Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-17 · Heft 8 (17.2.1863) · p. Seite 112

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 8 (17.2.1863)
Date
1863-02-17
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226364-3226373--21014-3300880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

112 heit und dem Streite die Wahrheit hervorgehen müsse, und da das Ziel des Rapports und der Maatschappy kein anderes sei, als die Wahrheit, das Heil und das Gute für die Israeliten in den Niederlanden an den Tag zu fördern. — So weit der wesentliche Inhalt des Rapports, ohne jede subjective Zuthat. Nun noch ein Wort über die Erlebnisse des Rapports. Man hat ihn nicht überall in den Niederlanden mit einem freundlichen «2N “jv-a begrüßt. Zn den Versammlungen mancher Zweigabtheilung der Maatschappy haben sich Stimmen vernehmen lassen gegen jede Discussion des Rapports. Es fehlte nicht an Verdächtigungen der Maatschappy, als sei dieselbe entschieden feindselig der hebräischen Sprache und dem Judenthume im Allgemeinen gesinnt. Auch die Kanzel wurde zu derartigen Auslassungen benutzt (wie ich aus guter Quelle vernommen). Der Kampf der Meinungen dauert noch fort, wobei nur zu bemerken, daß die Eiferer gegen den Rap» port nicht etwa Motive gegen denselben Vorbringen. Gott bewahre! darauf sich einzulassen lieben oder wissen die Herren nicht. „Non possumus“ (zu jüdisch-deutsch: „wir haben kein £«!?'), die liebe, alte Gewohnheit und der greise Schlendrian ist ja so bequem," das ist aus allen den Jeremiaden herauszuhören, die gegen den Rapport angestimmt werde». Keine verständige Kritik, keine Begründung bestimmt ausgesprochener, abweichender Meinungen. Nur vereinzelt läßt einmal auch eine solche Stimme sich vernehmen; aber leider nur vereinzelt! — Die Zukunft muß es lehren, wie diese hochbedeutsame Frage des Religionsunterrichts und seiner Reorganisation ihre Erledigung hier finden soll. Die Maatschappy hat freilich die im Rapport bezeichneten Wege zur Verbesserung in der Generalversammlung, Ende v. I. zu Amsterdam gehalten, als die geeignetsten anerkannt, die zu dem vorgesteckten Ziele führen könnten. Indessen ist hiermit nur die Theorie vorhanden. Wie die Praxis sich gestalten wird? — Adhuc sub judice lis est! Gutachtliche Bemerkungen des Herausgebers dieser Zeitung. Wir können es dem geschätzten Einsender des vorhergehenden Artikels nur Dank wissen, daß er uns über den in Holland jetzt obwaltenden Streit, von welchem bereits sehr verschiedene Stimmen herübergeklungen, eia klares Bild entwirft. Nicht minder halten wir es für unsere Pflicht, den mehrfachen Aufforderungen, uns gutachtlich zu äußern, in aller Kürze zu genügen. Allerdings ist es rühmend anzuerkennen, wenn sich Männer aus allen Ständen erheben, um veralteten Mißbräuchen und Uebelständen kräftig entgegenzutreten. Begegnen sie hierbei mannigfaltigen Angriffen und Verketzerungen, so darf dies sie ebensowenig verletzen, wie entmuthigen. Es wird dadurch nur der Beweis geführt, wie nothwendig und zeitgemäß ihr Unternehmen ist. Aber diese feindlichen Angriffe der Zeloten und Dunkelmänner dürfen andererseits die Augen vor den Schwächen des entworfenen Planes nicht verschließen, und, indem wir, da uns der besprochene Rapport in seinem Wortlaute nicht zugekommen, den vorhergehenden Bericht unsrer Beurtheilung zu Grunde legen, können wir nicht verhehlen, daß wir mit den darin ausgesprochenen Ansichten nur theilweise einverstanden sind, und bemerken nur noch im Voraus, daß sich hier wiederum die geschichtliche Erscheinung wiederholt, daß einem Extrem das andere entgegentritt, wodurch (nach der bekannten Ansicht des Maimonides) die rechte und gesunde Mitte mit der Zeit erreicht wird. Der Rapport hat eine negative und eine positive Seite. Die negative ist auf die Bekämpfung des bisherigen Religionsunterrichts gerichtet, welcher lediglich in einem mechanischen, geisttödteuden Unterrichte im Hebräischen besteht, dessen Zweck und Erfolg ein verfehlter ist. Der viel zu frühzeitige Anfang im hebräischen Unterrichte, der dem Kinde nur Widerwillen, kein dauerndes Gefallen einflößt, der Mangel an wirklichem Unterricht in der hebräischen Grammatik, welcher jede gründliche Kenntniß und jeden bleibenden Erfolg ermangeln läßt, der Unterricht im Raschicommentar, über dessen Verwendung zum Lehrobjekt im kindlichen Alter der große Verfasser selbst sicher sich entsetzt hätte, sind Uebelstände, deren Beseitigung der Maatschappy zur Ehre und zu hohem Verdienste gereichen würde. Und wenn sie dann mit gleicher Energie den Mangel an jedem Unterrichte in der eigentlichen Religions- und Sittenlehre, in der israelitischen Geschichte und in der Bibelkunde bekämpft, so steht sie in ihrem vollen Rechte und handelt mit völliger Einsicht. Ungenügend dagegen erscheint uns die positive Seite ihres Rapports. Wenn sie den hebräischen Unterricht auf das Lesen und Gebetübersetzen beschränkt wissen und auch dies nur aus einem zeitweiligen (?!) Nothwendigkeitsgrunde, weil in der Synagoge Hebräisch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.