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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-03 · Heft 6 (3.2.1863) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 6 (3.2.1863)
Date
1863-02-03
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
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83 die nur aus dem Grunde erfolgte, weil Herz Jude ist. Die Universität hat in diesem Falle ohne Zweifel ihre Schuldigkeit gethan; sie hat das Wissen, das zunächst ihrer Pflege anvertraut ist, vor Allem berücksichtigt und sich nicht beirren lasten durch den Glauben. Nur einen Jrrthum habe ich dabei zu berichtigen: In allen Blättern wurde dem Cultus-Minifterium die Schuld jener Abweisung aufgebürdet. Die constitutionelle Verantwortlichkeit trägt es freilich auch dafür; aber es hat, wie ich aus sicherer Quelle weiß, zweimal die Ernennung des vr. Herz zum Professor begutachtet; es ist ein höherer Wille, für den es jede Verantwortlichkeit übernehmen muß. (F. Z.) Hamburg, im Januar. (Privatmitth.) Es ist hier eine neue Tragödie: „der letzte König der Juden (Simon Bar-Kochba) von Arthur Müller" aufgeführt worden, die wahrscheinlich die Runde durch einen Thell Deutschlands machen und die besondere Aufmerksamkeit der Juden erregen wird, weshalb sie hier eine kurze Erwähnung verdient.*) Ueber den Titel des Stücks läßt sich streiten; denn Könige wie Bar-Kochba haben die Juden seitdem mehrere gehabt, namentlich den Zeitgenosten Baruch Spinoza's, Sabbathay Zebi in Smyrna, für den länger als 10 Jahre in den meisten Synagogen Asiens und Europas — auch hier in Hamburg — die Liturgie Ha-noten teschua mit Einschaltung et adonenu hamelech Sabb. Z. abgelesen wurde. Doch das sei verziehen; eben so wie, daß hier aus dem historischen Rabbi Akiba ein Hohenpriester mit Diadem und Brustschild gemacht war. Der fürchterliche, beiderseits mit äußerster Grausamkeit geführte Krieg zwischen Römern und Juden ist ein glücklich gewählter dramatischer Stoff, und die — wohl meist um weibliche Rollen anzubringen — eingestreute romantische Episode mit Geschick auSgedacht. Auch ist die Sprache und der Vers fast durchgehends zu loben. Und doch packt das Stück nicht, weil ihm, sonderbar genug, alle Tendenz fehlt. Da stehen neben einander die Vertreter des alten patriotisch-religiösen Judenthums, des neu aufftrebenden phrasenreichen Christenthums („Chrysostomus (?) Haupt der Christen¬ *) Ueber die Tragödie „Bar-Kochba", die von Paul Möbius vor Kurzem im Druck erschien, haben wir in No. 2 berichtet. Die Redaction. gemeinde"), des heidnisch-patriotischen Römerthums (Valeria, Gemahlin des Procurators, eine hohe Glanzrolle) und der arabische Sabäismus („Abbar, ein arab. Häuptling"), aber für keine Partei als solche versieht, ja sucht der Dichter Interesse zu erregen, es sei denn, er glaube, den ersten Christen ein großes Compliment zu machen, indem er sie als Volks- und Gatten-Verräther darstellt. Selbst der durchgängig großartig gezeichnete Held des Stücks — der Zuschauer weiß nicht ob er sich am Schluß seines Unterganges freuen oder ihn beklagen soll. Und doch geht in der Brust dieses Helden ein Conflict vor, von dem man wünscht, Shakespeare hätte ihn bearbeitet. Er, der aufrichtig überzeugte Messias, erfahrt nämlich am Anfang der Katastrophe, daß sein Weib, seine leidenschaftlich geliebte Rahel, einen andern Messias, den ein Jahrhundert früher in Jerusalem gekreuzigten, anerkennt. Eine dramatische Enthüllungsscene, effectvoller als zwischen Demetrius und Marfa. Allein der gigantische Kampf wird nur angedeutet, nicht dargestellt. Warum der Dichter die Rahel nicht getödtet hat, ist ebenfalls unbegreiflich: er läßt sie an Bar-Kochba's Leiche ungefähr so dastehen, wie Jessika neben dem abgestraften Shylock. Eben so wenig erfährt man, weshalb der von den Römern im Namen des kapitolinischen Jupiters vernichtete Bar-Kochba im Sterben, den Kaiser Julian anticipirend weissagt, dies, ihm kaum bekannte Kreuz werde Rom stürzen! Schlecht gearbeitet ist indeß nur eine Scene, nämlich die, worin die Juden vom Messias ein Mirakel verlangen und dieser sie besänftigt. Diese Scene steht hinter der ähnlichen im „Propheten" zurück. Einen kuriosen Contrast bildeten die in dem Stück vorkommenden Liebesphrasen der Christen gegen die zufällig an dem Tage der ersten Aufführung in hiesigen Blättern aufgefrischte Verordnung des Oberhauptes der Christenheit (Rom 1823), in welcher unter anderen Liebespfändern auch den christlichen Aerzten bei Strafe verboten ward, jüdischen Patienten, selbst in der Todesnoth, beizustehen. In Holstein kommen nun nächstens die Landstände zusammen, und wir Juden haben dann wohl wieder einmal Gelegenheit, die „christliche Liebe" in ihren Thaten gegen uns zu bewundern. Allein auch die jüdische läßt verschiedene Lücken und Auslegungen zu. Es waren meist Stellen aus dem a. T., mit denen neulich die Times und Genossen die Sclaverei zu stützen unternommen haben, und das vor

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