Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 6 (3.2.1863)
- Date
- 1863-02-03
- Page
- Seite 87 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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87 Form, den Casus der Wurzel oder Sproßform des fraglichen Wortes entziffern kann.*) P. S. A. Ushely, December. (Privatmitth.) Mittelst eines hohen königlichen Statthaltereidekretes wurde dem Ujhelyer Stuhlrichteramte aufgetragen die Winkelschulen aufzulösen, und ist denn auch in Folge dieser Verordnung die Musterhauptschule dieser Gemeinde in dem gegenwärtigen Semester zahlreicher besucht, als in früheren Jahren. Eine ähnliche Verordnung langte nach Tokah herab, und ist diese Gemeinde angehalten worden, die öffentliche Schule, die seit 2 Jahren durch das Cheder verdrängt ist, wieder zu organisiren. In der königl. Freistadt Kaschau liegt das Synagogen- und Schulwesen noch immer darnieder, und gelang es der Fortschrittspartei nicht, das Rabbinat durch einen zeitgemäß gebildeten Rabbiner zu besetzen. Wie sehr sich in dieser im Wachsen begriffenen Gemeinde die Parteien gegenüberstehen, und wie traurig es ist, wenn die große Masse sich selbst überlassen ist, beweist der unlängst bei einem Leichenbegängniß sich daselbst ereignende Fall, wo ein der extremen Partei angehöriges Gemeindemitglied es für geboten hiett, den vom Tischler angefertigten Sarg unmittelbar vor dem Leichenbegängniß zu zertrümmern. Eine vor uns liegende, so eben erschienene Broschüre: Vändor. Serkentesül az izrael hiveinek. Irta Arokhäti Istvän, sarköz — ujlaki lelkesz. Der Wanderer, zur Aufmunterung der Getreuen Israels von Arokhäti, sucht mit denselben in Deutschland schon vor Jahren vorgekommenen Kunststücken die messianischen Weissagungen zu Gunsten des Protestantismus auszubeuten, und wurden wir von den oftmals derben Ausdrücken des protestanttschen Geistlicheu um so unangenehmer berührt, nachdem unter den Reformirten Ungarns der Mysticismus zur Settenheit geworden. Gleich Eisenmenger fällt unser magyarischer Autor über den Talmud her, der nach seiner Ansicht voll abschreckender Märchen und Lügen ist und einzig und allein dazu vorhanden, das Volk in Unwiffenheit zu erhatten. Das einzige in ungarischer Sprache erscheinende israel. Journal Magyar izraelita kömmt uns vor wie nach zu, wenn auch in Folge eines Preßprocesses, der aber durch den allgemeinen Gnadenact Sr. Majestät niedergeschlagen wurde, das Blatt fortan unter Redaction *) Geht es in vielen deutschen Gemeinden mit dem hebräischen Unterrichte nicht ganz eben so? Redaction. des Herru Paul Tenzer erscheint. Indem das Blatt die Hebung der magyar.-israelttischen Zustände zum Gegenstand seiner Hauptbestrebungen macht und durch sein Feuilleton nicht wenig dazu beiträgt, eine magyarischjüdische Literatur zu schaffen, so läßt sich auch dem 3. Jahrgang ein günstiger Erfolg prophezeien. Die Rede des Akademikers Trefort giebt unseren vaterländischen Blättern hinlänglichen Stoff, die nicht freundlichen Bemerkungen des Redners zum Gegenstand einer ernsten Besprechung zn machen und wie immer steht auch dieses Mal der Eigenthümer des Orszäg Herr v. Pompery, der wackere Verfechter unserer bürgerlichen Freiheit, in erster Reihe. B. I. Rosemneyer. Schweiz. Endingen, 15. Januar. (Privatmitth.) Die jüngste Nummer dieser Zeitung enthält in einer Correspondenz ans dem Aarau einige Mittheilungen über den „Cultur- Verein der Jsraelüen in der Schweiz", welche mich zu einer Berichttgung veranlassen. Der Verein zähtt gegenwärtig nahe zu 140 Mitglieder, und zwar zum größten Theile aus der deutschen Schweiz. In den Gemeinden Basel, Badeu, Zürich, Biel haben sich nur Wenige ausgeschlossen, es zeigt sich namentlich an diesen Orten ein Eifer für die Interessen des Vereins, der alle Anerkennung verdient. Die beiden größten schweizerischen Gemeinden Endingen und Lengnau haben sich verhältnißmäßig schwach betheiligt, Endingen mit ca. 30, Lengnau mit nur 12 Mitgliedern, hingegen haben die ebenfalls schweizerischen Israeliten in Aarau, Rheinfelden, Lenzburg, Wohlen, Menziken, Horgen, Stäfa, Rapperschwil und vielen andern Orten mit Bereitwilligkeit ihren Beitritt erklärt. Mehrere Gemeinden, welche ausschließlich aus Elsassen bestehen, wie Avenclus, Chaux-de-Fonds, Burgsdorf u. a. haben sich ganz ausgeschlossen, was theils dem Culturstand, theils dem Jndifferenttsmus zuzuschreiben ist; selbst aus Gens, einer größeren Gemeinde elsässischer Israeliten, hat sich bis jetzt nur ein einziges Mttglied gemeldet. Der Verein wird nun in den nächsten Tagen die von dem Comitö in der jüngsten zu Baden stattgefundenen Versammlung entworfenen Statuten an seine Mitglieder versenden und nächst der Wahrung der innern Jntereffen besonders dahin streben, in Zürich eine Unterrichts- und Erziehungs-Anstalt zu gründen. Dr. Kayserling, Rabbiner. 6**