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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-10 · Heft 7 (10.2.1863) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 7 (10.2.1863)
Date
1863-02-10
Page
Seite 102 (sequence 10)
Language
German
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102 Frankreich. Paris, 22. Januar. Die schönen Anstrengungen, welche die englischen Juden zu Gunsten der nothleidenden Arbeiter gemacht, haben auch in Frankreich Wiederhall gefunden, wo ein gleicher Nothstand dringend Hülfeleistung erfordert. Unter Andrem haben Emil und Jsaac Pereire für diesen Zweck 20,000 Frcs. der Regierung zur Verfügung gestellt. Das israelitische Confistorium hat den Arbeitern der Seine-Jnferieure 2195 Frcs. zugewandt. Italien. Aus Oberitalien, 16. Januar. (Privatmitth.) Zur Ergänzung der Mittheilung, die ich Ihnen am 1. l. M. bezüglich der Trauerfeierlichkeiten gemacht habe, welche die hierländischen Israeliten nach dem Ableben des Marchese Roberto d'Azezlio veranstaltet haben, habe ich noch zu bemerken, daß die Gemeinde von Turin beim Leichenbegängnisse desselben durch eine eigene Deputation vertreten war. Professor Samuel David Luzzatto hat vor einigen Monaten seine Moral-Theologie, welche den Zöglingen des Rabbiner-Collegiums von Padua vorgetragen wird, der Oeffentlichkeit übergeben. Das Werk zeichnet sich durch Schärfe, gebundene Kürze und eigenthümliche Auffassung der dem Menschen innewohnenden Seelenthatigkeiten aus. Die dogmatische Theologie desselben Gelehrten wird in der Monatsschrift Corriere Israelita zu Triest veröffentlicht. — Herr Emilio Ditta von Casale unterstützt auch diesen Winter die Armen dieser Stadt mit wahrhaft fürstlicher Freigebigkeit. — Donausürstenthümer. Aus der Moldau, im Januar. lPrivatmitth.) Eine bittere Enttäuschung von allen den Hoffnungen, die zur Zeit in uns wach gerufen wurden, als der humane Minister Kogulnizany die innere Leitung der Donau-Fürstenthümer übernahm und sich mit wahrem Edelmuthe Mühe gab, wie mehrere Erlässe unter seiner Verwaltung es deutlich bezeugen, die Lage unserer Glaubensbrüder zu heben und zu verbessern, tritt von Tage zu Tage immer stärker hervor. Denn gleich mit seiner Abdicirung hat sich das Blatt für uns zum Nachtheil umgewendet, der wieder erwachte intolerante Geist hat sich bald darauf mit dem berüchtigten Erlaffe, zur Vertreibung der Juden vom flachen Lande in der Walachei, der aber Gottlob nicht zur Ausführung kam, angekündigt, und bewährte sich fort und fort auf die bedauerlichste Art. Während beinahe alle europäischen Staaten das an den Israeliten begangene Unrecht sühnen und ihnen bürgerliche und politische Rechte einräumen, ja! während auch das bis jetzt so arg verschrieene Rußland durch die Milde des großen Alexander mit verbessernden Reformen vorgeht und die väterliche Huld des glorreichen humanen Kaisers auch den Israeliten immer mehr Rechte gewährt, darf hier der Israelit, trotz der ihm obliegenden Erfüllung der gleichen Pflichten, ein Gut auf eigenen Namen nicht einmal in Pachtung nehmen, ist ihm sogar, wo es sich blos um die Wahl eines kleinen Stadtrichters handelt, das active Wahlricht entzogen, und ist er zuweilen von Seiten der Justiz den fürchterlichsten Mißhandlungen ausgesetzt, so daß ein Ausländer von einem andern europäischen Staate sich nach Kurdistan, MaroRo oder nach einem andern nach demselben Muster regierten Staate versetzt glaubt. Freilich trägt die innere Gemeindezerrüttung der sich schroff gegenüberstehenden Parteien nicht wenig zum eigenen Schaden nach Innen wie nach Außen bei. So sehen wir mit größtem Bedauern, daß die bereits musterhaft organisirten israel. Schulen zu Jassy und Galatz vermöge eines neulichen Regierungserlaffes ein Opfer der Parteien werden und ihrer Auflösung entgegengehen. Viel eher als ein intelligenter Mann vermag vermöge der herrschenden Uneinigkeit ein roher bornirter Schneider oder Schuster bei der Behörde eine Sache, wie verwerflich dieselbe auch sein möge, durchzusetzen, wenn er nur die Gunst eines Bojaren besitzt. Ein neulicher Vorfall in Burlad konstatire die Wahrheit zur Genüge. Der dortige alte ehrwürdige Rabbiner hielt in guter seelsorgerlicher Absicht einem dortigen Schneider ein von demselben begangenes Unrecht vor. Allein dieses brachte bei ihm die entgegengesetzte Wirkung hervor. Statt das begangene Unrecht zu bereuen, beschloß er an dem Rabbiner Rache zu üben, war er ja doch ein Günstling des dortigen Machthabers, mehr bedurfte es nicht. Er ging zum Präfekten und verleumdete jenen, worauf dieser den Rabbiner am Sabbath in Eisen legte und nach Jassy transportiren ließ, um dort ins Groß

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