Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1863)
- Date
- 1863-02-10
- Page
- Seite 99 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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SS ohne sich zu überstürzen, es ist durchaus praktisch, giebt Winke und Lehrstoff als Muster zur Behandlung. Der Geist ist ein echt humaner, fromm, aber nicht fanatisch, religiös, ohne streng confessiouell zu sein. Die Sprache ist kernig, kräftig, man erkennt aus ihr den biedern Schwaben. Das Buch sucht die Mitte zu halten zwischen einem magern Leitfaden und zwischen einem umfassenden Handbuch, und es ist dem Verfasser, so weit uns die zwei ersten Lieferungen zu einem Urtheile berechtigen, gelungen, die richtige Mitte zu treffen. Wir werden, wenn das Buch vollendet ist, auf dasselbe zurückkommen. — Von Rabbiner Weimanu in Buchau ist erschienen: „Meine Zeit steht in deiner Hand. Predigt zum 81. Geburtsfeste des Königs Wilhelm von Würtemberg am Sabbathe der Buße." Diese Casualrede ist mit der Bedeutung des betreffenden Sabbaths schön verwoben, Thema und Disposition erschöpfend ausgeführt und die Charakterschilderung des edlen Fürsten wahrheitsgetreu gegeben. Wir führen nur die Worte an: „Gab er uus nicht langst ein Erziehungsgesetz zu unserer wahrhaften Beglückung? Suchte er uns nicht herauzubilden zu nützlichen Bürgern des Staates? Oeffnete er nicht Israel alle Bahnen des Ruhmes und der Wissenschaften? Ließ er nicht Kirchen- und Schulwesen uns orbueu und selbst Israels Jünglinge aus eigenen Mitteln unterstützen? — Trocknete nicht er die Thranen von Israels Waisen durch Errichtung jener musterhafte» Anstalt, die seinen Namen tragt? Wurde er nicht dadurch ein Vater der Waisen und ein Annehmer der Wittweu? Er war es, der es nicht verschmähte, in eigener Person der Einweihung unseres Gotteshauses anzuwohnen und huldvoll dessen Bau zu befördern! Begnadigte er nicht erst am jüngsten Landtage uns tmtt der Ertheilung voller Staatsbürgerrechte." Wir geben diese Schilderung wörtlich, weil es geschichtliche Thatsachen sind, die in diesen Spalten, als der Quelle der einstigen Geschichtsschreibung, verdienen aufbewahrt zu werden. — Alexander Elsäßer. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Itzehoe, 25. Januar. Unter den, den holsteinischen Ständen zugegangenen Vorlagen befindet sich ein Gesetzentwurf über die bürgerliche Gleichstellung der Juden, der indessen die Beschränkungen hinsichtlich ihrer Wählbarkeit zu Abgeordneten nicht aufhebt. Aus Bayern, im Januar. Aus einer deutschen Universitätsstadt erhält der „K. v. u. f. D." folgende Zuschrift: „Ein in ihrem Blatte kürzlich erschienener Artikel über die Anstellung oder vielmehr Nichtanstellung des Dr. Herz in Erlangen hat auch in hiesigen Kreisen Aufmerksamkeit erregt und zu mancherlei Randbemerkungen Anlaß gegeben, die ich, da ich an ein Bayrisches Blatt schreibe, übergehe. Dagegen will ich Ihnen als thatsächlichen Beitrag zur Beleuchtung dieser Frage über die an deutschen Hochschulen gegenwärtig lebenden Professoren jüdischerConfession einige statistische Notizen mittheilen, die nicht auf Vollständigkeit, aber in dem, was sie geben, auf Genauigkeit Anspruch machen. Es sind angestellt und dociren in Wien: Zeisl, als Extraordinarius in der medicinischen Facultät; in Prag: Wessely, als Ordinarius in der Juristenfacultät; in Berlin: Traube, Ordinarius in der medicinischen Facultät und Abtheilungsvorstand an der Charite; Remak, Extraordinarius der medicinischen Facultät; Jaffe, Extraordinarius der Geschichte (als vierter ist in Berlin soeben der ausgezeichnete Sprachforscher Dr. Steinthal hinzu gekommen, welcher — unter dem feudalen Ministerium — zum außerordentlichen Professor in der phllosophischen Facultät ernannt worden ist); in Breslau: Kohn, Extraordinarius in der Botanik; in Tübingen: Pfeiffer, Extraordinarius in der Juristenfacultät; in Göttingen: Stern, Ordinarius der Mathematik; in Heidelberg: Weil, Ordinarius in der philosophischen Facultät. Wie Sie sehen, sind in diesem Verzeichnisse sämmtliche größere deutschen Staaten vertreten, mit Ausnahme Sachsens, wo bekanntlich sehr wenige Juden leben, und Bayerns, des jungfräulichen Krystallisationskerns." (Diese Aufzählung ist nicht genau; wir haben in Wien den Prof. Dr. Goldenthal, in Prag Prof. L)r- Kämpf, in Königsberg Prof. Dr. Saalschütz als Lehrer der Orientalia aufzuführen, sowie Dr. Rieß in Berlin als Mitglied der Akademie der Wissenschaften, das Recht Vorlesungen zu hallen besitzt. Red. d. A. Z. d. Jud.) Preußen. AuS -er Rheiuproviuz, im Januar. Aus Daaden berichtet die „Elberf. Ztg.": Das größte