Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1863)
- Date
- 1863-02-17
- Page
- Seite 115 (sequence 7)
- Language
- German
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% 115 „Dr. Frankel ist die Gravirkunst gestattet), nämlich in „soweit sich dieselbe auf menschliche Figuren, auf Dar- „stellung der Sonne und des Mondes bezieht." — Im 2. Buch Moses, 31. Kapitel heißt es: „Und der „Ewige redete zu Mosche also: Siehe, ich habe mit Narren berufen: Bezalel, Sohn Uri, Sohnes Chur vom „Stamme Jehuda und habe ihn erfüllt mit dem Geiste „Gottes, an Kunst, Erfindung, Einsicht und an aller „Fertigkeit, Sinnreiches zu erfinden, zu arbeiten in Gold „und Silber und Kupfer :c.," — und im 1. Buch der Könige 7. Kap. 13. B.: „Und der König Schelomoh „sandte und ließ holen den Chiram aus Zor; Sohn „einer Wittwc aus dem Stamme Naftali war er und sein „Vater war ein Zori, ein Kupferschmied, und er war „voll von Kunst, Erfindung und Einsicht, zu arbeiten „alle Kunstwerke von Erz." — So werden die Künstler als mit göttlichem Geiste erfüllt in der heil. Schrift dargestellt. Freilich waren ihre Kunstleistungen größtentheils architektonischer Art und Gerätschaften, doch waren auch Blumen und Thiere, wie Löwen und Rinder, welche schon eine höhere Begabung beanspruchen, ihr Werk. 1. Buch der Könige 7. Kap. 29. V.: „Und an den Leisten waren Löwen, Rinder und „Cherubim und auf den Eckleisten ebenso oberhalb, auch „unterhalb Rinder und Löwen waren angelöthet, platirte „Arbeit." Dieses wäre aber ebensowohl Uebertretung des zweiten Gebotes, wie die menschliche Gestalt darzustellen, denn es heißt daselbst ja gleichfalls: „Du sollst Dir nicht machen irgend ein Abbild deß, was im Himmel oben und was auf Erden drunten, und was im Wasser und unter der Erde." Zn Aegypten wurden Thiere sowohl wie Blumen angebetet, besonders der Stier und die Kuh, aber auch viele andere, als zum Beispiel die Schlange, und dennoch ließ ja Moses selbst eine eherne Schlange in der Wüste anfertigen, durch deren Anblick die von Schlangen gebissenen Israeliten geheilt wurden. Die Aegyptcr trugen ein Amulet am Halse, welches auf der einen Seite den heilig gehaltenen Käfer darstellt, und auf der flachen Seite das Bild einer Gottheit ein geschnitten hat; es sind die sogenannten Scarabai, von denen noch viele ausbewahrt sind. Unter den Blumen waren es besonders der Lotos, die Palme, die Meerzwiebel und die Persea. — Bei Jecheskel 41. Kap. 18. V. heißt es nun: „Es „waren auch Cherubim und Palmen angebracht, eine „Palme zwischen zwei Cherubim; und zwei Gesichter hatte „ein Cherub: ein Menschengesicht nach der Palme aus „dieser und ein Löwengeficht nach der Palme auf jener „Seite, angebracht am ganzen Hause rings herum. Bon „der Erde bis oberhalb der Thüre waren Cherubim und „Palmen angebracht wie an der Wand des Heiligen." — Also konnten jedenfalls die jüdischen Bildhauer auch das menschliche Gesicht nachbilden, und mußten schon, bevor sie zu einem Prachtbau wie der Tempel, der das Staunen selbst eines Titus erregte, verwendet wurden, sich im Kunstfache ausgezeichnet haben, mußten also schon dergleichen Arbeiten vorher, wenn auch nur zur Uebung oder um zu lernen gemacht haben. Ganz besonders aber ist es auffallend, daß die befragten Rabbiner wegen der eingravirten Arbeit uneinig sind, die Malerei aber als nicht verboten gestatten wollen. — Demnach hätte der Touro-Monument-Verein, ohne gegen die israelitische Religion zu verstoßen, ein Gebäude aufführen und ein in Lebensgröße gemaltes Bild darin aushängen oder cs als Fresco an irgend eine äußere Mauer malen lassen können. Worin aber besteht in dieser Hinsicht der Unterschied zwischen der Sculptur und der Malerei? Während die Sculptur nur die Form wiedergiebt, giebt die Malerei die Form mit der Farbe, mit Beleuchtung und Perspective, so daß die Wirklichkeit auf letztere Weise scheinbar viel lebendiger wiedergegeben ist. Ware es zu Moses Zeilen Gebrauch gewesen gemalte Bilder anzubeten, so können wir ganz sicher annehmen, daß dieselben ebenso ausdrücklich verboten gewesen waren, wie es der Fall mit gehauenen Götzenbildern wurde, und möglicherweise wäre alsdann der Bildhauerei gar keine Erwähnung geschehen. Will man cousequeut sein, so muß man durchaus auch die Malerei verbieten; denn sie stellt das menschliche Gesicht, sowie in der Landschaft auch Sonne und Mond dar. Gemalte Heiligenbilder haben nur zu oft zu götzendienerischen Zwecken gedient; wenn man aber weiß, daß selbst das nur durch Linien dargestellte Kreuz ein Gegenstand der Anbetung sein kann, so dürfte man demzufolge selbst nicht die einfachsten Gerathschaften und auf keinerlei Weise darstellen. Daß aber die orthodoxen Herren hierin nicht consequent sind, ersieht man daraus, daß Portraits mancher alten ftommen Rabbiner existiren, und selbst der Bilderstürmer Benjamin hat sein Portrait seinem Werke Vordrucken lassen, welches er doch nur in der festen Ueberzeugung hat thun können, daß demselben keine göttliche Verehrung je könnte zu Theil werden. Rabbiner S. R. Hirsch sagt: „Es ist aber ferner ein religiöses Gesetz Israels, die Gebräuche Israels ge-