Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1863)
- Date
- 1863-02-17
- Page
- Seite 119 (sequence 11)
- Language
- German
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119 die Zahl der Schüler an den drei Lehranstalten 1350 beträgt, und daß die Anstalten dem Steigen der Population durchaus nicht genügen, so daß viele Kinder die reformirte Missionsschule besuchen. Eine traurige Erscheinung, deren Abhülfe dringender nothwendig ist, als die von vielen Magyaromanen mit Ungestüm geforderte Anstellung eines ungarischen Predigers. Wohl ist die Anstellung eines zweiten Predigers nothwendig, aber die Ausdehnung und Vergrößerung der Schulen ist wahrlich noch nöthiger, da man heutzutage in Synagogenbauten und dergl., in a-aasi wie unsere Alten sagen, genug Geld verwendet, daß für Thora bester am Platze wäre.*) Aus Südungarn, 15. December. (Privatmitth.) Der bekannte Politiker und Nationalökonom Herr August Trefort hielt in der am 1. d. M. abgehaltenen Sitzung der Akademie einen längeren Vortrag mit Beziehung auf die culturhistorischen Studien Riehl's über „Die Wistenschaft der Gesellschaft". Des andern Tages brachten mehrere ungarische Tagesblätter Berichte über diese Abhandlung, in welcher Herr Trefort über die ungarischen Juden sehr streng und hart urtheilte. Diese Zeitungsberichte aus dem höchsten wissenschaftlichen Areopag des Landes machten in Pesth eine außerordentliche Sensation und es entstand daraus eine heftige Zeitungspolemik, so daß Herr Trefort sich genöthigt sah, zur Berichtigung der ihm von den Berichterstattern in den Mund gelegten Aeußerungen den betreffenden Passus seiner Rede zu veröffentlichen. Das Resume jener Abhandlung lautet folgendermaßen : . Der Redner unterscheidet in Ungarn vier verschiedene sociale Klassen, nämlich Bauern, Herren, Handwerker, Juden. Er findet beim ungarischen Bauer äußere Würde, gesunden Verstand, rednerische *) Unser gesch. Correspondent darf es uns nicht verübeln, wenn wir den Schluß seiner Correspondenz nicht mit abdrucken, in welchem er die Ausfälle des Herrn M. Heß im 8. Chan, auf uns scharf und treffend abweist. Wir können uns einmal nicht entschließen, uns mit diesem „Zizzithspinner" einzulaffen, der nichts weiter will, als Rumor machen, und jede Beurtheilung seines närrischen Machwerks mit einem „Offenen Sendschreiben" u. dgl. Geschreibsel beantwortet. Wir überlasten ihn ungestört den Erinnerungen seiner Vergangenheit, den Thorheiten seiner Gegenwart und den Eitelkeiten seiner Zukunft! Die Redaktion. Begabung, Pietät für das Familienleben; es sind in ihm alle Tugenden und Mängel vorhanden, welche Riehl beim deutschen Bauer findet. Es ist ein großer Vorzug, den der Bauer vor den Gebildeten voraus hat, daß er sich um die Phantasie wenig kümmert; sein praktischer Jdeengang und sein religiöser Sinn machen ihn einigermaßen conservativ; er besitzt jene List, welche nicht immer die Quelle böser Thaten ist; seine größten Fehler sind: der vollständige Mangel von Gemeingeist und Opfcrwilligkeit. Diese Klaffe wird dem Redner zufolge dereinst einen großen Einfluß auf unsere socialen Verhältnisse ausüben. In Folge ihres Fleißes und ihrer Arbeitsamkeit bleiben ihre Ansprüche auch bei der Vermehrung ihres Einkommens die alten; da hiezu noch ihre realistische Auffaffung hinzukommt, so wird sie wohlhabend und paralyfirt oder unterdrückt die gegenwärtige handeltreibende Klasse. Der Redner wünscht es nicht, daß diese Klasse, nämlich die Bauern, in der Societät ein Uebergewicht erlange, denn obgleich die realistische Tendenz bis zu einem gewissen Grade wünschenswerth ist, so ist chre Entwicklung dennoch, zum Nachtheil der geistigen Suprematie, schädlich. Zwischen der Klasse der Herren und zwischen der Aristokratie gab es, dem Redner zufolge, in Ungarn keine Demarkationslinie, es gebe auch keine und werde auch keine geben. Das Wort „Adel" begreife den Fürsten, der ein Einkommen von Millionen besitzt, den Grafen, der in einem glänzenden Palaste wohnt, eben so in sich, wie den Kutscher, der seines Herrn Pferde striegelt, und den B«res, der neben dem Pfluge geht. Unsere größeren Städte, respective das in denselben wohnende Bürgerthum, besitzt nicht das Uebergewicht, daß es Alles durch Nichtadelige verrichten lassen könnte; dadurch wird das heilsame Verschmelzen der Klassen herbeigeführt. Da sich unser Hof nicht innerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes aufhält, so konnte sich bei uns keine Hierarchie der Würdenträger entwickeln. Unsere Magnaten sind mit den deutschländischen Junkern im allgemeinen Sinne nicht identisch; der Oeconomiebeamte, der Advocat und die Individuen ähnlicher Stände tragen hier dieselben Kleider, bedienen sich derselben'Ausdrücke, wie die größten Herren; die Kinder dieser Klassen können sich je nach ihrer Fähigkeit und Begabung auf das Niveau der gesammten Societät erheben. Redner sagt, die ungarischen Herren seien den englischen Gentlemen ähnlich und hebt die Nothwendigkeit des Bestrebens hervor, daß die ganze Klaffe auf denselben 8**