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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-02-03 · Heft 6 (3.2.1863) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 6 (3.2.1863)
Date
1863-02-03
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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Bearbeitung von blutigen Berfolgungs-, Kindermord- und Kinderraubgeschichten in novellistischer oder dramatischer Form wir einige Abneigung hegen, wenn wir auch selbst vor zwanzig Jahren in unsrer „Esterka" ein solches Sujet dramatisch bearbeiteten, wie auch Wolsson vor einigen Jahren gethan. Der tragische Stoff ist hier zu bequem, um durch neue Erfindung die Phantafie des Lesers zu reizen, und zu schroff, um nicht von vorn herein antipathisch zu wirken. Der Gegenstand kann nicht anders, als eine harte und bis an die äußerste Grenzlinie gehende Charakterzeichnung nothwendig machen, die stets unangenehm ersaßt. Haben wir es ja hier mit einem Fanatismus zu thun, der teuflisch geworden. Trotzdem hat uns die poetische Arbeit Stein's, die hier vorliegt, vielen Beifall abgewonnen. Das zu Grunde liegende Ereigniß ist erst im verflossenen Jahre durch Carmoly an's Licht gezogen und auch durch Mittheilungen im Jüdischen Volkslatte bekannt geworden, und bot dem Dichter die dankbare Gelegenheit, der Wirklichkeit gemäß, durch den Eintritt der französischen Revolution eine glückliche Lösung herbeiführen zu lassen. Stein fügte dem die gut motivirte Steigerung hinzu, daß der geraubte Knabe durch seine Treue gegen den väterlichen Glauben die Inquisition zu seiner Berurtheilung zum Scheiterhaufen bringt, wo dann im rechten Augenblick der die päpstliche Provinz im Namen des Königs und der konstituirenden Versammlung und mit dem Willen des Volkes Frankreich einverleibenden Commiffär den Verurtheiltcn rettet und seinen Eltern zurückgiebt. Auf solche Weise hat das lokale Ereigniß den Hintergrund großer Principien gewonnen, und daß auch christlicher Seits edele und großsinnige Persönlichkeiten auftraten. Die Sprache ist durchweg edel, gedankenreich und nicht ohne neue Bilder, wenn sii auch der Härten nicht entbehrt und bisweilen, namentlich in den Momenten der größten Affekte, zu wortreich und ausgedehnt erscheint. Wir heißen daher das Werk mit großer Befriedigung willkommen. — „Jüdische Klange. Gedichte von B. Löwen st ein, Rabbiner zu Butschowitz. Brünn 1862." Der Dichter dieser poetischen Gabe besitzt unbedingt das Talent leichter und angenehmer Versifikation, ungezwungenen Reimes und gewandten Ausdrucks, dabei eine liebenswürdige Gemüthlichkeit, echt religiösen Sinn und aufrichtige Begeisterung für das Judenthum. Wir können daher einige dieser Gedichte als wahrhaft poetisch und in der Form gelungen bezeichnen, z. B. „David's Reue". Hingegen läßt sich nicht verkennen, daß der Berf. sich durch feine Leichtigkeit in der Behandlung öfter zur Breite verleiten laßt, und die Gewöhnlichkeit der Gedanken und Bilder nicht genugsam scheut. Manchmal stört ein einziger Vers in einem sonst ganz trefflichen Gedichte. Diese Bemerkung setzt aber schon von selbst voraus, daß wir den Verfasser für einen sehr wackeren Dichter halten und anerkennen, und daß wir die vorliegende Sammlung in die Hände vieler Glaubensgenossen wünschen. — Petersburg, 16. Januar. Die öffentlichen Blatter berichten: Zwei Karaitische Juden, die Brüder Firkowitsch, haben dreißigjährige Mühe darauf gewandt, Karaitische Manuscripte und Grabschrifteu (letztere zum Theil in photographischer Nachbildung) zu sammeln, deren manche vor Christi Geburt hinauf reichen. Die kaiserl. Bibliothek hat diese Alterthümer au sich gebracht und nach den übereinstimmenden Aussagen weltberühmter Specialisten (Tischendorf in Leipzig, Akademiker Dorn hier, Olshauseu in Berlin u. a.) kann die Authenticität der aufgefundeuen Manuscripte nicht angezweifelt werden und dieselben wären geeignet eine förmliche Revolution im Wortlaute des Pentateuch, namentlich in der Punction, hervor zu rufen. Dank freilich der materialistischen Tendenz unserer Zeit, wird sich der Kampf auf die wissenschaftliche Welt beschränken und schwerlich zu neuen Sectenbildungen Anlaß geben. Die Collection umfaßt 47 Rollen Manuscripte aus dem Pentateuch auf Leder uud Pergament, 77 Exemplare des alten Testaments, 23 Uebersetzungen desselben in Orientalischen Sprachen, 272 Werke Karaitischer Gelehrten, 523 rabbinische Werke, 250 historische Werke, 722 Grabschriften, 300 Werke, betreffend die Geschichte der Karaiten im westlichen Rußland, und ungefähr 300 Pläne ehemaliger Festungen Neureußlands. (Daß diesem Fund ein großer Werth innewohnt, kann man leicht erkennen, daß er ein Resultat wie das oben bezeichnete haben werde, ist wahrscheinlich eine Uebertreibung, welche bei Archäologen, sobald sich etwas Alterthümliches findet, gewöhnlich ist.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 5. Januar. Die Presse hat sich vielfach mit der Zurückweisung des einstimmigen Vorschlags der Universität Erlangen beschäftigt, den Prosector Di*. Herz zum Professor zu ernennen, eine Zurückweisung,

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