Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1863)
- Date
- 1863-02-17
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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113 gebetet wird, zulassen will, wenn sie dagegen die Religionslehre, die Geschichte und Bibelkunde als die allein wesentlichen Lehrobjekte des jüdischen Religionsunterrichtes aufstellt, so müsien wir dies als ein einseitiges Vorgehen anerkennen, wobei wir uns auf die in Deutschland mit geringer Ausnahme herrschenden und betätigten Ansichten berufen. Die hebräische Sprache und das Studium unsrer heiligen Religionsurkunde in der Ursprache dürfen aus Israel niemals schwinden, sie sind integrirende Theile unsres religiösen Lebens, und wir können die religiöse Ausbildung eines jüdischen Mannes nur als mangelhaft ansehen, wenn er den ganzen katechetischen Religionsunterricht an den Fingern aufsagen kann, die heilige Schrift aber ein ihm gänzlich verschlosienes Buch ist. Die israelitische Religionslehre und die israelitische Geschichte sind ohne Kenntniß der Bibel im Urtext nur Pflanzen, deren Wurzeln nicht in fruchtbarer, bewässerter Dammerde sich befinden, und die daher bei allem Lichte und aller Luft der besten Nahrung entbehren. Die Religion beruht wie auf dem Verstände, so auch wesentlich in den gemüthlichen Tiefen der Seele; was sich zum klaren Bewußtsein hinauftankt, entspringt dennoch zumeist aus diesen Tiefen, die dem Auge nicht offen liegen. Das religiöse Bewußtsein des Juden zieht daher einen großen Theil seiner Kraft und seines wesentlichen Bestandes aus der seinem Geiste in der Jugend eingepflanzten Kenntniß der hebräischen Sprache oder vielmehr des hebräischen Bibeltextes, und ein Wort aus diesem übt einen stärkeren, überwindenderen Eindruck auf ihn, als viele Sprüche in der Uebersetzung. So sehr wir daher dem katechetischen Religionsunterrichte, besonders dem umfänglichen und eindringlichen Confirmandenunterrichte, der biblischen und israelitischen Geschichte und der Bibelkunde, sowie der Liturgik und der Landeskunde von Palästina als dem Hauptmoment des jüdischen Religionsunterrichtes den gebührenden Platz eingeräumt haben wollen, so muß doch dem grammatikalischen Unterrichte der hebräischen Sprache und dem Unterrichte im Urtexte der heiligen Schrift ein genügendes, umfaffendes Recht geschehen. Wird doch durch die grammatikalische Erlernung des Hebräischen auch eine nicht zu unterschätzende bildende Wirkung auf die Kinder der Volksmrffe, welche sonst ohne irgend einen Sprachunterricht bleiben, geübt. Allerdings muß man, je größer hierdurch der zu überwältigende Lehrstoff wird, um so mehr auf eine methodische Entwickelung des gesammten Unterrichtes denken und eine stufenmäßige Steigerung Herstellen. Es wird sich hier empfehlen, im zarteren Alter zunächst mit der biblischen Geschichte und dem Hebräisch- Lesen zu beginnen, einerseits dann mit dem katechetischen Religionsunterricht, der jedoch mit dem Lesen paffender Bibelstücke in der Uebersetzung verbunden sein muß, andererseits mit den Anfangsgründen der Grammatik und dem Erlernen am häufigsten vorkommender Vokabeln fortzufahren, und hierauf die ausführliche israelitische Geschichte, die systematische Religionslehre sowie das Bibel- und Gebetübersetzen folgen zu lassen. Dies ist unsere Ansicht über die vorliegende Frage, und halten wir uns überzeugt, daß in dieser organischen Verbindung sowohl theoretisch als nach den factischen Verhältnissen die Lösung derselben enthalten ist. Aus Schweden. Gothenburg, im Januar. Wie verhält sich das Zudenthum?ur bildenden. Lunst? Im ersten Theile des „Drei Jahre in Amerika von I. I. Benjamin II. Hannover 1862," theilt der Verfasser uns seinen Protest gegen das Touro-Monument, die Anftage des Touro-Monument-Vereins an vier bedeutende Rabbiner und deren Antworten mit. Es kann uns im Ganzen gleichgültig sein, ob einer unserer Glaubensgenossen im Amerika aus diese Weise (durch Errichtung eines Standbildes) geehrt wird oder nicht; aber die Antworten der Rabbiner haben für uns um so viel mehr Bedeutung, und wundert es mich, daß bis jetzt von keiner Seite sich Stimmen gegen die darin vorkommendeu Aeußerungen erhoben haben. Für mich, ich gestehe es, ist es eine Lebensftage, denn ich bin bildender Künstler und wähnte Gott gefällig in meinem Berufe und wo möglich zur Ehre und nicht zur Schande und zum Verderben meiner Mitbrüder wirken zu können. Ich erlaube mir daher Einiges hier anzuführen, wodurch ich deu Stand des jüdischen Künstlers als berechtigt ansehe, in der Hoffnung, tüchtigere und angesehenere Männer möchten sich aufgefordert fühlen, in einer so wichtigen Sache keine stummen Zuschauer zu verbleiben. Herr Benjamin sagt in seinem Proteste, es sei eine offenbare Verletzung der zehn Gebote, ein Standbild zu errichten, und citirt die Worte: „Du sollst Dir kein