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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-10 · Heft 7 (10.2.1863) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 7 (10.2.1863)
Date
1863-02-10
Page
Seite 103 (sequence 11)
Language
German
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103 (Kerker) geworfen zu werden. Hätten nicht einige Ehrenmänner in Jassy, die davon telegraphisch benachrichtigt wurden, diesem schändlichen Vorhaben entgegen gewirkt, und den Rabbiner mittelst höherem Bescheide von seinen Fesseln befreiet, so wäre sicherlich der Arme seinem traurigen Schicksale anheim gefallen, und hätte lange Zeit im Gefängnisse schmachten müssen. Leider bietet sich auch wenig Aussicht dar, um aus diesem argen Zustande herauszukommen, denn wer soll dem Uebel entgegensteuern? Der kleine vorhandene Bruchtheil von Intelligenz ist zu sehr vom „Geldgeschäfte" in Anspruch genommen, um noch Muße zu haben für das allgemeine Wohl zu wirken, und die weit überwiegende Masse ist ja dem unheilstiftenden Chassidismus ergeben, und eine Beute der Wunderrabbis, in deren Bortheil es liegt, jeden Keim zu einem besseren, edleren Sinn frühzeitig zu ersticken, besonders jede Regung zur Gründung ordentlicher Schulen, in welchen sie Gefahr wittern, zu unterdrücken, um für sie desto mehr die Geldsäckel weit zu öffnen. Ja, diese Epiroen begnügen sich heut zu Tage nicht mehr wie ehemals mit wenigen Gaben, um das Leben nur zu fristen, nein! jetzt muß auch der Großmeister Schlösier, mit verschwenderischem Luxus geschmückte Säle, Lustgätten, theuerstes Geschmeide, ja auch Marställe und, wo es angeht, auch — Güter haben. Das ist jetzt der Nimbus, mit welchem sich diese Geisterbändiger zu umgeben verstehen. Nicht leicht darf ein jeder in deren allerheiligste Gemächer gelangen, der Eintritt muß erst extra von den Gabaim «Kammerdienern), die an den Thüren Wache halten, mit schwerem Gelde erkauft werden, und nur mehr Eingeweiheten, — d. h. solchen, die ihr Geld in großen Bettägen den Heiligen zukommen lassen, — wird es gegönnt, auch das Pferdchen zu sehen, auf welchem der junge Sprößling des Großlama, in welchen die Chnokis*) träumend *) Das sind solche, die Frau und Kinder zu Hause verlassen und Monate lang bei den Rabbis beständig mit Orgien und Gelagen zubringen und die albersten Wundermärchen verbreiten. Daß sich aber auch manches lustige Geschichtchen bei den Rabbis wirklich ereignet, mag der liebe Leser aus folgender wahren Begebenheit entnehmen. Bei dem Heiligen zu H.... treffen zu N2w viele aus seiner frommen Herde ein. Bei Tische zu Mittag sprach der Rabbi zuviel dem rothen Rebensaft zu, und das alte Wunder erneuerte sich, die gewesene rothe Flasche wurde weiß, der blaßgewesene Rabbi hinden künfttgen nnnn b>y 221^1 -cs? erblicken, seine Reitübungen a la Renz vornimmt. So sehen wir wieder auch hier, wie schon der ges. Abraham Kohn es einst bemerkte, das Volk um das goldene Kalb, welches sie aus ihrem Schmucke gemacht haben, tanzen und sich wundern, daß es so glänzt. — Aber bei allem Geldzuflusse, das den Rabbis in ihren Wohnorten von den ankommenden hilfesuchenden Gläubigen gespendet wird, bleibt doch noch ihre Habgier unbefriedigt. Der Heilige braucht Geld, viel Geld, sein Söhnchen hat schon bereits das 13., sage dreizehnte Jahr erreicht und ist noch nicht verheirathet, er selbst muß wegen augenblicklicher Krankheit jeden Sommer sich durch den Besuch eines Bades stärken, es muß daher wieder noch mehr Geld geschafft werden! Er sendet Boten an alle Orte aus, um dieser erheuchelten Geldnoth abzuhelfen, kein einziges Städtchen bleibt verschont, und entspricht die heimgebrachte Collecte den Erwartungen nicht, so nimmt dann seine Heiligkeit selbst eine Rundreise vor, und wird dann eine förmliche Contribution dem Orte, welcher von seiner Gegenwart beglückt wird, auferlegt, bei der auch der Arme mit der Abgabe des •s-npn bp® heimgesucht wird, und dieses ausgefoppte -2O- -32 Geld soll dann zu Geschmeideeinkäufen für die Rebizin (Gattin) dienen! — Mit solcher Blindheit ist hier die Masse geschlagen. Zur Unterstützung der das Judenthum kräftigenden Anstalten, wie z. B. für das Institut zur F. d. isr. Literatur, für die man ariri: will sie nicht das Mindeste beitragen, hingegen sperrt sie in ihrem Wahne ihre Kasse aus für jeden Betrüger, der ihnen das Geld herausgaukelt. gegen feuerroth. Der pfiffige Gabr bemerkte gleich aus den Gestikulationen und Augenverdrehungen seines Obern, daß es bei ihm nicht ganz richtig sei. Einen Skandal, der den Rabbi compromittiren könne, befürchtend, griff er zur List. Er ging hinaus, kehrte schnell zurück, lies eilends zum Heiligen, meldete ihm, daß ein Mann, dessen Frau eine ib'ib n*ap73 sei, auf ihn in seinem Gemache warte, um dringende Hülse zu erlangen, nahm ihn darauf bei der Hand und führte ihn in's Gemach. Während die dem Tisch umgebenden Chnokis sich einander zuraumten, daß sie überzeugt sind, daß der p-ns: bei Tische 7172-23 rrn'rr oder mit dem kabalistischen Ausdrucke r^par^rr sm-o Nrrn gehabt, kämpfte der Arme mit seiner zu harten Natur, welche ihm vas Erbrechen erschwerte, und siehe der Rabbi selbst war ein -ib-'b ricpa, und mußte sich wie ein Wurm winden, bis er endlich von diesem übermäßigen Genüsse befteiet wurde.

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