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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-10 · Heft 7 (10.2.1863) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 7 (10.2.1863)
Date
1863-02-10
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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98 das Volk von Louise Pichler. Die Verfasserin ist eine glückliche Rivalin von Ottilie Wildermuth; während diese ihre Stoffe aus dem Dorfe und der Familie entlehnt, nimmt jene ihre Sujets aus der Geschichte der Vorzeit und schürzt die Ereignisse zum historischen Roman, zur lieblichen Novelle und zur spannenden Erzählung für die Jugend und das Volk. Konrad der Schöppe ist Waffenschmied und Rathshecr in der Reichsstadt Eßlingen, die in Fehde mit dem Grafen von Würtemberg liegt, der zum Kaiser Ludwig dem Baier halt, wahrend die Städte dessen Gegner Karl von Böhmen unterstützen. Ein Jude, der alte Simon, bringt dem Grafen von Würtemberg auf Anstiften des Altgesellen Burkhard Kunde von dem Kriegsunternehmen der Eßlinger und dem Anzuge der Reisigen aus Böhmen, und der Graf, zeitig gewarnt, schlagt seine und des Kaisers Feinde in einem blutigen Treffen. Burkhard der Altgeselle wälzt die Schuld des Verraths auf Friederich, des Schöppen einzigen Sohn, und weiß ihn zu bethören, daß er das väterliche Haus heimlich verläßt, so daß der Verräther schon in dem Gedanken schwelgt, das reiche Erbe des Schöppen an sich zu bringen. Ester aber, die Enkeltochter des alten Simon, die von der Mutter Fried erich's Wohlthaten empfangen, sucht aus Dankbarkeit den Verrath zu entlarven. Die Judenverfolgungen zu Eßlingen und Ulm sind in die Erzählung verwoben. Burkhard der Altgeselle wird Anführer der Geißler und wüthet gegen die Juden. Ester und Simon, ihr Großvater, gehen tragisch unter, aber Konrad der Schöppe und sein Sohn stehen auf der Seite des Rechts für die Juden, obschon sie nicht hindern können, daß diese sich in ihrer Synagoge dem Flammentode preisgeben; aber ein brennender Balken aus der zusammenstürzenden Synagoge erschlägt den Burkhard, der die Judenverfolgung angestiftet. — Die Erzählung, die nur wenige Groschen kostet, ist eine schöne Gabe und der jüdischen Jugend wohl zu empfehlen. — Von unserem Altmeister Simon Krämer ist im Verlage von Gusdorfer in Fürth wieder ein Bändchen „Israelitischer Erzählungen" erschienen. Die drei Geschichten sind betitelt: 1) der Hofjude oder: „Auch dies zum Guten." 2) die Wimpel, eine Doppelgeschichte, und 3) Jahrzeit und Pasuk (Lebensvers). Die Erzählungen haben den ethischen Zweck, schöne altjüdische Sitten im Dolksbewußtsein aufzufrifchen und zu erhalten, was auch dem Verfasser in so weit gelungen ist, als seine früheren Schriften bei der Jugend und dem Volke wohl gelitten sind. Auch diese sind frisch und lebendig erzählt; wir hatte« nur gewünscht, daß sie weniger im jüdischen Genre gehalten wären und hätten den Meschumet in der ersten Erzählung lieber weggewünscht. — Dagegen ist: „die Wimp e l, eine Doppelgeschichte", auf historischem Hintergründe schön erfunden und die Verwickelung hübsch ausgeführt. In der dritten Erzählung: „Jrhrzeit und Lebensvers" bilden diese beiden jüdischen Sitten die Basis des Ganzen, auf der sich der Gang der Ereignisse abwickelt. Das Büchlein wird in jeder jüdischen Familie willkommen sein und eignet sich besonders als Preis für fleißige israelitische Schüler*). Im Selbstverläge der Kinderheilansialt in Ludwigsburg ist erschienen: Das Reich Gottes. Sein Gang durch die Zeit. Sein Stand in der Gegenwart, bettachtet im Lichte der Weissagung. Von K. Theurer, Pfarrer. Das Buch giebt eine Geschichte des Reiches Gottes von der Zeit der ungehemmten Gottesherrschaft im Paradies bis auf unsere Tage, vom Standpunkte des orthodoxen Christenthums. Der Verfasser laßt alle Zeiten und Völker Revue pafsiren und übt scharfe Kritik. Das heutige Judenthum fertigt er scharf in dem Abschnitte, das Judenthum in seinem Gegensatz gegen das Christenthum, ab. Der Verfasser kennt die neue jüdische Tagesliteratur. Nachdem er sich polemisch gegen diese und besonders auch gegen Stern wegen seiner geschichtlichen Vorträge gewendet, schließt er damit, den Rabbinen vo. Philippson zu rühme», weil er eine jüdische Bibelanstalt gegründet hat.**) — Die israelitischen Lehrer möchte ich auf das „Lehrbuch der praktischen Methodik nebst soustigen Winken zur Amtsführung und Lehrerbildung für Schulamts zöglinge, Schullehrer und Schulaufseher von Georg Luz" aufmerksam machen. Das Werk erscheint in 4 Lieferungen zu 2 Banden, Wiesensteig, Schmid. Der Verfasser war lange Seminar- Lehrer in Eßlingen und ist als fruchtbarer Schriftsteller für pädagogische Zeitschriften bekannt. Das Lehrbuch huldigt dem zeitgemäßen Fortschritt des Volksschulwesens, *) Wie wir immer die Erzählungen Kramer's empfahlen, halten wir auch diese kleine Sammlung für geeignet, der jüdischen Jugend eine nützliche und angenehme Lektüre zu verschaffen. Die Redaction. **) Unsre Leser wissen, daß die christlichen Pietisten gegen nichts so sehr eifern, wie gegen jedes Stteben nach Klärung detz Judenthums und nach Bildung der jüdische« Masse. Die Redactiou.

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