Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1863)
- Date
- 1863-02-17
- Page
- Seite 118 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226364-3226373--21020-3300886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
118 sieht hieraus, welche Wichtigkeit das Seminar bereits für den Rabbiner-, wie geringe noch für den Lehrerstand erlangt hat. Als Abhandlung ist dem Berichte angefügt: „Berhältniß Albert des Großen zu Moses MaimonideS von vr. M. Joel", worauf wir zurückkommen werden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 29. December. (Privatmitth.) Der Schluß der Reichsrathssitzung fand in einer allgemein befriedigenden Weise statt. Die Einigkeit zwischen den drei Gesetzgebungssaktoren, ein für einen jungen constitutionellen Staat so überaus kostbares Gut, hat sich durch Wort und That bewährt. Wenn daher sehr viele und große Momente der Umgestaltung noch unerledigt geblieben, tröstet man sich doch mit der Zukunft, welche eine weitere Entwickelung in Aussicht stellt. Beklagenswerth bleibt von unserer Seite, daß der mit so vielem Kraftaufwande ausgearbeitete Entwurf eines Religionsedictesgar nicht zur Berachung gekommen, und die Verhältnisse der Israeliten deshalb noch ganz unbestimmt geblieben sind, das Concordat aber noch unangetastet besteht. Nun, wir wünschten, daß hier einmal die Praxis den Gesetzesbuchstaben überhole, während in anderen Staaten sie so weit hinter dem letzteren zurückbleibt. — Nicht unbemerkt wollen wir lassen, daß bei der Vorstellung der Abgeordneten bei Sr. Maj. dem Kaiser dieser sich sehr huldvoll auch mit dem vr. Kuranda unterhielt und ihn für seine unermüdliche doppelle Thätigkeit als Abgeordneter und Redakteur (der „Ostdeutschen Post") belobte. Die Art, wie Sr. Majestät nach den Berichten der öffentlichen Blätter den Urheber des Concordats, den früheren Minister Grafen Leo Thun, unter den Herren fast ganz unbeachtet ließ, giebt ein Zeugniß für die Ansichten unseres Kaisers. — Es hat schmerzlich berührt, daß man genöchigt war, den bisherigen Lehrer der isr- Kinderbewahranstalt wegen thätlicher Mißhandlung der Kinder seines Amtes zu entsetzen. — Zur Bezeichnung der Verhältnisse mag es dienen, auch Folgendes zu bemerken. Der aus Berlin hierher verpflanzte, bekanntlich vor einiger Zeit wegen Majestätsbeleidigung verurtheille Kreuzzeitungsschleppträger vr. Hermann Knipp, ehemaligerRedacteur des „Preußischen Bolksblattes" in Berlin und jetziger des „Vaterlandes" allhier, hatte natürlich das Geschäft, in Judenhaß zu machen, mit hierher gebracht. Da er aber hier zu Lande auch nicht den geringsten Succeß damit erzielt, verlegt er den Schauplatz seiner Thaten nach Norddeutschland. Er macht den hiesigen Juden bange mit Jndenverfolgungen, die unfehlbar in Berlin und Hamburg ausbrechen würden, nachdem er so lange Zeit dasselbe in Berlin mit Aufständen in Oesterreich versuchte. Nun, bange machen gilt nicht. Man lacht über dergleichen. Indessen ersieht man daraus, wessen diese Menschen fähig sind, was sie ersehnen und was sie thun würden, wenn sie könnten. — Zum Schlüsse füge ich noch hinzu, daß das oben erwähnte Journal „Vaterland" völlig en (leroute ist, und daß es einer Versammlung seiner feudalen Patrone in Prag bedurfte, um ihm neue Geldunterstützungen zu verschaffen. Ein solcher Feind ist wahrlich nicht gefährlich, und es ist nur schade, daß die ausländischen Blätter seiner öfter erwähnen, denn eine völlige Nichtberücksichrigung wäre das sicherste Hülssmittel gegen ihn. Wien, 28. Januar. In Wisnicz (Galizien) fand am 2b. d. M. aus Anlaß von Zwistigketten zwischen zwei jüdischen Familien, für welche die Bevölkerung Partei nahm, ein Judenkrawall statt. Zur Bewältigung der Zusammenrottungen und offenen Widersetzlichkett wurde, da die im Orte stationirten zwei Gendarmen nicht ausreichten, vom Bezirksvorsteher ein Zug Cavallerie aus Bochnia requirirt. Drei der am meisten Gravirten sind verhaftet, die Ruhe ist wieder hergestellt. Ein Jude wurde von einem Gendarmen durch einen Bahonnetstich im Oberschenkel verwundet. Peflh, 28. Januar. ^Privatmitth.) Die orthodoxe Gemeinde in Stuhlweißenburg hat sich bereits in Folge des Erlasses der k. Hoskanzlei constituirt, und die Gebrüder Schlesinger haben 6000 Fl. O. W. zum Bau einer Synagoge gespendet. Möchten doch die jüdischen Gemeinden in Ungarn die trefflichen Worte des vr. Hirschler in Pesch in dem am 6. Januar vorgetragenen Generalbericht beherzigen! „Es möge das hier gelehrte Beispiel (von Eintracht) in allen Schwestergemeinden je eher nachgeahmt und eine Eintracht überall erzielt werden, die sich für die Bekenner des mosaischen Glaubens vor allen andern ziemt, und ohne welche ein Fortschreiten, ein Gedeihen der israel. Cullurgemeinde nicht denkbar ist." Ad vocem vr. Hirschler heben wir noch aus dem Berichte hervor, daß