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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-17 · Heft 8 (17.2.1863) · p. Seite 114

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 8 (17.2.1863)
Date
1863-02-17
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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114 Standbild machen." Weshalb verschweigt aber der Verfasser den Anfang und den Schluß des Gebotes, welches lautet: „Du sollst keine fremde Götter haben vor mir; Du sollst Dir kein Götzenbild machen, noch irgend ein Abbild deß, was im Himmel droben und was auf Erden drunten, und was im Wasser und unter der Erde. Du sollst Dich nicht vor ihnen niederwerfeu und ihnen dienen; denn Ich u. s. w." — Aus dem ganzen Gebote geht deutlich hervor, daß die Bilder deshalb verboten sind, weil, und nur insofern, sie angebetet werden; es ist ein Verbot gegen den Götzendienst, welches durchaus streng gehalten werden mußte und zu allen Zeiten gehalten werden muß, da die israelitische Religion gerade die Lehre des Einzigen unsichtbaren Gottes aufstellt und entschieden den Götzendienst verbietet und verdammt. — Wenn nicht überall diese Begründung des Verbotes durch den Götzendienst in der heiligen Schrift deutlich ausgesprochen ist, so ist sie doch von selbst mit verstanden, da sie an dieser Hauptstelle angeführt ist. So bestand z. B. die Sünde mit dem goldenen Kalbe nicht darin, daß die Israeliten ein goldenes Kalb machten, sondern darin, daß sie ausriefen: „das sind deine Götter, Israel, die dich herausgeführet aus dem Lande Mizraim;" und sie opferten Gauzopfer und Freudenopfer rc. Ware das Bilden des Kalbes an und für sich sündhaft gewesen, wie hätte Salomon im Tempel die zwölf Rinder, welche das Meer trugen, aufstellen können? Ebenso waren ja daselbst Löwen, Rinder und Cherubim als Verzierungen aus Kupfer gearbeitet. — Herr Benjamin sagt nun ferner: „Nie haben unsere „Erzvater eine solche Huldigung empfangen; wurden un- „sere Propheten, Könige oder die Barden Israels durch „solch ein Zeichen geehrt, wie das ist, welches man dem „Andenken Juda Touro's errichten will? Man sage nicht „die Zeiten haben sich geändert, man wende nicht ein: „daß die Menschen, die in den Tagen Mosis, Josuas, „Davids, Salomos, Jesaias, der Chasmonäer lebten, we- „niger patriotisch dankbar waren als wir! nein, nein, ihr „Patriotismus war die wahre dankbare Vaterlandsliebe. „Sie vergossen ihr Blut zur Vertheidigung ihrer Volks- „thümlichkeit und würden nimmer zugegeben haben, daß „ein Monument, welches das menschliche Antlitz, das Eben- „bild Gottes*) trägt, errichtet werde." — *) Ist denn der Mensch Ebenbild Gottes durch fein Gesicht? Die Redact. Gewiß haben die Zeiten sich nicht in der hier angegebenen Richtung verändert, aber wohl haben sie sich bedeutend in so fern geändert, daß überall, wo die Juden unter civilisirten Völkern leben, der Götzendienst abgeschafft ist, Menschen nicht mehr göttlich verehrt werden, wie Alexander und mehrere römische Kaiser, und ein Götzendienst von den Juden selbst durchaus nicht zu befürchten ist. Es ist aber sehr begreiflich, daß in den Zeiten, wo Helden und sonst berühmte Männer vergöttert wurden und man mit ihren Statuen Götzendienst trieb, unsere Borältern nicht auf diese Weise gefeiert werden durften. Daß es aber nicht deshalb unterblieben, weil das menschliche Antlitz als Ebenbild Gottes darzustellen als Sünde angesehen ward, ersieht man ja daraus, daß die Cherubim auf der Bundeslade menschliche Gesichter hatten. Daß dieses nur im Allerheiligsteu sollte gestattet gewesen sein, ist durchaus nicht anzunehmen, denn, ist es eine Sünde das menschliche Gesicht darzustellen, ist das eine Uebertretung eines der zehn Gebote, wie könnte es dann im Allerheiligsten erlaubt gewesen sein? dann könnte man ebenso gut sagen, es sei dort erlaubt gewesen zu stehlen und zu morden! Die vier befragten Rabbiner Dr. Avler in London, Hirsch in Frankfurt a/M., Rappoport in Prag und Dr. Frankel in Breslau sprechen sich nun Alle ziemlich übereinstimmend gegen die Errichtung einer Statue überhaupt aus. Ich führe hier einiges aus den gedruckten Antworten an. Aus Dr. Avler's Gutachten, unter den Nebenfragen, welche für mich Hauptfragen sind. 1) „Es „ist Israeliten nicht verboten zu subscribiren oder thäti- „gen Antheil zu nehmen bei der Errichtung einer Statue „zu Ehren eines ausgezeichneten, verstorbenen oder lebenden Nicht-Israeliten; vorausgesetzt, daß dieselbe von „einem Nicht-Israeliten gegossen oder gemeißelt wird, und „daß es bekannt ist, daß die dadurch geehrte Person nicht „als ein Heiliger verehrt oder angebetet werden soll/' Dasselbe sagt in kürzerer Weise Dr. Frankel. — Mir ist es unbegreiflich, daß ich eine Sache, welche als Sünde oder Unrecht bettachtet wird, nicht direct thun darf aber indirect. Ich darf keine Statue meißeln oder gießen, aber ich darf dieselbe machen laffen, indem ich als Subscribent so viel von meinem Vermögen, wie es mir beliebt, daran wenden kann. 2) „Es ist einem Israeliten nicht erlaubt, sich der „Bildhauerkunst oder einem Gewerbe, bei welchem das „Unfertigen von geformten, gegossenen oder eingravirten „Bildern die Hauptbeschäftigung bildet, zu widmen (nach

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