist ein Verdienst der Klasse der Herren in Ungarn, daß sie an der Spitze jeder Bewegung steht, was für sie deshalb vortheilhaft ist, weil die Bewegungen in Ungarn revolutionärer Natur sind. Die Klasse der Handwerker besieht bei uns nicht aus jenen höheren Bürgern wie in Deutschland. Unsere Handwerker sind sehr brave, gesund denkende Menschen; doch sind sie in ihren Geschäften nicht genug gebildet, ihre Erzeugnisse sind nicht hinreichend gut und nicht genug billig; in diesen beiden Hinsichten werden sie vom Auslande immer überflügelt. Das Proletariat bildet bei uns keine sociale Klasse; es zeigt sich nur hie und da sporadisch in unseren größeren Städten. (Schluß folgt.) Frankreich. Metz, 29. Januar. (Privatmitth.) Der Grand- Rabbin M. Lambert verschied am 17. d. M. in einem Alter von beinah 84 Jahren. Paris, 1. Februar. Die neuen Wahlen zu den Consistorien nach den jüngst erlasienen Bestimmungen über das Wahlrecht haben am 15. Januar stattgefunden. Bon 3128 eingeschriebenen Wählern gaben ihre Stimmen in Paris 1286, in der Provinz 309 ab, zusammen also etwas mehr als die Hälfte, eine Betheiligung, die alle Anerkennung verdient. In das Centralconsistorium wurde in Paris Anspach, Rath am kais. Gerichtshöfe, in Metz Louis Halphen, ehemaliges Mitglied der polytechnischen Schule, in Colmar Leopold Joval, Mitglied des gesetzgebenden Körpers, in Straßburg der Obrist Cerfter, in Nancy der Professor Franck gewählt. Soweit sind bis jetzt die Wahlen bekannt, und trafen also nur die früheren Mitglieder. Herr I. Cohen, der bekannte Bertheidiger der päpstlichen Herrschaft, früher Mitglied des Pariser Departemental-Consistoriums, hat — keine einzige Stimme wieder erhalten. Dänemark. Kopenhagen, 29. Januar. (Privatmitth.) Wenn auch die Geburtstagsfeier eines Privatmannes kein Ereigniß ist, das in öffentlichen Blättern erwähnt zu werden verdient, so dürfte doch nachstehender kurze Bericht über eine solche Feier wegen der sie begleitenden Umstände in weiten Kreisen mit Interesse gelesen werden. Herr W. P. Heyman, Vater des in diesen Blättern wegen seiner außerordentlichen Wohlthätigkeit und namentlich wegen seiner Verdienste um Gründung der hiesigen jüdischen Religionsschule schon öfter genannten Commerzienraths I. W. Heyman, hat gestern seinen 69. Geburtstag, also den Grenzpunkt zwischen n:pr und rirptt, in einer eigenthümlichen, sehr würdigen Weise geseiett. Er lud nämlich den Geistlichen der Gemeinde und seine nächsten Angehörigen, von denen einige Repräsentanten der hiesigen Gemeinde sind, wie auch einige Freunde zu sich ein und nachdem er vor denselben in einem mit Bibelversen und rabbinischen Aussprüchen geschmückten Vortrage seinen Dank für Gottes Schutz und Segen, der ihm bisher zu Theil geworden, ausgesprochen, eröffnete er denselben, daß er zum Andenken an diesen Tag 10,000 Rtl. zu wohlthätigen Zwecken und zwar die Hälfte für Christen und die andre Hälfte der hiesigen israelitischen Gemeinde bestimmt habe. Außerdem versprach er künftighin jährlich an seinem Geburtstage anderweitige wohlthätige Bestimmungen treffen zu wollen. Bei der daraus in Veranlassung dieser Familienfeier stattfindenden Tafel ergriff der Geistliche das Wort und sprach in einem längeren schönen Toaste Namens der Gemeinde Worte des Dankes und der Anerkennung für diese hochherzige Gabe aus und äußette die Hoffnung, daß Herr W. P. Heyman bei Ausführung seines erwähnten Versprechens, noch anderweitige wohlthätige Bestimmungen treffen zu wollen, namentlich an eine in der hiesigen Gemeinde noch entbehrte Anstalt, eine jüdische Alterversorgungsanstalt, denken werde, zu deren Gründung ihm bereits ein Ungenannter einen Beitrag von 10,000 Rtl. zugesagt habe. Er schloß mit dem Wunsche, daß Hr. H. schon nächstes Jahr an seinem 70jährigen Geburtstage selbst den Kranz aus das für eine solche Anstalt zu errichtende Gebäude setzen möge. Wir haben somit Aussicht, daß in unsrer Gemeinde, in der bereits so Außerordentliches zu öffentlichen WohlthätigkeitSzwecken geschehen, auch bald der Grundstein zu einer jüdischen Alterversorgungsanstalt gelegt werden wird.

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