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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-10 · Heft 7 (10.2.1863) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 7 (10.2.1863)
Date
1863-02-10
Page
Seite 100 (sequence 8)
Language
German
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100 Aufsehen erregt hier die Entführung eines 12jährigen Mädchens von Herdorf durch Römische Priester. Dessen Aeltern waren im vorigen Jahre aus der katholischen Kirche zur evangelischen übergetreten. Nach vergeblich angewandter List, die Familie wieder zurück zu führen, schritt man zu solcher Gewaltthätigkeit, um der Kinder noch habhaft zu werden. Wo das entführte Kind untergebracht worden ist, ist bis jetzt noch unbekannt. Man hat nach höchst betrübenden Lorgängen in hiesigem Kreise nicht das Vertrauen, daß energische Schritte zur Auffindung des Kindes gethan werden. (Wir führen dies hier an, um abermals den Beweis zu liefern, daß jede Gewaltsamkeit aus religiösen Gründen niemals eine Confession allein trifft, sondern gleicher Weise sich gegen alle richtet, daß also das Jntereffe Aller ist, sie aus der Welt zu schaffen. Red. d. A. Z. d. Jud.) Bielefeld, Ende Januar. (Privatmitth.) Wie die in No. 3 und 4 d. Z. abgedruckte Correspondenz, so haben auch viele Mitglieder des Lehrervereins selbst anerkannt, daß der Artikel des Herrn Ober-Rabbiner Cahn in Trier manches Wahre und Richtige enthält, und muß um so mehr bedauert werden, daß Herr Ober-Rabbiner Cahn der an ihn Seitens des Unterzeichneten Vorstandes ergangenen Einladung zur Theilnahme an der Conserenz, in welcher die Petition berachen wurde, nicht Folge gegeben, wodurch es uns unmöglich wurde, seine Ansichten kennen zu lernen und zu benutzen. Ein so reges Interesse seitens des Herrn Ober-Rabbiners, wie es sich in dem angegebenen Artikel kund giebt, konnten wir übrigens um so weniger voraussetzen, da wir auf unsere Einladung uns nicht einmal einer Antwort zu erstellen hatten. Das Princip unserer Petition ist in richtiger Würdigung in dem Artikel „Aus Westphalen" vertreten worden, und steut es uns, in Bezug auf die am Schluffe angedeuteten Mängel in der Denkschrift mitcheilen zu können, daß dieselben auch von uns bereits erkannt und in einer Vorstands-Conferenz beschlossen worden ist, die fehlenden statistischen Notizen nachträglich zu beschaffen, so daß wir hoffen dürfen, ein reiches Ergänzungs-Material recht bald dem Hause der Abgeordneten vorlegen zu können. Der Vorstand des Vereins israel. Elementarlehrer für Westphalen und Rheinprovinz. Neuenburg a. Weichsel, 20. Januar. (Privatmitth.) Vor etwa 3 Wochen wurde in Tuchel, wenige Meilen von hier, ein junges christliches Mädchen Jüdin. Die dabei vorgekommenen Umstände haben einen fast romantischen Anstrich. Das junge Mädchen ist nämlich die Tochter eines nicht unvermögenden Besitzers und hat sich schon seit langer Zeit mit dem Gedanken vertraut gemacht, zur mosaischen Religion überzutreten. Aus diesem Grunde wurde sie von ihren Eltern verstoßen und ging, vollständig von Mitteln entblößt, nach Graudenz. Dort lernte sie einen Gehülfen eines Herrengarderobengeschäfts kennen, mit welchem sie bald in ein innigeres Verhältniß trat. — Der junge Mann ist Jude, war jedoch bis vor einer Reihe von Jahren Christ; ein solcher wurde er aber in seiner Kindheit, in welcher er Jude gewesen war. — Dieser machte nun in dem jungen Mädchen den Gedanken Jüdin zu werden, fest, zumal er einen eigenen Heerd sich gründen wollte. Er unterstützte sie sehr mit seinen Mitteln, beschenkte sie auch mit Kostbarkeiten. Bor einigen Wochen reiste die junge Proselitin mit ihrem Bräutigam nach Tuchel zum dortigen Rabbiner Herrn Horwitz, um ihren Glaubensübertritt zu ermöglichen. Dieser wurde ihr den Gesetzen gemäß außerordentlich erschwert. Schließlich wurde sie gestagt, ob sie nur darauf hin, daß der junge Mann sie heirathen wolle, Jüdin würde. Auf diese Frage hin nahm sie alle Kostbarkeiten, die sie von ihrem Bräutigam geschenkt bekommen, ab von sich, gab sie diesem zurück und sagte: sie wolle auch dann, wenn der junge Mann sie verlassen würde, ihrem gefaßten Entschluffe treu bleiben! — Alle Anwesenden, so wie die, die dies später erfuhren, waren von dieser Glaubensstärke entzückt und überhäuften die nunmehrige Jüdin und Gattin des jungen Mannes mit Segenswünschen. Der Fall erregte um so größeres Aussehen, als vor etwa 5 Monaten eine Jüdin dem Glauben ihrer Väter entsagt hatte und Christin geworden war. Cottbus, 22. Januar. (Privatmitth.) Unsere Singakademie, bisher der Sitz der reinsten Harmonie, ist leider in letzter Zett der Schauplatz eigenchümlicher und bedauerlicher Disharmonieen geworden, welche durch folgende Vorgänge hervorgerufen wurden. Der Herr Emil Breslaur, Religionslehrer und Chorleüer an hiesiger jüdischer Gemeinde, und lang-

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